Beschluss im Stadtrat Aus für Wohnprojekt im Stadtpark von Magdeburg

Der Stadtrat in Magdeburg hat ein umstrittenes Bauprojekt im Stadtpark abgelehnt – mit den Stimmen von Grünen, Linken und AfD. Die Planungen der Investoren liefen bereits seit einigen Jahren. Mit dem Votum gibt die Stadt nach außen kein gutes Bild ab, findet Oberbürgermeister Trümper.

Ein heruntergekommenes Gebäude im Stadtpark von Magdeburg
Das vorgesehene Gelände ist momentan verwildert. Bildrechte: MDR/ Kalina Bunk

Im Stadtpark von Magdeburg wird vorerst kein Wohnviertel entstehen. Der Stadtrat hat die Pläne für das Wohnquartier Winterhafen am Donnerstag abgelehnt. Dabei ging es um das brachliegende Areal zwischen Winterhafen und Seilerweg im Nordosten des Parks. Es sollte geprüft werden, ob eine Bebauung tatsächlich möglich ist. Doch Grüne, Linke und AfD stimmten dagegen.

Ein Investor aus Oldenburg in Niedersachsen wollte auf dem Gelände, das früher unter anderem vom MDR genutzt wurde, ein generationsübergreifendes Wohngebiet errichten – inklusive betreutem Wohnen und einer Kita.

Diskussion um Hochwasserschutz

Über die Pläne wird schon seit ein paar Jahren diskutiert. Bereits 2018 bat der Investor um Zustimmung. Der Antrag, den Bau zu prüfen, wurde im Herbst des selben Jahres im Stadtrat allerdings zurückgezogen – aufgrund von Bedenken zum Hochwasserschutz. Konkret ging es um die Frage, wie das Gelände im Fall eines Hochwassers evakuiert werden könnte. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte damals, es sei für das Projekt der falsche Zeitpunkt, die Zeit sei noch nicht reif. Man müsse zunächst die offenen Fragen klären.

Eine Prüfung der unteren Wasserbehörde ergab im Anschluss, dass es zulässig wäre, auf dem Gelände Wohngebäude zu errichten. Das Areal könne mit Blick auf das Hochwasser-Problem aufgeschüttet werden.

Trümper: "Schade, dass Gelände nicht aufgewertet wird"

Dass das Projekt im Stadtrat nun dennoch durchgefallen ist, darüber zeigte sich Oberbürgermeister Trümper entsetzt. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Investor habe das Grundstück gekauft und seit mehreren Jahren Geld investiert. Er sei traurig, dass das Areal nicht aufgewertet werde. "Das ist sehr schade, aber so ist Demokratie", so Trümper.

Bei der mehr als anderthalbstündigen Diskussion im Stadtrat hatten die Grünen argumentiert, der Bau sei ökologisch nicht hinnehmbar. Es handele sich um ein wichtiges Biotop für Stadtklima, Tiere und Pflanzen. Zudem sei die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nicht ausreichend.

"Merkwürdige Allianz von Linken und AfD"

Trümper ärgerte sich aber vor allem über die Aussagen von Linken und AfD. Er sprach von einer "merkwürdigen Allianz". Den Investoren sei unterstellt worden, sie würden nur Geld verdienen wollen und alles andere sei ihnen egal. Dies sei grober Unfug.

Besonders die Argumente von Linken und der AfD waren aus meiner Sicht ziemlich verheerend für das Bild der Stadt nach außen.

Oberbürgermeister Lutz Trümper

Baupläne für zweigeschossigen Wohnhäuser in Magdeburg
So sahen die bisherigen Pläne für das Gelände aus. Bildrechte: Stadt Magdeburg

Anderes Wohnviertel wird geplant

"Wenn wir keine privaten Investoren in der Stadt hätten, würde die Stadt dramatisch schlecht aussehen – so wie es zu DDR-Zeiten war. Also die Idee, dass der Staat jetzt in den Wohnungsmarkt einsteigt und Private das nicht mehr machen sollen, das ist ja Kommunismus, wie man ihn aus früheren Zeiten gekannt hat", so Trümper.

Damit wird das Bauvorhaben also erstmal nicht mehr weiter verfolgt. Ein anderes geplantes Wohnprojekt in der Nähe dagegen schon. Direkt am Stadtpark-Rand planen die Wohnungsbauunternehmen Wobau und MWG ein neues Wohnviertel an der Elbe. Im Januar hatte der Stadtrat entschieden, dass die Planungen für dieses neue Wohnviertel weitergehen können.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Mai 2020 | 07:30 Uhr

8 Kommentare

nicht aufgeben vor 2 Wochen

Und was soll eigentlich gebaut werden? Der Investor hatte kurz vor der Stadtratssitzung am 14.05.2020 eine neue Planung vorgelegt, die jedoch nur 9 Stadträten vorlagen. Demnach solle es wohl nur 30 Wohnungen für demenzkranke Bürger geben, die dort mit ihren Angehörigen gemeinsam wohnen können, keine Pflegestation. Eine Kita, für die es lt. Aussagen der Verwaltung keinen Bedarf gibt, die nicht bestätigt wird, dafür ein Cafe mit ca, 130 Plätzen, Arztpraxen, Physiotherapie usw., nur 32 Parkplätze. Auch die Geschossigkeit soll erhöht haben. Diese Projekt sollte mal wieder im Eiltempo durch gewinkt werden, auf der Grundlage unvollständig Unterlagen, mit einer geänderten Ausrichtungen des Projekts durch den Investor und den offenen Fragen zur Evakuierung der bedürftigen Bewohner. Das Projekt war einfach abzulehnen. Wenn der OB enttäuscht war, stellt sich mir die Frage: Was für Zusagen hat der OB dem Investor schon gemacht, mutmaßlich Zusagen, die seine Kompetenz überschritten haben...?

nicht aufgeben vor 2 Wochen

Schade, dass der MDR bisher nur sehr einseitig berichtet hat, nur die Meinung des enttäuschen OB veröffentlicht hat, der objektiver Fakten der Öffentlichkeit und auch den Stadträten vorenthalten hat. Ihnen liegen in der Redaktion folgende Unterlagen vor, wie das amtl. festgelegte Überschwemmungsgebiet, die Hochwassergefahrenkarte HQ100, der Städtebauliche Rahmenplan Rotehorninsel Stand März 2017, warum werden diese nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ebenso wie die Begründung des OB zu seiner Rücknahme d. ersten Antrages des Investors, Drucksache DS0208/18. Wieso ist die Stellungnahme der Unteren Wasserbehörde nicht bekannt, mutmaßlich "geheime Verschlusssache"? Wie soll die Zufahrt zum Objekt erfolgen, wie bei Hochwasser... über fremde Grundstücken, z.B. mitten über das städtische Geländer des Tiefbauamtes, wo der OB noch nicht wissen will, was dort mal gebaut werden soll... soll die Straße Am Winterhafen aufgeschüttet werden, wer trägt die Erschließungskosten... die Stadt...

ausMagdeburg vor 2 Wochen

Wird auch nur eine Luxuswohnsiedlung im oder am Stadtpark errichtet , wird uns Magdeburger der Stadtpark Häppchenweise weggenommen. Stück für Stück. Ich bin daher für Verbot jeglicher Bebauung südlich der neuen Pylon-Brücke. Die brachliegenden Geländestücke aufforsten und dem Stadtpark zuordnen. Und fertig.

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