Image-Sorgen Keine gute Stimmung bei Gastronomen am Hasselbachplatz Magdeburg

Die Gegend rund um den Hasselbachplatz gilt als das Ausgehviertel in Magdeburg. In letzter Zeit geriet der Platz allerdings mehrmals durch Ausschreitungen negativ in die Schlagzeilen. Polizei und Ordnungsamt haben ihre Präsenz erhöht. Außerdem gab es eine Diskussion um Spätshops. Während die sich am Platz verstärkt ansiedeln, gehen andere: In dieser Woche schließt das Café Liebig. Offenbar denken weitere Gastronomen über einen Verkauf nach.

von Natalie Helka, MDR SACHSEN-ANHALT

Jahrelang war das Café Liebig fester Bestandteil der Gastronomie-Szene am Hasselbachplatz. Doch Ende dieser Woche ist damit Schluss. Betreiber Uli Bittner schließt sein Café. Zu den Gründen wollte er sich nicht öffentlich äußern.

Wie ist die Stimmung der Gastronomen am Hasselbachplatz momentan? "Bedrückt", meint zumindest "Curry 54"-Inhaber Olaf Bernhardt. Er sagt, dass bisher keine Maßnahmen für Gastronomen oder Besucher spürbar seien und das schlechte Image des Hasselbachplatzes einfach so viel Raum gewonnen habe, dass es bei Jüngeren ankomme und sie den Platz abends nicht mehr aufsuchten. Früher hätten Gäste mit guter Stimmung bis in die frühen Morgenstunden bei ihm gesessen. "Das ist leider verflogen." Dadurch habe er freitag- und sonnabendnachts auch Umsatzeinbußen von 50 Prozent.

Gastro-Mitarbeiter haben Angst

Ein paar Meter weiter berichtet Thomas Michel von "Sushi-Freunde Magdeburg" noch über ein weiteres Problem. Eine Mitarbeiterin habe sich versetzen lassen, "weil sie abends bis 22.30 Uhr oder 23.00 Uhr arbeiten muss und sich dann aber nicht mehr traut, hier vor die Tür zu gehen."

Aus Daten der zuständigen Polizeidirektion Nord geht hervor, dass die Anzahl der Straftaten am "Hassel" seit Jahren etwa konstant ist – die Kriminalität hat also nicht zugenommen.

IG Innenstadt: zwei weitere Gastronomen denken über Verkauf nach

Arno Frommhagen von der IG Innenstadt sieht mehrere Probleme, die für schlechte Stimmung unter vielen Gastronomen am Hasselbachplatz sorgen: "Es ist eine diffuse Lage von Angst, es ist Dreck, es ist insgesamt auch eine angespannte wirtschaftliche Lage." Der Mindestlohn werde von den meisten längst akzeptiert, aber die begleitenden Auflagen machten mürbe. So gebe es ständig Diskussionen mit Rententräger, Krankenkassen und Finanzamt.

Symbolbild zum Thema Öffnungszeiten der Spätshops in der Neustadt in Dresden.
Der Alkoholverkauf von Spätshops am Hasselbachplatz sollte eingeschränkt werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Sven Ellger

Bei der IG Innenstadt wisse man von zwei weiteren alteingesessenen Gastronomen am Hasselbachplatz, die über einen Verkauf nachdächten, so Frommhagen: "Weil sie aber auch keine Perspektive mehr sehen in ihrem Berufsbild." Faktoren wie der demografische Wandel, eine veränderte Gastronomie in System-Gastronomie und ein hoher Kostendruck spielten dabei eine Rolle.

Was die Situation am Hasselbachplatz angeht, hat die Stadt nach Ansicht von Frommhagen bereits viel unternommen. Beim Ordnungsamt würden Mitarbeiter aufgestockt. Außerdem habe die Stadt versucht, den Alkoholverkauf der Spätshops durch eine Änderung des Landesgaststättengesetzes einzuschränken und sei damit gescheitert. "Wir sehen die Verantwortung ganz klar ausschließlich beim Land im Augenblick."

Attraktivität des Platzes erhöhen

Hasselbachplatz
Nach Ansicht der Grünen ist nicht genug getan worden, um die Attraktivität des Platzes zu steigern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der vermehrten Ansiedlung von Spät-Shops und Shisha-Bars warnt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper davor, dass sich der Hasselbachplatz nicht einseitig in eine Richtung entwickeln dürfe und "eine Situation entsteht, wo die Leute sagen, die abends essen gehen wollen: Was soll ich denn da?" Eine Vielfalt sei wichtig für das Kneipenviertel. Allerdings könne die Stadt Vermietern nichts vorschreiben und die Einflussmöglichkeiten seien begrenzt. Trümper will aber Gespräche führen: "Wir werden jetzt die Gaststättenbetreiber einladen, wir werden die Immobilienbetreiber einladen und fragen, wie die Situation dort eingeschätzt wird, um dann zu entscheiden, wie man damit umgehen kann."

