Verordnung des Landes Leere Spielplätze und volle Cafés in Magdeburg

Nach Schulen und Kitas wurden nun auch Spielplätze geschlossen – Orte, die für Kinder gemacht sind. MDR SACHSEN-ANHALT hat sich auf Spielplätzen in Magdeburg umgeschaut.

Ein leerer Spielplatz mit großer Rutsch- und Kletteranlage
Die Spielanlage des Spielplatzes an der Hegelstraße war komplett leer. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Die Idee der neuen Maßnahmen und Beschränkungen zur Eindämmung des Verbreitung des Coronavirus ist: Je weniger Leute öffentlich unterwegs sind, desto weniger Leute laufen Gefahr sich bei einer womöglich infizierten Person mit Corona anzustecken.

Umgekehrt soll natürlich auch vermieden werden, dass eine infizierte Person, die keine oder kaum Symptome zeigt, weitere Menschen in der Öffentlichkeit ansteckt. Nach Schulen und Kitas wurden nun auch Spielplätze geschlossen.

Eltern kennen das Verbot

Am Spielplatz im Rotehornpark wurde ein A4-Zettel mit silbernem Paketband über das ungefähr zwei Meter hoch hängende Spielplatzschild geklebt: "Achtung! Aufgrund der Eindämmungsverordnung wegen der Ausbreitung des Corona-Virus bleiben alle Spielplätze geschlossen."

Ein überklebtes Spielplatzschild mit Spielplatz im Hintergrund
Das Schild mit dem neuen Hinweis hängt ungefähr zwei Meter hoch. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

An den Sportgeräten trainieren zwei Teenager, wenige Kinder toben durch die Spieleburg. Zwei Bänke am Rand des Spielplatzes sind besetzt. "Wir sitzen nicht auf dem Spielplatz, wir sitzen daneben", sagt Christiane, die mit ihrem vierjährigen Sohn Marvin unterwegs ist. "Ich wollte ihm zeigen, dass der Spielplatz zu ist, und dass er nicht auf den Spielplatz darf und dass auch keiner drauf darf."

Der Spielplatz war aber nicht zu. Es gab keine Absperrungen, nur den kleinen Zettel am Eingangsschild. Bei einem Anruf an die Behördennummer der Stadt Magdeburg, der 115, sei ihr versichert worden, dass der Spielplatz noch abgesperrt werden würde. Sinnvoll findet Christiane die Schließung der Spielplätze schon, wenn auch schade.

Zwei weitere Mütter sitzen – mit ausreichend Sicherheitsabstand – ein Stück weiter. Ihre Kinder gehören zu den wenigen, die an den Spielgeräten sind. Dass der Besuch nicht mehr erlaubt ist, wissen sie. Mit der Schließung der Kita und den Schulen müsse man aber die Kinder auch den ganzen Tag und vier Wochen lang beschäftigen. Deshalb verbringen sie auch mal zwei oder drei Stunden hier. Und es sei ja niemand sonst da. Normalerweise sei dieser Spielplatz bei gutem Wetter sehr voll und man bekomme kaum einen Sitzplatz. Die Polizei oder das Ordnungsamt hätten sie noch nicht gesehen. Als die zwei Frauen den Spielplatz gegen 15 Uhr verlassen, erreicht gerade eine andere Familie den Platz.

Cafés und Wiesen voller Leute

Neben dem Spielplatz, auf der Freifläche zwischen einem Restaurant – dessen Außenbereich fast vollbesetzt ist – und der Stadthalle spielen drei Männer Volleyball, mehrere Kinder fahren auf Inline Skates umher, andere spielen Fangen. Auf dem Weg Richtung Hasselbachplatz über die Hubbrücke deutet nichts darauf hin, dass Maßnahmen getroffen wurden, die das soziale öffentliche Leben einschränken sollen.

Große Gruppen von Menschen sitzen auf Decken auf der Wiese am Ufer, Pärchen kuscheln, Teenager hören laut Musik. Eine Gruppe älterer Frauen betritt die Hubbrücke, auf der zahlreiche junge Menschen es sich an den Geländern zwischen den Stahlpfosten gemütlich gemacht haben. Und auch das Café am anderen Ende ist vollbesetzt mit Leuten, die das wahrscheinliche erste Eis des Jahres in der Frühlingssonne genießen.

