Entscheidung des Aufsichtsrates Klinikum Magdeburg: Mehr Geld für Ärzte, aber vorerst kein Tarifvertrag

Der Aufsichtsrat des Städtischen Klinikums Magdeburg hat einer Gehaltsanpassung der Ärztinnen und Ärzte für 2020 und 2021 zugestimmt. Ein bereits verhandelter Wechsel zum Tarifvertrag ab 2022 wurde aber nicht beschlossen. Damit wird nur ein Teil der Vereinbarung zwischen Krankenhaus und Ärzteverband Marburger Bund umgesetzt.

Das Klinikum Magdeburg im Stadtteil Olvenstedt
Der Ärzteverband Marburger Bund verhandelte mit dem Klinikum Olvenstedt im August eine Gehaltserhöhung für Ärztinnen und Ärzte. Bildrechte: ddp, MDR/Max Schörm

Ärztinnen und Ärzte am Klinikum Magdeburg bekommen vorerst mehr Geld. Ein Beschluss über den geplanten Wechsel zum Tarifvertrag ab 2022 steht aber weiterhin aus. Das teilten die Aufsichtsratsvorsitzende Simone Borris und das Klinikum selbst als Ergebnis der Aufsichtsratssitzung des Klinikums mit. Die Nachzahlung für das Jahr 2020 soll nun nach Angaben des Krankenhauses im Februar erfolgen. Die Entscheidung über den Wechsel in den Tarifvertrag sei zurückgestellt, so das Klinikum und Aufsichtsrat. Aber: Dem Marburger Bund hat das Klinikum am Freitag angeboten, neue Tarifverhandlungen aufzunehmen.

Die Geschäftsführerin des Marburger Bundes, Andrea Huth, zeigte sich erstaunt über die Entwicklungen. Der Ärzteverband habe parallel zur Gewerkschaft Verdi Verhandlungen geführt und Vereinbarungen getroffen. Der Verdi-Vertrag, der unter anderem Pflegepersonal betrifft, sei durch, der des Marburger Bundes für Ärztinnen und Ärzte nicht. Beim Marburger Bund müsse man nun zunächst klären, wie man damit umgehe. Huth sagte: "Es gibt jetzt keine Friedenspflicht mehr." Der Marburger Bund könnte etwa in den Streik gehen oder klagen.

Ärztliches Personal: "Erhebliche Geringschätzung"

Das Städtische Klinikum, das sich im Stadtteil Olvenstedt befindet, hatte im August 2020 mit dem Ärzteverband Marburger Bund ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent für das Jahr 2020 und von 2,2 Prozent im Jahr 2021 vereinbart. Ab 2022 sollte demnach der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern gelten.

Die Medizinerinnen und Mediziner hatten im Januar Sorge geäußert, dass die Tarifanpassungen gar nicht umgesetzt würden. Sie hatten sich mit einem Brandbrief an den Aufsichtsrat gewendet, in dem sie auf die erhöhte Belastung in Pandemie-Zeiten hinwiesen. Sie schrieben: "Vieles wird akzeptiert, aber nicht, dass ein ausgehandelter Tarifvertrag nicht in Anwendung gelangt."

Dies würde als erhebliche Geringschätzung empfunden und führe zu Unverständnis, Enttäuschung und Wut. Es hieß weiter, dass mehrere langjährige Mitarbeiter zum Jahresende bereits das Haus verlassen hätten. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Simone Borris, bestätigte, dass der Brief allen Aufsichtsratsmitgliedern bekannt war.

Späte Sitzung des Aufsichtsrates

Das Klinikum hatte auf die Vorwürfe mit dem Hinweis auf seine Satzung und "ein festgelegtes Prozedere zum Abschluss von Tarifverträgen" reagiert. Der Marburger Bund sieht die Vereinbarungen bereits seit November als verbindlich, weil eine festgelegte Erklärfrist verstrichen ist.

MDR/Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Februar 2021 | 11:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt