Verkehrssicherheit Hier passieren die meisten Fahrrad-Unfälle in Magdeburg

Der Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zeigt, wo Fahrradfahrer 2018 Unfälle hatten. In Magdeburg sind viele Stellen auf der Hallischen und Halberstädter Straße markiert, am Universitätsplatz und an der Walther-Rathenau-Straße. Eine Radtour.

von Julia Heundorf, MDR SACHSEN-ANHALT

Auto lässt junge Person auf dem Fahrrad die Straße überqueren am Uniplatz in Magdeburg
Der Universitätsplatz gehört zu den Unfallschwerpunkten. Etwa zehn Fahrradunfälle gab es hier 2018. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Selbst bei einer kurzen Verschnaufpause auf dem Gehweg ist am Hasselbachplatz Aufmerksamkeit geboten: Ein Autofahrer schert aus, rollt mit dem rechten Vorderrad über den Bordstein. Halb auf dem Fahrradweg überholt er ein Auto, das hält, um der Straßenbahn die Vorfahrt zu gewähren, die gerade Richtung Halberstädter Straße abbiegt. Nur knapp verpasst sein rechter Scheinwerfer das Vorderrad des Citybikes am Straßenrand.

"Die Autos sehen uns als lästige Teilnehmer auf der Straße", sagt der Radfahrer Dieter Pohl. Er sieht dort Probleme, wo die Radwege fehlen und Fahrräder auf die Straße ausweichen müssen. "Der Abstand zu uns ist oft so dicht, dass wir uns erschrecken." Deshalb fahre er selbst öfter auf dem Fußweg. Aber das ist verboten – und gefährlich: Fußgänger und Fahrradfahrer bauen genauso Unfälle – im Jahr 2018 zum Beispiel zweimal auf der Otto-von-Guericke-Straße.

Einmündungen und Ausfahrten sind gefährlich

Der Unfallatlas zeigt aber: Am Großteil der Radunfälle sind auch Autos beteiligt. Das kann auch Renate Rollbusch erzählen, die bereits mehrere Unfälle hatte: "Meistens wenn die Autos aus einer Ausfahrt raus sind und gemeint haben, sie sind schneller als ich", sagt sie. Für einen Zusammenstoß mit einem Auto, das aus einer Ausfahrt kam, sei sie für teilschuldig erklärt worden. "Er meinte, ich hätte ihn angefahren." Sie ist täglich zwischen Texas und Cracau unterwegs, mit leuchtendem Helm, leuchtender Kleidung und spezieller Fahrradbrille. Sie fährt dabei auch über die Bundesstraße 1 vom Uniplatz Richtung Stadtfeld.

Kreuzungssituation auf dem Radfahrstreifen auf der Albert-Vater-Straße in Magdeburg. Auto biegt hinter geradeaus fahrenden Radfahrern ab
Auf der Walther-Rathenau-Straße müssen abbiegende Autos Radfahrer vorbei lassen. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Auch Jana Reising stattet sich und ihre 7-jährige Tochter für den Schulweg über die B1 mit Helm und im Dunkeln mit Warnweste aus: "Man kann nicht immer sicher sein, dass die Autofahrer einen wirklich sehen. Selbst wenn die Fahrradampel auf Grün ist, ist es schon teilweise echt gefährlich." Es sei auch nicht ihre Lieblingsstrecke, erklärt sie fast schreiend, "weil es halt auch sehr laut ist." Sie könne ihrer Tochter dann nicht sagen: "So, jetzt anhalten."

Verkehrszeichen für Radfahrer

Aber auch Fahrradfahrer halten sich nicht immer an die Regeln: An der roten Ampel am Uniplatz werden Blicke nach links und rechts und hinten geworfen, um zu prüfen, dass nichts kommt. Und los. Als auf der B1 die Fahrradampel gerade auf rot springt, fährt eine Gruppe junger Männer noch schnell drüber. Nur zwei von ihnen tragen Helm.