Wiesenfläche an der Elbe in Magdeburg mit Gruppen junger Leute
Viele Leute genossen das Frühlingswetter auf den Elbwiesen. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Spielplatz im Gründerviertel fast leer

Auf dem Spielplatz zwischen Hegel- und Leibnizstraße ist es tatsächlich ruhig. Ein Warnschild am Eingang ist hier nicht zu sehen. In der großen Rutschanlage spielt niemand, nur dahinter auf der Mauer sitzt halb versteckt eine Gruppe Teenager. Auf der Freifläche gegenüber der Spielanlage spielen zwei Frauen Fußball. Der Abstand zwischen ihnen ist viel Größer als zwei Meter. Die einzigen Kinder hier spielen in der Sandecke an den Geräten, betreut von zwei Erwachsenen.

Verantwortung liegt bei den Eltern

Auch Ferdinand, der mit seinen neun- und fünfjährigen Kindern hier ist, weiß, dass es nicht erlaubt ist. Er kann die Entscheidung des Landes nachvollziehen, vor allem mit er vorangegangenen Schließung der Schulen und Kitas: "Da wäre es nicht sinnvoll, wenn dann alle auf dem Spielplatz wären," sagt er. Aber er wohne in der Nähe und habe gesehen, dass sonst niemand da ist. Mit genug Abstand, findet er, ist das okay. Als Elternteil sei man dann auch in der Verantwortung, zu antizipieren, was die Kinder machen.  

"Ich bin gespannt, was das mit einem macht, vier Wochen zu Hause", sagt Ferdinand. Sein Sohn findet, dass es ganz schön viele Hausaufgaben gibt, dafür dass Corona-Ferien sind. Seine Zeit zu Hause vertreibe er sich mit "auf dem Bett liegen, bauen und lesen." Die Familie würde statt Spielplatz sonst auch noch draußen Fahrrad fahren. Es gebe viel Aufklärung zu Hause, zum Beispiel, dass man sich regelmäßig die Hände waschen und solange, wie man braucht, um zweimal "Happy Birthday" zu singen.

Polizeikontrollen auf dem Spielplatz

Am Spielplatz am Hasselbachplatz, erzählt Ferdinand, sei auch die Polizei bereits vorbeigefahren und hätte aufmerksam geguckt, ob und wie viele Menschen sich darauf befinden. Nach Angaben der Stadt wurden gestern 14 Spielplätze kontrolliert, vier davon seien leer gewesen.

Blick auf den Magdeburger Ulrichsplatz mit voll besetztem Café
Die Café-Tische in der Nachmittagssonne waren am Mittwoch gut besetzt. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

"Die Aufenthaltsverbote durchzusetzen war schwierig und mit langwierigen Diskussionen verbunden", schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung, "ein Verständnis der Eltern war nicht immer gegeben, so dass es auch zur Erteilung von Platzverweisen zur Durchsetzung der Landesverordnung kam."

Auch Spielhallen, Fitnessstudios, Ladengeschäfte und Gaststätten seien kontrolliert worden. Verstöße in Gaststätten seien vor allem zu eng gestellte Tische gewesen, was jedoch von den Betreibern je schnell korrigiert worden sei. Zwei Meter Abstand müssen die Tische voneinander haben.

Quelle: MDR/jh

25 Kommentare

Ossigoire vor 26 Wochen

temporäre Ausgangssperre wegen Corona wird ab Montag sinnvoll erfolgen
permanente Ausgangsbeschränkung wegen Nazitum ist wegen rechtsextremer AfD und deren Fans sinnvoll um weitere fremdenfeindlich-antisemitische Morde abzuwenden und bunt statt braune grenzenlose europäische Demokratie erforderlich

Der Lange vor 26 Wochen

In Magdeburg die Tage beobachtet - Haufenansammlungen vor und in Cafes, kein Ordnungsamt. Blitzer an den Straßen, gucke, da sind die Kollegen. Herr Trümper setzt eben Prioritäten.

Bernd G. vor 26 Wochen

So lange die Politik zehntausende Urlaube aus Risikogebieten holt, muss sich niemand wundern, dass viele Leute die auferlegten Einschränkungen nicht interessieren, denn als die Urlauber in die Ferien flogen, war Corona schon da. Die Politik hat versagt. Mal sehen wann der erste auf die Idee kommt, Diäten halbieren oder wir küssen uns?

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