Inszenierung mit Masken am Puppentheater Magdeburg
Das Spiel mit Masken ist entscheidend bei der Inszenierung "Breaking the Walls" Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg

Magdeburger Puppentheater Probenbesuch bei "Breaking the walls"

Tanz und Maske, eine ungewöhnliche Kombination, die im Magdeburger Puppentheater innerhalb des Projektes "Breaking the walls" zu sehen sein wird. Jugendliche im Alter von 10 und 20 Jahren gehen das Wagnis ein und hinterfragen spielerisch Normen und Erwartungen. Im Herbst 2018 werden die ersten Szenen präsentiert. Für das Projekt "Studenten schreiben" hat Ulrike Kuhrt die Proben besucht.

von Ulrike Kuhrt, Gastbeitrag

Inszenierung mit Masken am Puppentheater Magdeburg
Das Spiel mit Masken ist entscheidend bei der Inszenierung "Breaking the Walls" Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg

Sechs Jugendliche tanzen, schwitzen und lachen im Puppentheater in Magdeburg. Die 10- bis 20-Jährigen arbeiten an der Umsetzung des Projekts "Breaking the walls", zu Deutsch: "die Mauern brechen". Rund ein Jahr zuvor feierte der erste Teil dieses Theaterstücks unter dem Titel "Das Haus" Premiere und begeisterte die Zuschauer. Nun befindet sich der zweite Teil "Breaking the walls" in der Probenphase.

Kinder und Jugendliche beim theaterpädagogischen Projekt "Breaking the walls" am Puppentheater Magdeburg
Proben im Puppentheater Bildrechte: Ulrike Kuhrt

Die theaterpädagogische Arbeit nimmt sich vor, Muster, Normen und Vorurteile jeglicher Art in Form von Tanz und Maskenspiel zu thematisieren. Ähnlich wie im ersten Teil, "Das Haus", werden Mauern als Symbol von Erwartungshaltungen verwendet.

Was genau unter jenen Mauern zu verstehen ist, konkretisiert Christian Sasse, Projektkoordinator und Tanzlehrer bei "Breaking the walls": "Mit den Mauern sind alle möglichen gemeint. Mauern, die in den Köpfen der Menschen bestehen, Mauern, die einen umschließen, nationale Mauern oder die der Hautfarbe. Es kann aber auch eine Fragestellung sein. Also: Welche Mauern sollte man brechen oder haben manche Mauern vielleicht sogar ihre Berechtigung und sollten bestehen bleiben?"

Von Masken und Mauern

Diese Frage ist ein wichtiger Bestandteil der Inszenierungsidee. Auch das Aufsetzen einer Maske kann zu einer symbolischen Mauer zwischen Zuschauer und Akteur werden. Marlen Geisler ist Theaterpädagogin am Puppentheater Magdeburg und erzählt: "Insbesondere in Bezug auf innere Mauern spielen Masken eine wichtige Rolle. Es gilt ständig zu hinterfragen, welche Maske ich mir aufsetze und was ich dahinter verbergen will."

So sorgt das Tragen einer Maske bei einigen Teilnehmern für Unbehagen, andere wiederum gehen damit mehr aus sich heraus. Die elfjährige Bahare und der zehnjährige Nino berichten: "Wir fühlen, dass die Maske uns verändert." Ihre Mitstreiterin Fabienne ergänzt "Ja, ich verändere mich und nehme eine andere Rolle an. Das finde ich interessant." So kann sie für einen Moment jemand anderes sein, erklärt die 13-Jährige.

Puppentheater meint nicht nur das Spielen mit Puppen

Eine weitere Besonderheit des Projektes ist die Kombination von Tanz und Maske in Magdeburg. Unter Puppentheater wird in der Regel Theater mit Puppen verstanden, was jedoch nur einen Teil von vielen umfasst. So kommen neben Puppen auch das Schatten- und Maskenspiel zum Tragen. "In Ostdeutschland wird gerne noch von Puppentheater gesprochen. Mittlerweile ist die Bezeichnung Figurentheater jedoch genauer, da sie beispielsweise auch das Maskenspiel mit einbezieht", erläutert Marlen Geisler.

