Musical vor Domkulisse Theater Magdeburg plant weiter mit Domplatz Open Air

In diesem Sommer ist viel über die Zukunft des Domplatz Open Air in Magdeburg diskutiert worden. Jedes Jahr zieht es tausende Besucher an. Viele sind Fans des Freiluft-Events vor der Domkulisse, andere klagen jedoch, dass der Platz durch das Musical wochenlang blockiert sei. Bei einer Umfrage, mit knapp 5.300 abgegebenen Stimmen, sprachen sich rund 70 Prozent für eine Verlegung an einen anderen Standort aus – doch danach sieht es vorerst nicht aus.

von Natalie Helka, MDR SACHSEN-ANHALT

Blick auf den  Magdeburger Domplatz mit dem Dom im Hintergrund. Auf dem Platz sind eine Bühne und eine Tribüne aufgebaut.
Das Domplatz Open Air sorgt für Unmut, da der repräsentative Platz im Sommer für lange Zeit belegt ist. Bildrechte: Theater Magdeburg/Andreas Lander

30 Grad, Sonne und das im September – wenn Jan Bühmann zur Zeit vor seinem Café am Domplatz sitzt, blickt er auf einen freien Platz bis zum gegenüberliegenden Hotel. So ist es aber nicht immer. Wenn das Theater mit dem Aufbau für das alljährliche Musical beginnt, ist ab diesem Zeitpunkt der Platz wochenlang von Bauzäunen umgeben. Daran soll sich etwas ändern, findet er. "Ich habe so das Gefühl, dass es sehr viele Bewohner und auch Touristen gibt, die sagen: Wir kommen jetzt das dritte Mal den Elberadweg lang, wollten uns auf den Platz setzen und es geht wieder nicht."

Theater plant bis mindestens 2021 mit Domplatz

Doch momentan sieht es so aus, als ob das Musical erst einmal bleibt. 2019 wird "Chicago" auf dem Domplatz aufgeführt. Dafür war die Spielstätte bereits vertraglich zugesichert. Das Theater plane nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Trümper aber bereits weitere Musicals auf dem Platz. "Wir haben die Zusage bis 2021 – warum? Weil es keine Alternative gibt", sagt Intendantin Karen Stone. Die Stadt bestätigt den Mangel an Alternativen auf Nachfrage. Das Areal zwischen Stadthalle und Hyparschale kommt demnach wegen Sanierungsarbeiten bis 2021 nicht in Frage.

IG Innenstadt: Theater muss aus seiner Komfortzone

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf MDR SACHSEN-ANHALT wurden fast 5.300 Stimmen abgegeben. Danach sprachen sich fast 70 Prozent gegen Musicals auf dem Domplatz aus. Auch die Interessengemeinschaft Innenstadt in Magdeburg führte im Sommer eine Befragung unter ihren Mitgliedern durch. Darin stimmte eine Mehrheit für eine Verlegung oder kürzere Auf- und Abbauzeiten des Musicals, sagt IG Innenstadt-Sprecher Arno Frommhagen: "Wir stellen nicht die Leistung des Theaters in Frage. Wir wollen das Theater haben. Das Unternehmertum verzahnt sich immer mehr mit der Kultur, weil wir erkannt haben, dass uns das im Internetzeitalter hilft. Aber das Theater muss aus seiner Komfortzone heraus. Letztendlich müssen die Aufbauzeiten verkürzt werden."

Bei Konzerten an Wochenenden sei das schließlich auch möglich. Das Argument zu hoher Kosten lasse die IG Innenstadt nicht gelten. "Wenn man das nicht kann, muss man eben in eine Ersatzspielstätte." Langfristig hält Frommhagen das Areal zwischen Hyparschale und Stadthalle für den besten Standort für das Musical. "Das ist für uns eine sehr verlockende, attraktive Alternative." Über die Auf- und Abbauzeiten will die IG Innenstadt in den nächsten Monaten weiter mit Verwaltung und Stadträten sprechen.

Grüne wollen Musical-Gastronomie vor dem Bauzaun

Blick auf den  Magdeburger Domplatz mit dem Dom im Hintergrund. Auf dem Platz sind eine Bühne und eine Tribüne aufgebaut.
Gastronomie vor den Absperrzäunen und kürzere Auf- und Abbauzeiten wünschen sich die Grünen. Bildrechte: Theater Magdeburg/Andreas Lander

Die Grünen halten den Domplatz weiterhin für den geeigneten Musical-Standort, setzen sich aber ebenfalls für kürzere Auf- und Abbauzeiten ein. Außerdem sollten die Bauzäune nach Ansicht des stellvertretenden Fraktionschefs Sören Herbst attraktiver gestaltet werden, zum Beispiel aus Holz. Auch die Musical-Gastronomie sollte nicht hinter, sondern vor dem Bauzaun aufgebaut werden, damit mehr Menschen etwas davon haben.

Jan Bühmann wünscht sich zumindest kürzere Auf- und Abbauzeiten, da er während des Musicals Umsatzeinbußen habe. Gegen einen anderen Standort oder wechselnde Standorte hätte er auch nichts, allerdings meint er: "Wenn das die Mehrheit der Bevölkerung anders sieht, dann sei das so." Er ist allerdings der Meinung, dass die Umfragen im Sommer gezeigt hätten, wie groß das Interesse der Magdeburger an dem Thema sei. "Also ich denke, dass man – was den Domplatz angeht - die Magdeburger künftig verstärkt in die Entscheidungsfindung mit einbinden sollte. Die Magdeburger sollten entscheiden, was mit ihrem Platz passiert."

Über den Autor Natalie Helka arbeitet seit Mitte 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Hörfunk-Redaktion, aber auch für das Fernsehformat MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE. Sie berichtet über alles, was in und für Magdeburg wichtig ist: Von Großbaustellen, über soziale Projekte bis hin zu wichtigen Veranstaltungen in der Stadt. Gebürtig kommt sie aus Nordrhein-Westfalen und arbeitete vor ihrem Wechsel zu MDR SACHSEN-ANHALT vor allem bei den Lokalradios in NRW. Sie studierte Journalistik und Philosophie in Dortmund und Jyväskylä (Finnland). Außerdem absolvierte sie Praktika unter anderem beim WDR, bei stern TV und nrw.tv. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind die vielen Parks in Magdeburg und das Elbufer.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. September 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 10:41 Uhr

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1 Kommentar

20.09.2018 13:42 böse-zunge 1

Der Kommentar der Intendantin, wie auch der einleitende Satz über die "Zusage" ... erhellend.

Die Leistungen des Ensembles und der Technik der StädtischenBühnen in den späten 90er und frühen 2000er Jahren - vergessen?
Oder ignoriert?
Was die Intendanz nicht kennt sollte ihr der OB vermitteln können - es ginge auch anders.
Wenn man denn wollte...

Aber auch im Kulturbetrieb der Kulturhauptstadt in Anwartschaft nunmehr - Alternativlosigkeit.

Bitte, bitte - nicht ... wo das hinführt, da sollte niemand hinwollen.
Feigenblätter aus Holz sind auch keine Lösung.
Für alle die Basisdemokratie ablehnen - hier böte sich mit der EU-/Kommunalwahl 2019 die Gelegenheit das Thema zu klären, einfache Frage und hier, woanders oder Wechsel in X-Jahren-Intervall als Antwort.

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