Verstorbener Schauspieler "Er hätte es verdient": Magdeburg entscheidet über Frank-Giering-Straße

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Er war ein Magdeburger Kind – und stolz darauf: Vor knapp zehn Jahren starb der Schauspieler Frank Giering. Ein sensibler Mensch, heimatverbunden und in sich gekehrt, berichteten Weggefährten immer wieder. Nun will die Stadt Magdeburg einem ihrer berühmten Kinder die letzte Ehre erweisen – und eine Straße nach Giering benennen.

Collage zweier Fotos, die den Schauspieler Frank Giering und ein Straßenschild mit der Aufschrift -Frank-Giering-Straße- zeigt.
In Magdeburg könnte demnächst eine Frank-Giering-Straße an das Schaffen des Schauspielers erinnern. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat. Bildrechte: dpa | Collage: MDR SACHSEN-ANHALT

Es gibt Rituale, an denen auch eine Pandemie nichts ändert. Seit dieser Woche läuft im Moritzhof in Magdeburg wieder der Spielbetrieb – gerade rechtzeitig, könnte man sagen. Früh genug jedenfalls, um gebührend an eines der berühmtesten Magdeburger Kinder unserer Zeit zu erinnern. Im Moritzhof machen sie das schon seit zehn Jahren, immer am 23. Juni – dem Todestag von Frank Giering. Auf der Leinwand läuft dann der Film "Absolute Giganten" aus dem Jahr 1999. In einer der Hauptrollen: Frank Giering.

Der Name des Schauspielers, geboren 1971 in Magdeburg, ist einer der Namen, die häufig fallen, wenn es um Magdeburger auf der großen Leinwand geht – oder auf den Fernsehern der Bundesrepublik. Giering stand für Dutzende Filme und Fernsehproduktionen vor der Kamera, noch heute verbinden ihn viele aber mit diesem einen Film aus dem Jahr 1999: "Absolute Giganten". Giering spielte darin den Floyd – und es gibt Stimmen, die sagen, dass diese Rolle sein Durchbruch war. "Absolute Giganten" ist die Geschichte von drei Hamburger Jungs, von denen einer einen Neustart wagt. Fernab der Heimat. Es war Floyd. Gespielt von Frank Giering.

Der Floyd – ein Abbild von Frank Giering

Christoph Hackel verbindet noch etwas anderes mit dem Film. Auch deshalb zeigt der Geschäftsführer des Moritzhofes "Absolute Giganten" Jahr für Jahr an Gierings Todestag. Die Rolle des Floyd sei ein Abbild jenes Frank Giering, den er kennengelernt habe, erzählt Hackel. "Der Film thematisiert Freundschaft und was Freundschaft ausmacht. Er thematisiert das Weggehen und Neu-Anfangen. Das passt."

Das Leben des Frank Giering

Das Grab des deutschen Schauspielers Frank Giering (1971-2010) auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg,
Das Grab von Frank Giering auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg Bildrechte: dpa

Frank Giering wurde im November 1971 in Magdeburg geboren. Dort ging er zur Schule, dort lebte er viele Jahre seines Lebens – auch noch, als seine Schauspielkarriere Anfang der 1990er Jahre Fahrt aufnahm. Giering spielte unter anderem an den Theatern in seiner Heimatstadt und in Cottbus, überregional bekannt wurde er Ende der 1990er durch den Film "Funny Games". Sein Durchbruch war die Hauptrolle im Kultfilm "Absolute Giganten" 1999.

Bis zu seinem Tod am 23. Juni 2010 stand Giering für rund 80 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, zuletzt in der ZDF-Serie "Der Kriminalist". Er starb in seiner Wohnung in Berlin an einer akuten Gallenkolik. Giering wurde im Juli 2010 auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg beigesetzt.

Frank Giering hat seine Heimatstadt erst spät verlassen. Mit 29 Jahren. Er hing an Magdeburg. Und er hat den Namen seiner Heimatstadt in die Filmwelt getragen. "Wenn jemand über seine Heimatstadt spricht, für Filmgespräche und Filmpremieren zurückkommt, dann zeigt das, dass er seine Wurzeln beibehält und nicht verleugnet", sagt Christoph Hackel. Er und Giering waren sich 2000 das erste Mal begegnet, bei einem Filmgespräch im Moritzhof.