"Breaking the walls" im Magdeburger Puppentheater

Tanz und Maske sind im Herbst 2018 im Magdeburger Puppentheater zu sehen. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
Tanz und Maske sind im Herbst 2018 im Magdeburger Puppentheater zu sehen. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
Kinder und Jugendliche beim theaterpädagogischen Projekt "Breaking the walls" am Puppentheater Magdeburg
Zum "Tag der offenen Tür" des Puppentheaters Magdeburg am 7. Oktober 2018 gehen sechs Jugendliche im Alter von 10 und 20 Jahren das Wagnis ein... Bildrechte: Ulrike Kuhrt
Ein Jugendlicher am Puppentheater Magdeburg hat Masken auf
...und hinterfragen mit der Päsentation von "Breaking the walls" spielerisch Normen und Erwartungen. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
Puppenausstellung im Puppentheater Magdeburg
Normalerweise versteht man unter Puppentheater: Theater mit Puppen. Bildrechte: Ulrike Kuhrt
Kinder und Jugendliche beim theaterpädagogischen Projekt "Breaking the walls" am Puppentheater Magdeburg
Das umfasst aber nur einen Teil der Möglichkeiten. Neben Marionetten und Puppen... Bildrechte: Ulrike Kuhrt
Inszenierung mit Masken am Puppentheater Magdeburg
...kommt auch das Schatten- und Maskenspiel zum Einsatz. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
Masken für das Projekt Breaking the Walls liegen im Puppentheater Magdeburg auf einem Tisch.
"Breaking the Walls" wird vom Modellprojekt Theaterpädagogik des Landes Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Landeszentrum Spiel und Theater (LanZe e.V.) unterstützt. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
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Für die Jugendlichen bedeutet das vollen Körpereinsatz, auf den die Zuschauer im Herbst 2018 gespannt sein können. Dann werden die ersten Szenen präsentiert. "Es geht um das Experimentieren. Wir selbst als Spielleiter lassen uns die Freiheit und versuchen, nicht zu sehr in den gängigen Mustern, wie Zielerfüllungen, zu denken. Ziel ist hier wirklich das Loslassen", beschreibt sie "Breaking the walls". Und bricht damit eine erste Mauer gängiger Theaterkonventionen.

Aufführungen von "Breaking the walls" Im Oktober haben Interessierte die Gelegenheit, eine Kostprobe des Masken- und Tanzspektakels zu sehen. Zum "Tag der offenen Tür" des Magdeburger Puppentheaters am 7. Oktober 2018 präsentieren die Teilnehmer ausgewählte Szenen aus dem Projekt.

Ulrike Kuhrt studiert den onlinejournlistischen MultiMedia und Autorschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle.
Ulrike Kuhrt Bildrechte: Ulrike Kuhrt

Über die Autorin: Ulrike Kuhrt studiert MultiMedia und Autorschaft M.A. in Halle (Saale) und absolvierte zuvor ihren Bachelor in Theater und Medien an der Universität Bayreuth. Am Journalismus gefällt ihr die Aufgeschlossenheit gegenüber vielen Berufen, Projekten und Menschen. Ihr Interesse gilt insbesondere der Kunst und Kultur.

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Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2018, 19:46 Uhr

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1 Kommentar

03.04.2018 23:29 HERBERT WALLASCH, Pirna 1

Es geht doch nicht um Herzensangelegenheiten, es geht darum, um den Bestand zu sichern. Ist ja nichts Verwerfliches und es gibt medialen, politischen und finanziellen Rückhalt. " Es ist alles Mögliche gemeint ...", nicht so direkt wie im 1.Teil, nehme ich an, doch ob man danach auch bei " falschen" öffentlichen Interpretierungen so tolerant ist, da bin ich skeptisch.