Schuleinzugsbereiche Weite Schulwege für Erstklässler in Magdeburg

Am Montag beginnt für Erstklässler in Sachsen-Anhalt die Schule – für alle Familien ein großes Ereignis. In Magdeburg jedoch ärgern sich einige Eltern, weil sie weite Wege in Kauf nehmen müssen, obwohl sie eine Grundschule in der Nähe haben.

Es ist schon ärgerlich, wenn die Grundschule direkt gegenüber der Wohnungstür liegt, das Kind aber in eine ganz andere Schule gehen muss – zum Teil mehrere Kilometer entfernt. So ergeht es in diesem Jahr Juliane Nill aus Magdeburg. Sie wohnt in der Innenstadt und hat eine Grundschule direkt gegenüber ihres Wohnhauses. Ihr Sohn Gustav jedoch soll dort nicht zur Schule gehen. Juliane Nill sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir hatten unseren Sohn Gustav ganz regulär in der Grundschule Hegelstraße angemeldet – ist ja direkt bei uns gegenüber."

Aber dann hat Nill am 8. Mai ein Schreiben von der Grundschule im Nordpark bekommen mit der Aufforderung, ihr Kind dort anzumelden. "Und da sind wir aus allen Wolken gefallen. Das war für uns zu dem Zeitpunkt und auch jetzt nicht mehr nachvollziehbar."

Die Grundschulen stehen nicht da, wo die Kinder wohnen

Eine Frau sitzt in einer Wohnung und schaut in die Kamera
Eigentlich wohnt Juliane Nill direkt gegenüber von einer Grundschule. Ihr Sohn muss trotzdem einen Weg über vier Kilometer in die Grundschule zurücklegen. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Juliane Nill dürfte nicht die Einzige sein, die sich über einen weiten Schulweg für ihr Kind ärgert. Nach Angaben des Stadtelternrates melden sich jedes Jahr etliche Eltern mit dem gleichen Problem. Das liegt daran, dass es in manchen Stadtteilen von Magdeburg mehr Schüler gibt als Schulplätze zur Verfügung stehen. Die Stadt versucht deshalb, alle Kinder so zu verteilen, dass alle Schüler einen zumutbaren Schulweg haben, nicht aber unbedingt jedes einzelne Kind.

Der Stadtelternrat kennt das Problem, sagt aber auch, es gebe derzeit keine Alternative, die allen Eltern gerecht werden könne. Annette Kirstein ist die Vorsitzende des Stadtelternrates. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Schuleinzugsbezirke werden jedes Jahr von der Stadt neu festgelegt und die Veränderung liegt daran, dass die Grundschulen nicht dort stehen, wo die Kinder wohnen. Und weil man die Schulen nicht verlagern kann, muss man die Kinder verlagern, dorthin wo die Schulen sind."

Am schlimmsten ist es östlich der Elbe

Besonders problematisch wird sich nach Ansicht des Stadtelternrates die Lage östlich der Elbe entwickeln. "In zwei Jahren wird es östlich der Elbe mehr Einschüler geben, als Grundschulplätze zur Verfügung stehen." Aber auch anderswo zeigt sich das Problem – überall dort, wo in den vergangenen Jahren zwar viele neue Eigenheimsiedlungen entstanden sind, aber keine neue Schule.

Eine blonde Frau schaut in die Kamera
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Das ist ein Problem, das in ganz Magdeburg entsteht, dort wo es mehr Schüler gibt als Grundschulplätze.

Annette Kirstein, Vorsitzende des Stadtelternrates in Magdeburg

"Wenn kein Wunder passiert, müssen diese Schüler, die keinen Platz finden, künftig über die Elbe in die nächste Schule westlich der Elbe eingeschult werden. Dort müssen dann aber wieder andere Schüler weichen und so verschiebt sich das immer weiter."

Keine Lösung in Sicht

Eine Lösung hat aber auch der Stadtelternrat nicht. Der Neubau von Schulen, dort wo viele junge Familien wohnen, würde zwar eine Entlastung bringen, stehe aber in keinem Verhältnis zu den Kosten dafür. Zumal dann wiederum andere Schulen der Stadt nicht ausgelastet sein würden. In Ostelbien jedenfalls soll nach den Plänen der Stadt aktuell keine neue Schule gebaut werden. Die Schülerzahlen würden zwar bis 2026 noch einmal ansteigen, hieß es aus der Verwaltung, dann aber zurückgehen.

Magdeburg plant stattdessen zwei neue Schulen an anderer Stelle, eine Gemeinschaftsschule in Neu Olvenstedt. Außerdem soll eine neue weiterführende Schule in der Innenstadt gebaut werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hatte in der vergangenen Woche den Uniplatz als Standort ins Gespräch gebracht.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. August 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 12 Wochen

Der Artikel will ernsthaft behaupten, dass die Beamten in der Magdeburger Kommunalverwaltung zu dumm sind, dass dann wenigstens insgesamt alle den kürzesten Schulweg haben? Stattdessen werden Kinder, die direkt gegenüber einer Schule wohnen kilometerweit in eine andere Schule geschickt? Und dort wird dafür dann vielleicht wiederum ein Kind in eine weiter entfernte Schule geschickt?

Kelte vom Oechsenberg vor 12 Wochen

Nur mal so als Hinweis. Auch im Jahre 1962 (dem Zeitpunkt meiner Einschulung) standen die Schulen nicht da wo ich gewohnt habe. Ich mußte mich durch widrige Dorfgassen, vorbei an kläffenden Spitzen (Hunderasse), der hat mich später in die Wade gebissen und angriffslustigen Gänsen, vorbei am Waldesrand, wo behauptet wurde, daß dort eine Kreuzotter lebe, kämpfen. Ich habe es überlebt und die Schule erreicht ohne meine Eltern. Nach den Zeiten der Grundschule, mußte ich später täglich ca. 1,7km frühmorgens zur Schule hin und nach der 6. Stunde zurück laufen. Ohne Elterntaxi. OK. Im Winter sind wir schon mal durch das Eis auf der Ulster eingebrochen. Aber der Weg war schon kürzer.

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