Zehn Jahre nach seinem Tod Das Wirken von Schauspieler Frank Giering

Arno Frisch, Frank Giering und Ulrich Mühe
1997 läuft der Film "Funny Games" in den deutschen Kinos an. Drehbuch und Regie stammen von Michael Haneke. Frank Giering (Mitte) spielt in dem Drama die Rolle des "Peter" – im Bild mit Arno Frisch und Ulrich Mühe. Bildrechte: IMAGO
Arno Frisch, Frank Giering und Ulrich Mühe
1997 läuft der Film "Funny Games" in den deutschen Kinos an. Drehbuch und Regie stammen von Michael Haneke. Frank Giering (Mitte) spielt in dem Drama die Rolle des "Peter" – im Bild mit Arno Frisch und Ulrich Mühe. Bildrechte: IMAGO
Filmszene «Absolute Giganten» mit Florian Lukas, Frank Giering Antoine Monot
An der Seite von Florian Lukas und Antoine Monot ist Frank Giering 1999 im Kultfilm "Absolute Giganten" zu sehen. Bildrechte: dpa
1999, Sebastian Schipper FLORIAN LUKAS (Ricco), FRANK GIERING (Floyd), ANTOINE MONOT JR. (Walter)
In der Rolle des Floyd gelingt ihm der Durchbruch. Bildrechte: IMAGO
Das undatierte Szenenbild aus der deutschen Produktion Baader zeigt die deutschen Schauspieler Michael Sideris, Laura Tonke und Frank Giering (v.r)
2002 dann spielt Giering den RAF-Terroristen Andreas Baader im gleichnamigen Film. Bildrechte: dpa
Schauspieler Frank Giering (GER) anlässlich der Dreharbeiten zum ARD-Film Störtebeker (2005)
Vier Jahre später ist er im ARD-Film "Störtebeker" zu sehen. Bildrechte: imago/Andre Poling
«Der Kriminalist»: Frank Giering (als Kommissar Henry Weber) zwischen seinen Kollegen Maya Bothe (als Kommissaranwärterin Alex Keller), und Christian Berkel (als Hauptkommissar Bruno)
Von 2006 und bis zu seinem Tod steht Giering an der Seite von Christian Berkel und Maya Bothe für die ZDF-Serie "Der Kriminalist" vor der Kamera. Giering spielte darin den Kommissar Henry Weber. Bildrechte: dpa
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Wenn Hackel nun an Frank Giering zurückdenkt, kommen ihm viele Emotionen und Erinnerungen in den Sinn – nicht, weil beide sich ständig begegnet wären. Eher, weil die wenigen Begegnungen "intensiv" waren, wie Hackel es formuliert. Für die letzte Begegnung der Beiden war Hackel 2008 nach Berlin gefahren. Giering hatte dort inzwischen eine kleine Wohnung. "Wir haben in Berlin über Projekte gesprochen, die wir in Magdeburg im Bereich Kino machen wollten", erinnert sich Hackel. "Er wollte der Stadt etwas zurückgeben, in der seine Wurzeln sind. Das war sehr berührend."

Nun will die Stadt Magdeburg einem ihrer berühmten Söhne die letzte Ehre erweisen. Sie will etwas zurückgeben von dem, was Giering seiner Stadt gegeben hat. Diesen Donnerstag entscheidet der Magdeburger Stadtrat, ob es in der Landeshauptstadt künftig eine Frank-Giering-Straße geben wird. Im Stadtteil Olvenstedt. Zu Ehren an eine bedeutsame Persönlichkeit der Stadt. "Verdient hätte er das in jedem Fall", sagt Christoph Hackel.

Eine Frank-Giering-Straße wäre eine gute Anerkennung für das, was er gemacht und geschaffen hat.

Christoph Hackel Geschäftsführer des Moritzhofes in Magdeburg

Als Giering 2010 starb, schrieben die Feuilletonisten in ihren Nachrufen von einem schüchternen und introvertierten Mann – einem, der sich an seinem Beruf "berauschte", wie der "Spiegel" damals bilanzierte. Christoph Hackel bestätigt das. "Frank Giering war ein sehr sensibler, empfindsamer und für sich zurückgenommener Mensch", sagt Hackel. "Wenn Filme von ihm nicht so gut besprochen wurden, hat er das sehr persönlich genommen."

Ehrung für weitere Magdeburger Persönlichkeiten Neben Frank Giering sollen zwei weitere Magdeburger Persönlichkeiten mit einer nach ihnen benannten Straße geehrt werden. In der Neuen Neustadt soll eine "Selma-Rudolph-Straße" künftig an das Schaffen der Magdeburger Unternehmerin und Stifterin Selma Rudolph (1853-1931) erinnern. Sie hatte der Stadt unter anderem die 1900 erbaute Villa in der Kaiser-Wilhelm-Straße überlassen. Die Villa ist heute bekannt als "Haus des Handwerks". Geehrt werden soll auch Walter Basan (1920-1999), ein bekannter Schriftsteller und Hörspielautor. Die "Walter-Basan-Straße" soll in Neu-Olvenstedt entstehen.

Christoph Hackel wünscht sich, dass die Stadträte am Donnerstag für eine Frank-Giering-Straße stimmen werden. Vergessen wird er Frank Giering aber auch dann nicht, wenn es nicht so kommt. In Hackels Wohnung erinnern zwei Bücher an die letzte Begegnung mit Frank Giering. Der Schauspieler hatte Hackel damals das Drehbuch von "Funny Games" aus dem Jahr 1997 geschenkt. Und ein Filmlexikon von Reclam. Giering hatte etwas zurückgegeben – so, wie er es in seinem Leben häufig getan hat.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Juni 2020 | 09:30 Uhr

3 Kommentare

C.T. vor 16 Wochen

Sorry, ein eher unbedeutender Schauspieler ohne jegliche Wirkung auf die Gesellschaft. Mitgewirkt in einer handvoll Filmen des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks (zwangsabgabenfinazierte Z-TV Produktionen) hat sicher nichts dergleichen verdient. Sinnvoll wäre es, seinen Nachlass zu verpfänden und den Zwangsabgabenpflichtigen als Entschädigung zurück zu zahlen...

MDR-Team vor 16 Wochen

Was wollen Sie uns damit sagen?

Haller vor 16 Wochen

Oh Gott!
Und das wo Autor und MDR sonst ein Hohelied auf den Globalismus singen.

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