Magdeburgs größter Sohn Wo ruht Otto von Guericke?

Der Naturwissenschaftler Otto von Guericke prägte Magdeburg im 17. Jahrhundert. Nach seinem Tod ruhte sein Leichnam in der Johanniskirche – bis 1890. Seitdem ist nicht klar, wo seine Knochen liegen. Die Suche nach seinen Gebeinen geht los.

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Denkmal Otto von Guericke
Naturwissenschaftler und ehemaliger Bürgermeister von Magdeburg: Otto von Guericke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er war Magdeburgs größter Sohn, doch wo seine Gebeine ruhen, das weiß niemand. Otto von Guericke, Naturwissenschaftler und Bürgermeister, lebte im 17. Jahrhundert. Er lenkte die Stadt durch die schwierige Zeit des 30-jährigen Krieges, finanzierte und plante den Wiederaufbau Magdeburgs nach der Zerstörung 1631.

"Wir wissen, dass Otto von Guericke im Alter zu seinem Sohn nach Hamburg zog und dort auch starb", erzählt Mathias Tullner, Professor im Ruhestand und Vorsitzender der Guericke-Gesellschaft. "Wir wissen auch, dass Guericke nach seinem Tod mit dem Schiff die Elbe stromaufwärts gebracht und in der Johanniskirche beigesetzt wurde."

Dort ruhte Guerickes Leichnam 200 Jahre. Bis die Johanniskirche eine neue Heizung bekam. Damals wurde die Familiengruft der Alemanns und Guerickes geräumt, die Gebeine irgendwo – vermutlich auf dem Kirchhof – bestattet. Das war Ende des 19. Jahrhunderts, genau 1890. Hier verliert sich die Spur Guerickes.

Suche nach Guerickes Knochen

Schild mit der Aufschrift Familiengruft Alemann/Guericke
Die Familien Alemann und Guericke ruhten in der Johanniskirche bis 1890. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nun, da Magdeburg Kulturhauptstadt werden will, ist auch das Interesse an Guerickes Gebeinen wieder erwacht. Die Stadt will ihren berühmten Sohn aus der Anonymität des Massengrabs befreien. "Das ist tatsächlich möglich", weiß Reinhard Szibor, bis zu seiner Emeritierung Professor in der Rechtsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität. "Man braucht zunächst einmal Knochen, für die es eine hohe Plausibilität gibt, dass sie Guericke gehören. Dann kann man durch Vergleiche der DNA mit nahen Verwandten Guerickes Knochen identifizieren." Gräber solcher nahen Verwandten sind bekannt: das einer Enkelin und das eines Neffen.

Tausende Knochen, teure Tests

Johanniskirche in Magdeburg
Guerickes Grabstätte für 200 Jahre: Die Johanniskirche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allerdings: Zuvor müsste die Zahl infrage kommender Knochen eingegrenzt werden. Derzeit lagern im Landesamt für Archäologie 350 Kisten mit Gebeinen aus dem Umfeld der Johanniskirche. Tausende Knochen sind darin enthalten, und es sind nicht einmal alle. Einige sind noch immer in der Kirche.

"Wir verstehen das Anliegen der Magdeburger sehr gut", so Dr. Alfred Reichenberger vom Landesamt für Archäologie. "Allerdings", so gibt er zu bedenken, "solche DNA-Tests kosten pro Stück 200 bis 300 Euro. Und das bei Tausenden Knochen."

Durchforsten von alten Schriften

Bevor an eine solche wissenschaftliche Untersuchung zu denken ist, sollen zunächst einmal Quellen studiert werden. Denn es ist gar nicht sicher, ob Guerickes Gebeine tatsächlich noch an der Johanniskirche ruhen. Möglich wäre auch, dass er umgebettet wurde in die Nikolaikirche, die bereits zu Zeiten der napoleonischen Besatzung zerstört wurde und wo heute die Grüne Zitadelle steht. Zumindest hatte ein Enkel Guerickes das laut einer schriftlichen Quelle geplant. Ob die Umbettung tatsächlich stattfand oder Guericke möglicherweise auch an seiner Taufkirche, der Ulrichskirche, bestattet wurde, das könnte man eventuell schriftlichen Quellen entnehmen.

"Das Studium der Quellen wäre mit einem vertretbaren Aufwand möglich", schätzt Mathias Tullner ein. "Bevor wir teure Tests in Auftrag geben, müssen wir erst diese Hausaufgaben machen."

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 21:23 Uhr

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