#miteinanderstark "Unser Song – Unsere Stadt" – Musiker aus Magdeburg und ein Lied für die Corona-Krise

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

Was passiert, wenn Musiker nicht auftreten können? Sie finden Wege, Musik abseits der Bühnen zu machen. Wie 20 Musiker aus Magdeburg gemeinsam trotz Einschränkungen ein Lied produzierten und was ein WhatsApp-Chat damit zu tun hat.

Collage aus unterschiedlichen Künstlern
An dem Projekt "Unser Song – Unsere Stadt" sind insgesamt 20 Kunstschaffende beteiligt. Bildrechte: Projekt Unser Song – Unsere Stadt

"Die Leute sollen Bock haben, zu tanzen", sagt Danny Priebe. Das beschreibt auch schon den Kern der Idee, ein Lied für Magdeburg zu komponieren. "Das Lied soll den Menschen Hoffnung machen in dieser Zeit" erzählt Priebe weiter. "Der Song soll einen positiven Tenor haben und den Leuten sagen, ihr seid nicht allein, die Zeit geht auch wieder vorbei", ergänzt Christopher Conrad.

Aber erstmal von vorn: Beide sind Musiker aus Magdeburg und haben ein Lied für die Stadt in der Corona-Krise komponiert und geschrieben. Beide sind Vollzeit-Musiker und verdienen ihren gesamten Lebensunterhalt mit Auftritten und Musikunterricht. Beides ist im Zusammenhang mit Einschränkungen durch die Pandemie weggefallen. Und: Beide Musiker kannten sich vor dem gemeinsamen Projekt gar nicht richtig.

Ein bisschen Seelenyoga

Ein Mann mit der Gitarre
Danny Priebe Bildrechte: Dennis Wolf

Zusammengebracht hat sie ein gemeinsamer Bekannter, Roland Günther. Alle drei sind in der Musikszene Magdeburgs bekannt. Günther kam die Idee, ein Lied für die Stadt in der Krise zu komponieren. "Ich bin selbst kein Musiker und ich brauchte Leute, die auf diese etwas bekloppte Idee Lust hatten." Daraufhin schrieb er Priebe und Konrad an, mit denen er auch privat befreundet ist. Nach einem gemeinsamen Videotelefonat haben beide sofort zugesagt: "Zwischendurch knickte bei mir die Psyche sogar schon ein wenig ein. Einfach nur zu Hause zu sitzen, ist doch fatal. Wieder eine Aufgabe zu haben, tat richtig gut – so ein bisschen Seelenyoga", sagt Priebe lachend.

Ein Song per WhatsApp

Ein singender Mann mit Gitarre
Christopher Konrad Bildrechte: Matthias Piekacz

Da sich die Musiker wegen der Ausgangseinschränkungen nicht sehen konnten, haben sie per WhatsApp kommuniziert. So sei auch der Großteil des Songs entstanden, erzählen sie lachend. "Im Prinzip haben wir den Song über WhatsApp geschrieben. Wir haben uns im Sekundentakt immer wieder Zeilen und Akkorde geschickt. Als wir telefoniert haben, war der Song im Prinzip schon fertig", so Christopher Konrad. Auf diese ungewöhnliche Weise sei der Song in nur zwei Tagen entstanden.

Die Idee, auch andere Musiker einzubeziehen, sei von Anfang an da gewesen, erzählt Roland Günther. Am Ende sind 20 Sänger und Kulturschaffende aus Magdeburg und Umgebung zusammengekommen. Unter anderem: Sebastian Raetzel (ehem. Baseballs), Martin Jones, Jan Sichting, Ex-Tänzchenteesänger Trompeti, die Brüder Tobias und Sebastian Hengstmann.

Auch wenn das Ende noch nicht absehbar ist, sollen die Leute nicht den Kopf in den Sand stecken und verzweifeln, sondern nach vorne schauen – dazu soll unser Song animieren.

Danny Priebe

Stolz trotz aller Herausforderungen

Die Produktion des Songs ist genauso ungewöhnlich gewesen wie die Entstehung selbst. Alle hätten ihren Part zu Hause selbst aufgenommen, teilweise sogar über die Sprachfunktion der Smartphones, da nicht jeder über professionelle Technik in den eigenen vier Wänden verfüge, erzählen die Musiker. Auch die Instrumente seien einzeln in Eigenregie zu Hause aufgenommen worden. Jeder habe aber zur Orientierung ein Demo-Band erhalten. Am Ende sei die größte Herausforderung gewesen, all die einzelnen Aufnahmen so aufeinander abzustimmen, dass ein professionelles Ergebnis vorliegt. Dies habe aber der erfahrene Produzent Jürgen Schienemann gut gemeistert.

"Am Ende sind wir auf das Ergebnis stolz, vor allem weil von der Idee bis zur Fertigstellung gerade mal vier Wochen vergangen sind", sagt Günther. Und auch die beiden Komponisten ziehen ein positives Resümee: "Dass man tatsächlich über die Grenzen der eigenen Bands gearbeitet hat, das ist cool und nicht so alltäglich." Und das obwohl sich keiner der Beteiligten in der Zeit begegnet sei. Genau das ist auch eine der Botschaften des Liedes: den Zusammenhalt in der schwierigen Zeit zu fördern:

Keiner von uns kann die Lage ja gerade ändern. Auch wenn's nicht viel Gutes gibt, wollen wir versuchen, positiv auf die Situation zu schauen.

Danny Priebe, Musiker

Veröffentlichung am 1. Mai auf sozialen Medien

Das Ergebnis mit dem Titel "Die Welt steht still" wird nun am Freitag, den 1. Mai, um 18 Uhr in sozialen Netzwerken publiziert. Geplant ist außerdem, eine CD zu produzieren, die weitere Werke der beteiligten Künstler beinhalten soll. Der Erlös aus den Verkäufen wie auch aus Spenden für den Song solle dann einer gemeinnützigen Aktion zu Gute kommen, der ARTist! e.V., um freischaffende Künstler aus Magdeburg zu unterstützen, so Günther. "Bei dem Hilfsfonds geht es vor allem um hauptberufliche Musiker, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen", sagt Danny Priebe ergänzend. "Sollte die Idee gut angenommen werden, würden wir auch gern ein Live-Konzert zu spielen, wenn es wieder möglich ist", so Günther weiter. Darüber würden sie dann auf ihren sozialen Kanälen informieren.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. Mai 2020 | 09:10 Uhr

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