Die Fahrradwege auf der Walther-Rathenau-Straße sind gut: Sie sind vergleichsweise breit, es gibt noch einen kleinen Abstand zur vielbefahrenen Straße. Fahrradampeln regeln eindeutig die Vorfahrt und vor allem an Kreuzungen sind die Radspuren auffällig rot und weiß markiert. Aber: Es kann schwierig sein, auf die gegenüberliegende Straßenseite zu gelangen.

Kürzer und praktischer als Geisterfahrer

Renate Rollbusch nimmt sich Zeit während einer Rotphase und erzählt: "Wenn ich abends von der Elbeschwimmhalle zurückkomme, fahre ich auch nicht hier rüber [auf die Straßenseite Richtung stadtauswärts, Anm. d. Red.], weil man eigentlich als Radfahrer dann über den Uniplatz müsste. Deshalb fährt man auf der falschen Seite, ich auch." Aber in die falsche Richtung fahren, ist gefährlich an Kreuzungen, wo Autos die Radfahrer nur aus ihrer eigenen Fahrtrichtung erwarten. Es ist gefährlich für den Gegenverkehr, vor allem hinter Kurven oder hinter der Bahnbrücke, wo die Sicht schlecht ist.  

Weißes Fahrrad im Vordergrund, Radfahrerin mit Kinderanhänger auf dem Radfahrstreifen auf der Albert-Vater-Straße in Magdeburg
Auf der B1 fahren viele Fahrräder auf der falschen Seite, auch weil es schwierig ist die mehrspurige Straße zu überqueren. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Am Uniplatz sind am Montag zur Rushhour wenige, aber doch mehrere Radfahrer unterwegs, die die Fahrtrichtung missachten. An dem vielbefahrenen – und teilweise unübersichtlichem Kreisel – eine sehr gefährliche Abkürzung. Aber wer von der Universität zum Breiten Weg will, müsste sonst einmal um den Kreisverkehr fahren und mindestens drei Kreuzungen überfahren, vielleicht sogar noch zweimal auf die kreuzenden Straßenbahnen warten.

Stellenweise schlechte Infrastruktur

"Ein Problem sind die ganzen Baustellen in Magdeburg", findet der Rentner Klaus Ernst, der alle seine Wege mit dem Fahrrad erledigt. "Da sind die Radfahrer ja auch von betroffen." Auf der B1 gibt es einige davon: Immer wieder versperren die rot-weißen Plastikschranken den Weg, leiten um von Straßenpflaster auf Sand und Schotter in engen Kurven. Oder versperren einfach den Weg.

Einige Radler sind verwirrt am Ulrichplatz, wo die Fahrradampel grün wird, der Weg aber direkt auf eine Baustelle führt. Sie müssen sich mitten auf der Kreuzung entscheiden: Schere ich nach links in den Autoverkehr, um das Hindernis dort zu umfahren oder rechts kurz in den Gegenverkehr auf die Ernst-Reuter-Allee, um auf den Fußgängerweg zu gelangen.

Fahrräder und Autos überqueren die Zollbrücke ein Magdeburg
Der Weg über die Zollbrücke ist für Radfahrer nicht bequem. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

An vielen Stellen ist die Infrastruktur einfach schlecht – oder nicht vorhanden. So zum Beispiel an der Zollbrücke. Auch hier gab es 2018 zahlreiche Radunfälle. Die Autos zischen zwischen Strombrücke und Brückstraße entlang, die Bordsteine sind hoch, es gibt keine Möglichkeit die Straße sicher zu überqueren. Die alten Pflastersteine sind huckelig und rutschig, sodass die Radfahrer lieber auf dem Fußgängerweg bleiben. Autofahrer, die vom Winterhafen kommen, haben durch Brückenpfeiler und die sehr enge Kurve kaum Sicht auf die Fahrbahn.

Viele zufriedene Radfahrer

Martin Weickert fährt regelmäßig zwischen Stadtfeld und Uniplatz hin und her und fühlt sich dabei sicher: "Mir ist noch nichts passiert. Ich räume mir oft Vorfahrt ein", gibt er zu. "Ich gehe davon aus, das Auto wird anhalten und bisher ist auch noch nichts passiert." Und auch Dieter Pohl ist im Allgemeinen zufrieden: "Ich fahre gern mit dem Fahrrad. Ich fahre alle Strecken und alle Wege mache ich mit dem Fahrrad. Wir haben viele Fahrradwege und auch gute."

