Eine ältere Frau in einem vollgestellten Raum.
Petra Rauchfuß aus dem Umsonstladen in Magdeburg weiß nicht mehr weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drohende Schließung Magdeburger Umsonstladen geht das Geld aus

Miete, Strom und Fahrtkosten – beim Umsonstladen in Magdeburg übersteigen die Ausgaben die Einnahmen. Wenn sich kein Sponsor findet, muss der Laden schließen. Nicht nur wegen der Spenden, sondern auch als sozialer Treffpunkt ist der Laden beliebt.

Eine ältere Frau in einem vollgestellten Raum.
Petra Rauchfuß aus dem Umsonstladen in Magdeburg weiß nicht mehr weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dem Umsonstladen in Magdeburg droht die Schließung. Inhaberin Petra Rauchfuß hat Alarm geschlagen, dem Sozialprojekt im Stadtteil Salbke gehe das Geld aus. "Wir sind fast am Ende, weil die Nebenkosten, die Miete, der Strom, die Fahrtkosten nicht mehr zu bewältigen sind."

In einem vollgestellten Raum sortiert eine Frau Lebensmittel in einen kleinen Kühlschrank.
Der Umsonstladen ist auch Teil des Projekts "Lebensmittelretten Magdeburg". Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/MDR um 4

Bedürftige können gegen einen Beitrag von 10 Euro einen ganzen Monat in den Landen kommen und mitnehmen, was sie gebrauchen können. Außerdem können im Umsonstladen auch Spenden abgegeben werden. Teilweise holen die Petra Rauchfuß und ihr Team auch Spenden ab. Sieben Tage die Woche sind sie, ihre Tochter und ihr Lebensgefährte nach ihrem eigentlichen Feierabend für den Umsonstladen aktiv.

Die Menschen kommen nicht nur wegen der Spenden

Eine Frau nimmt sich Backwaren aus einer Kiste in einem Raum voller Menschen.
Der Umsonstladen ist vor allem bei Bedürftigen sehr beliebt. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/MDR um 4

Rauchfuß sagte dem MDR: "Die Leute bringe Gegenstände, die sie nicht mehr gebrauchen können, die aber zu schade sind zum Wegwerfen." Das könne beispielsweise ein Fernseher sein, ein Toaster, Kleidung, ein Kinderwagen oder auch Lebensmittel. Was im Umsonstladen abgegeben wird, landet nicht im Müll. Deswegen ist der Laden auch Teil des Nachhaltigkeitsprojekts "Lebensmittelretten Magdeburg".

Die drohende Schließung macht nicht nur Familie Rauchfuß, sondern auch den Menschen Sorgen, die auf den Laden angewiesen sind. Die kommen nicht nur wegen der Spenden vorbei. Der Laden, sagt Petra Rauchfuß, sei auch ein wichtiger sozialer Punkt.

Die Leute kommen her und kriegen Unterstützung. Wir helfen, wo wir können, zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder, wenn nötig, beim Deutsch lernen.

Umsonstladen-Inhaberin Petra Rauchfuß

Der Umsonstladen braucht einen Sponsor

Es gebe auch einsame Menschen, die nur in den Umsonstladen kommen, um zu reden. "Das ist teilweise viel wichtiger, als wenn sie was mitnehmen dürfen." Manche der Besucher, vermutet sie, würden in ein tiefes Loch fallen, wenn der Laden schließe.

Deswegen hofft Petra Rauchfuß nun auf Unterstützung: "Wünschen würde ich mir, dass sich ein Sponsor findet und die Miete übernimmt und vielleicht die Stromkosten. Oder eines von beidem." Ihr größter Wunsch, sagt sie, sei es, weitermachen zu dürfen.

Keine Unterstützung von der Stadt

Warum die Stadt sie mit dem Projekt nicht unterstütze, versteht sie nicht. Auch die Besucher des Ladens fragten immer wieder nach dem Warum. "Die sagen, dass das hier so eine tolle Sache ist und wir so vielen helfen und verstehen nicht, warum uns keiner hilft", sagt Petra Rauchfuß.

Geöffnet hat der Umsonstladen mittwochs und sonntags von 17 bis 19 Uhr. Wenn Petra Rauchfuß die Türen aufschließt, drängen sich häufig schon viele Menschen vor dem Laden. Teilweise ist er in Sekundenschnelle voll.

Der Umsonstladen als Lebensaufgabe

Einer der Kunden im Umsonstladen betont, wie wichtig der Laden für ihn sei. Meist hole er dort Lebensmittel oder Kleidung.

Der Laden unterstützt unser Leben, weil wir zu wenig Rente bekommen.

Ein Kunde des Umsonstladens

Vor sieben Jahren wurde der Umsonstladen von Studenten gegründet. Rauchfuß hat damals ausgeholfen. Mittlerweile, sagt sie, ist er zu ihrer Lebensaufgabe geworden: "Ich war als Kind schon so: Wenn ich nicht helfen kann, fehlt etwas in meinem Leben."

Ein älterer Mann und eine ältere Frau, im Hintgrund trägt eine Frau eine Kiste voll Backwaren.
Einige der Kunden, sagt Petra Rauchfuß, würden mit der Schließung des Umsonstladens in ein tiefes Loch fallen. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/MDR um 4

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Jeder vierte Tafelkunde ist Rentner. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT/MDR um 4 | 14. März 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 07:08 Uhr

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13 Kommentare

16.03.2019 19:02 wwdd 13

Es ist eben nichts umsonst, selbst der Tod kostet Geld.

15.03.2019 20:29 donovan 12

Tja der Sozialismus hat ausgedient ,sollte man auch in MD bemerkt haben

15.03.2019 15:40 Blacky 11

Dem Beitrag vom 14.03.2019 21:35 9blocker kann ich nur zustimmen. Die Unternehmen machen genug Gewinne. Vor allem muss man sich für die Stadt Magdeburg schämen, die Nebenkosten für dieses soziale Projekt, nicht zu übernehmen. Aber was ist in diesem ach so reichen Land noch sozial? Man kann es nicht mehr ertragen was hier passiert. Politiker, wacht auf? Es ist 5 vor 12. Lange geht das nicht mehr gut. Das Volk wird sich wie 1989 erheben.