Die Fraktion der Grünen ist der Ansicht, die Stadt habe zuletzt nicht genug getan, um die Attraktivität des Platzes zu steigern. So könnten mehr Bänke und Flächen für die Außen-Gastronomie für mehr Aufenthaltsqualität sorgen, meint der Wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Tom Assmann. Weitere Ideen seien ein neues Lichtkonzept, um dunkle Ecken zu vermeiden und eine Verkehrsberuhigung – zum Beispiel mit einer "Tempo 30"-Zone in der Sternstraße.

Image-Wandel für den "Hassel"

Olaf Bernhardt von "Curry 54" will dem Hasselbachplatz treu bleiben, wünscht sich dort aber noch mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Außerdem sollte es seiner Ansicht nach verstärkt Taschenkontrollen in Bezug auf Drogen und Waffen sowie Ausweiskontrollen geben, "so dass sich Leute mit schlechten Absichten einfach hier nicht mehr wohl fühlen."

Klar ist für ihn, dass sich etwas tun muss: "Ohne drastische Maßnahmen, würde ich sagen, sehe ich da keine rosige Zukunft." Auch mehr positive Events wie das Kulturfestival "Hassel Fever" seien wichtig, damit wieder ein Image-Wandel stattfindet, meint Bernhardt: "Sonst halte ich den Hassel für auf weite Sicht uninteressant."

Über die Autorin Natalie Helka arbeitet seit Mitte 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - in der Hörfunk-Redaktion, aber auch für das Fernsehformat MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE. Sie berichtet über alles, was in und für Magdeburg wichtig ist: Von Großbaustellen, über soziale Projekte bis hin zu wichtigen Veranstaltungen in der Stadt. Gebürtig kommt sie aus Nordrhein-Westfalen und arbeitete vor ihrem Wechsel zu MDR SACHSEN-ANHALT vor allem bei den Lokalradios in NRW. Sie studierte Journalistik und Philosophie in Dortmund und Jyväskylä (Finnland). Außerdem absolvierte sie Praktika unter anderem beim WDR, bei stern TV und nrw.tv. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind die vielen Parks in Magdeburg und das Elbufer.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. September 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 16:43 Uhr

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39 Kommentare

27.09.2018 19:18 Mediator an Milvus (36) 39

Zunächst einmal behaupte ich nicht, dass am Hassel alles OK ist. Ob man sich irgendwo sicher fühlt, dass ist ja eine höchst subjektive Einschätzung. Sie haben ja bereits einige Aspekte genannt, die ein Unwohlsein befördern.

Zur Kriminalstatistik:
Zunächst einmal gehe ich davon aus, das Opfer einer Straftat diese auch anzeigen. Über die die es nicht tun kann man nur spekulieren.

Weiterhin gibt es Kriminalitätsbereiche, bei denen das Dunkelfeld naturgemäß hoch ist, weil es vermeintlich keine Opfer gibt. Wer Drogen kauf oder Schwarzarbeiter beschäftigt, der fühlt sich kaum als Opfer.

Leider wird der Umgangston in der Gesellschaft immer härter. Manche Menschen verwechseln 'Scheiß auf Anstand' ja inzwischen mit einer emanzipatorischen Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Wenn ein Viertel mit gemischter Gastronomie sich zu einer Trinkermeile und Drogenumschlagplatz entwickelt, dann leidet das ganze Viertel, weil es von manchen Menschen gemieden wird. Eigentlich ganz einfach.

27.09.2018 18:56 Kritischer Bürger 38

@wehret den Anfängen 37: Nur das Personal dazu fehlt und die armen Beamten gerade vom Ordnungsamt etc. können oft nur mit Polizeischutz dort aktiv werden. Das sind eben die Schattenseiten dieser Gesellschaft! Abgesehen vom Geld! = Einkommen!

27.09.2018 16:05 wehret den Anfängen 37

es muss ja nicht erst soweit kommen, dass von einem extremen Brennpunkt gesprochen werden muss.
In NRW muss man nun das Jahrelange Wegsehen mit intensiven 0-Toleranz-Einsätzen in wirksamen konzertierten Aktionen begleichen.
Um solchen Auswüchsen vorzubeugen, müssten auch am Hassel gemeinsame Kontrolleinsätze durch Polizei, Ordnungsamt, Zoll, Ausländerbehörde, Brandschutz, Gesundheitsamt und Jugendamt durch geführt werden. Dann fühlen sich die ehemaligen Gäste dort sicher wieder wohler.

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