Verkehrsstatistik Das sind die Unfallschwerpunkte für Radfahrer in Mageburg

Eine Radtour durch Magdeburg zeigt Orte, an denen es häufig zu Unfällen mit Radfahrern kommt. Der Unfallatlas zeigt auf einer interaktiven Karte, wo 2018 Unfälle passiert sind.

Drei Menschen fahren auf dem Fahrradstreifen in der Halberstädter Straße in Magdeburg Rad, ein Auto fährt auf der Straße vorbei
Hallische Straße
Radfahrer sind hier zügig unterwegs. Viele Autos biegen nach rechts ab.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Drei Menschen fahren auf dem Fahrradstreifen in der Halberstädter Straße in Magdeburg Rad, ein Auto fährt auf der Straße vorbei
Hallische Straße
Radfahrer sind hier zügig unterwegs. Viele Autos biegen nach rechts ab.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Blonde Frau auf dem Fahrrad am Magdeburger Hasselbachplatz
Hasselbachplatz
Autos, Fußgänger und Straßenbahnen aus allen Richtungen. Die Situation ist hier oft unübersichtlich.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Weißes Fahrrad im Vordergrund, Radfahrerin mit Kinderanhänger auf dem Radfahrstreifen auf der Albert-Vater-Straße in Magdeburg
Walther-Rathenau-Straße
Viele Radfahrer fahren im Gegenverkehr, weil es schwierig ist auf die andere Straßenseite zu gelangen. Autos zischen schnell vorbei.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Radfahrer auf dem Radfahrstreifen auf der Albert-Vater-Straße in Magdeburg
Albert-Vater-Straße
Seitenstraßen, Baustellen, viel Verkehr: Hier muss man auf gerader Strecke vorsichtig fahren.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Kreuzungssituation auf dem Radfahrstreifen auf der Albert-Vater-Straße in Magdeburg. Auto biegt hinter geradeaus fahrenden Radfahrern ab
Bundesstraße 1
Auf dem Abschnitt Walther-Rathenau-Straße müssen rechtsabbiegende Autos die Radfahrer vorbei lassen.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Auto lässt junge Person auf dem Fahrrad die Straße überqueren am Uniplatz in Magdeburg
Universitätsplatz
Viele Autos, viele Spuren und Straßenbahnen quer durch die Mitte. Hier müssen Radfahrer vorsichtig sein. Sie dürfen nicht in die entgegengesetzte Richtung fahren.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Auto biegt am Askanischen Platz in Magdeburg nach rechts ab
Askanischer Platz
Wer geradaus fährt, überquert zwei Ampeln. Die dritte Kreuzung hat nur einen Zebrastreifen. Da muss man besonders Acht geben.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Ein Fahrradweg in Magdeburg-Brückfeld mit parkenden Autos am Straßenrand
Eine Straße in Brückfeld
Viele Fahrradwege in Magdeburg sind huckelig, rutschig und schlecht einsehbar, zum Beispiel hier in Brückfeld.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Fahrräder und Autos überqueren die Zollbrücke ein Magdeburg
Zollbrücke
Es gibt keinen Fahrradweg, Autos sind schnell unterwegs und auf dem Pflaster ist man mit dem Fahrrad nur langsam unterwegs.
Bildrechte: MDR/Julia Heundorf
Alle (9) Bilder anzeigen

Mehr zum Thema

Warum Sie den Artikel nicht kommentieren können

Liebe Leser, wir wollen die Kommentarfunktion für Sie besser und komfortabler gestalten. Leider können wir Ihnen dadurch für einen kurzen Zeitraum die Kommentarfunktion hier nicht anbieten. Bis zum Neustart in den nächsten Tagen müssen aus technischen Gründen die Kommentare abgeschaltet werden. Das soll Sie aber nicht daran hindern, uns anzuschreiben und mit uns in den Dialog zu treten. Auf Facebook, Twitter, über Instagram oder den Hörer-Service können Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. August 2019 | 10:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 08:48 Uhr

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt