Landgericht Magdeburger Straßenbahnschläger zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt

Zwei Männer, die in einer Straßenbahn in Magdeburg einen anderen Mann angegriffen hatten, sind zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Zuvor hatten sie in der Bahn randaliert, das Opfer wollte sie davon abhalten.

Ein Mann wird von 2 Polizisten untergehakt.
Einer der beiden Täter während der Verhandlung (Archivbild). Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Das Landgericht in Magdeburg hat am Donnerstag zwei junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen von vier Jahren verurteilt. Das berichtet ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT aus dem Gerichtsaal.

Die Männer – zum Zeitpunkt der Tat 16 und 18 Jahre alt – hatten im August vergangenen Jahres einen Fahrgast in einer Magdeburger Straßenbahn fast zu Tode geprügelt. Das 22 Jahre alte Opfer aus Hamburg hatte dabei schwere Schädelverletzungen erlitten und tagelang um sein Leben gerungen.

Der jüngere Täter soll wegen Drogen- und Alkoholkonsums in eine Entziehungsanstalt. In das Urteil flossen vorherige Strafen ein, beide Angeklagte hatten immer wieder Gewaltdelikte begangen. Zur Tatzeit standen sie unter Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. "Die Tat war brutal und sinnlos und durch nichts zu rechtfertigen", fasste die Vorsitzende Richterin zu Beginn der Urteilsbegründung zusammen.

Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht kann für Täter bis zu 21 Jahren angewendet werden. Es ist milder als das Erwachsenenstrafrecht und berücksichtigt zum Beispiel Entwicklungsdefizite.

Die beiden Täter waren wegen versuchten Totschlags angeklagt. Das Gericht habe aber nicht beweisen können, dass die Angeklagten ihr Opfer auch wirklich hatten töten wollen, sagte Gerichtssprecher Christian Löffler MDR SACHSEN-ANHALT. Man habe ihnen lediglich den Vorsatz der Körperverletzung nachweisen können.

Opfer wollte Täter von Vandalismus abhalten

Zwei Männer sitzen in roten Pullover in einem Gerichtssaal. Im Hintegrund steht ein Justizvollzugsbeamter.
Die beiden Täter waren zum Tatzeitpunkt 16 und 18 Jahre alt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Vorfeld der Tat hatten die Täter und zwei weitere Jugendliche in der Straßenbahn randaliert. Ihr späteres Opfer hatte sie aufgefordert, das zu unterlassen. Nach ihrer Tat vorigen Sommer hatten die junger Männer die Bahn verlassen und sich später mit ihren Eltern bei der Polizei gemeldet. Beide Täter waren bereits vorbestraft.

Gegen zwei Mädchen, die ebenfalls in der Bahn randaliert hatten, wird nach Angaben von Löffler noch ermittelt. Eines der Mädchen soll demnach mit einer Sitzschale auf das Opfer eingeschlagen haben. Das werde in einem weiteren Verfahren behandelt, sagte Löffler.

Was tun, wenn ich einen Angriff in einer Bahn beobachte?

Wer Zeuge einer Auseinandersetzung im öffentlichen Raum wird, dem rät die Polizei sich nicht in Gefahr zu bringen und besser an der nächsten Haltestelle auszusteigen und die Polizei zu informieren.

So verhalten Sie sich am besten:

  • Nehmen Sie Ihre Umgebung aufmerksam wahr. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Es warnt Sie instinktiv vor bedrohlichen Situationen.
  • Halten Sie Abstand, entfernen Sie sich so früh wie möglich von bedrohlichen Situationen. Begeben Sie sich an sichere Orte (z.B. andere Straßenseite /U-Bahn-Abteil wechseln, Kioske, Geschäfte, Restaurants aufsuchen).
  • Siezen Sie die provozierende Person. Damit signalisieren Sie Außenstehenden, dass es sich um keine private Streitigkeit handelt.
  • Vermeiden Sie verbale Provokation und körperliche Konfrontation.
  • Sprechen Sie unbeteiligte Personen direkt an ("Hey Sie mit der grünen Jacke…"). Beschreiben Sie die Situation und fordern Sie Hilfe ein.
  • Rufen Sie die Polizei über die Notrufnummer 110 und erstatten Sie Strafanzeige, um weitere Angriffe der Person zu verhindern.

Wichtig ist nach Angaben der Polizei, sich kurz Zeit zu nehmen und gedanklich unter Berücksichtigung der oben genannten Verhaltenstipps auf gefährliche Situationen vorzubereiten. So sei man in einer akuten Situation vorbereitet und sicher in den Handlungen. Das beeinflusse auch die Ausstrahlung und kann dazu beitragen, potentielle Täter abzuschrecken.

Quelle: dpa,MDR/ld,ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. März 2020 | 11:00 Uhr

6 Kommentare

der_Silvio vor 11 Wochen

@MediaTor; "Wie viele Jahre wollen sie denn z.B. ein Kind ins Gefängnis stecken, dass den Tot eines Menschen verursacht hat?"
Die Verurteilen sind aber keine Kinder, sondern Jugendliche, die die Folgen ihres Handelns abschätzen können!
Beide Täter sind lt. Artikel vorbestraft!
"Die Tat war brutal und sinnlos und durch nichts zu rechtfertigen"
(Quelle: MDR–Artikel siehe oben)
Ich persönlich finde das Urteil auch zu milde.
Wenn die Täter, so wie hier, schon Bewährungsstrafen haben, reichen diese offenbar nicht zur Abschreckung und Besserung aus. Dann sollten such die Strafen härter ausfallen, damit solche Jugendlichen ihre Fehler erkennen, einsehen und versuchen sich zu bessern.

Kuddel vor 11 Wochen

Juristisch ist das Urteil korrekt. Ob es gerecht ist, sei mal dahingestellt. Dem Gericht kann man da keine Schuld geben. Abschreckung funktioniert leider bei Straftaten auch nicht besonders gut. Todesstrafe in den USA: Trotzdem wird gemordet. Zudem würde das bei den Straftätern eine gewisse juristische Kenntnis voraussetzen.
Eine Überarbeitung einiger Straftatbestände und deren Strafmaß wäre bestimmt nicht falsch. Gerichte benötigen mehr Personal. Urteile müssen schneller und nachvollziehbarer erfolgen. Was nutzen Augenzeugen, die sich nach 2 Jahren vor Gericht an Details erinnern sollen? Jeder Strafverteidiger wird diese Zeugen "auseinander nehmen". Nicht zu Unrecht übrigens, denn nichts ist so leicht manipulierbar, wie eine Erinnerung.

Harri vor 11 Wochen

So ein Urteil macht einen fassungslos und ich hoffe, dass der Richter nicht in Zukunft das Opfer ist. Solche Typen haben es nicht verdient, so ein gutes Urteil nach so einer brutalen Straftat zu erhalten. Abschreckung funktioniert so nicht. Auf jede Straftat müssen die nötigen Konsequenzen folgen. Und dies muss jedem Täter klar sein. Auch wenn sie, wie in diesem Fall, noch minderjährig sind. Zumal das ja nicht die erste schwere Straftat war. Und wer denkt eigentlich bei der Urteilsfindung an das Opfer?! Die Täter haben Unmengen an Vorstrafen, waren auf Bewährung und zeigten keinerlei Besserung. Was soll sich da ändern?!

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