Zwei Studenten mit Smartphones.
Etwa 140.000 Studenten nutzen die in Magdeburg entwickelte App "UniNow". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Start-Up "UniNow" Magdeburger App erobert Uniwelt

Notenübersicht, Bibliotheksleihfristen und besonders wichtig: der Speiseplan der Mensa. Das sind Informationen, die den Tagesablauf von Studenten bestimmen. Extra ans schwarze Brett schauen oder sich in mehrere Online-Portale einzuloggen, ist kompliziert. Zwei Magdeburger haben eine App entwickelt, mit der die Studenten all das im Blick haben.

von Stefanie Becker, MDR SACHSEN-ANHALT

Zwei Studenten mit Smartphones.
Etwa 140.000 Studenten nutzen die in Magdeburg entwickelte App "UniNow". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angefangen hat alles vor gut vier Jahren in einer kleinen Einraumwohnung. Dort brüteten Tobias Steenweg und Stefan Wegener, beide damals noch Studenten, tagsüber über ihrer Idee und schliefen nachts auf kleinen Koffermatratzen. Sie wollten das Leben an der Uni vereinfachen, waren genervt vom umständlichen analogen Alltag der Institution. "Damals hat man ewig gebraucht, bis man rausgekriegt hat, welche Note gerade wieder raus ist. Und dann saß man in der Straßenbahn und hat gewartet, ob man die Matheprüfung bestanden hat", erinnert sich Stefan Wegener.

Ein Speiseplan in der App UniNow ist auf einem Smartphone geöffnet.
Eine besonders beliebte Funktion der App: der Speiseplan der Mensa Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus dieser Not heraus programmierten Steenweg und Wegener eine App. "Und als wir dann gemerkt haben, dass unsere Freunde gesagt haben, 'Hey cool, das will ich auch haben' und letztendlich die ganze Uni das genutzt hat, haben wir uns ein Herz gefasst und gesagt: 'Okay, dann machen wir das jetzt halt richtig groß.'" So entstand UniNow – eine App, die alle Organisationsbelange der Studenten mit einem Klick erreichbar macht.

Studenten lieben die App

Vier Personen sitzen um einen Bürotisch.
Aus der Idee ist ein Start-Up mit 17 Mitarbeitern geworden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Mensaspeiseplan ist dabei wohl das beliebteste Feature der App. Aber auch der Zugang zum LSF, dem Studienportal mit den Seminarplänen und Noten, machen das Studium einfacher. Der Germanistik-Studentin Paula Engel gefällt die App: "Wenn ich an die Anfangszeit denke, wo ich die App noch nicht hatte und mich immer einloggen musste, um zu gucken wie der Stundenplan ist – nein, das möchte ich nicht mehr. In der App steht auch drin, wo man hin muss. Da hat man immer alles auf einen Blick."

Inzwischen ist aus der Idee ein kleines Unternehmen geworden. Steenweg und Wegener arbeiten hauptberuflich als Geschäftsführer: 17 Mitarbeiter entwickeln die App ständig weiter. Insgesamt sind 140.000 Studenten an mehr als 300 Universitäten auf der ganzen Welt hier eingeloggt – mit teilweise sensiblen Daten. Die beiden Magdeburger tragen eine große Verantwortung: "Wir haben uns sehr mit dem Datenschutz auseinandersetzen müssen", erklärt Steenweg. "Es gab auch viele Hochschulen, die gesagt haben, es ist Wahnsinn, was ihr da macht."

TÜV-Zertifikat bescheinigt Sicherheit der App

Ein TÜV-Zertifikat für UniNow.
Die App ist TÜV-zertifiziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Herbst des vergangenen Jahres stellten die beiden sich der Kritik und ließen ihre App vom TÜV zertifizieren. Es war umfangreiches Auditing, bei dem genau geprüft wurde, wie UniNow programmiert wird, wo welche Daten stecken und wie damit umgegangen wird. So ein Auditing kostet Zeit, Geld und Nerven, doch Steenweg und Wegener haben den Test bestanden. Beiden ist wichtig: Die Daten bleiben auf den Smartphones der Nutzer – UniNow greift darauf nicht zu.

Land finanziert App

Finanziert wird das Unternehmen noch zu einem großen Teil von bmp Ventures – einem Risikokapitalanleger des Landes. Mehr als eine Million Euro sind bereits in das Projekt geflossen. "Wir haben den Auftrag, das Geld mindestens zurückzuholen", erklärt Jan Alberti, der im Auftrag von bmp Ventures das Magdeburger Start-up begleitet. Das bedeutet ein hohes Risiko: "Wenn das Unternehmen nicht funktioniert, ist das Geld des Landes und auch der Privat-Co-Investoren weg."

Aber es sieht gut aus: UniNow ist schon jetzt der weltgrößte Anbieter in Sachen Hochschul-Apps. Die beiden jungen Gründer hätten sich "mit Feuer und Flamme" für ihr Unternehmen eingesetzt, sagt Alberti. "Wir sind da gerne Investoren."

Karriereportal für die Zukunft

UniNow-Gründer Tobias Steenweg und Stefan Wegener.
Die UniNow-Entwickler Stefan Wegener und Tobias Steenweg (v.l.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einigen Jahren soll das Unternehmen finanziell auf eigenen Beinen stehen. Dafür haben die beiden ein weiteres Feature in die App eingebaut: ein Karriereportal, in dem Unternehmen und Studenten zusammengebracht werden können. "Als Student fange ich mit UniNow an und gehe in die Mensa und irgendwann suche ich ein Praktikum oder eine Festanstellung. Da greifen wir ein und geben Hinweise. Und die Unternehmen zahlen dafür", sagt Wegener.

Ein Modell, das zu funktionierten scheint. Die Jungs von UniNow holen die Universitäten aus dem analogen Zeitalter heraus – weltweit. Inzwischen sind Universitäten aus ganz Deutschland, England, den Niederlanden und Frankreich dabei. Steenweg sagt dazu: "Wir sind Visionäre. Und wenn man sich da von jedem, der Argumente dagegen hat, das klein zu reden oder sich davon beeinflussen lässt, dann kommt man nicht weit."

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2018, 17:43 Uhr

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