Vandalismus Extreme Schäden an ehemaliger Reichsbahn in Magdeburg

Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Der Magdeburger Eisenbahnfreunde kümmern sich darum, dass historische Züge erhalten bleiben – zum Beispiel die der alten ehemaligen Deutschen Reichsbahn im Wissenschaftshafen. Doch immer wieder kommt es zu Vandalismus. 150 Scheiben mussten schon ersetzt werden. Vor zwei Wochen kam es nun zum traurigen Höhepunkt der Zerstörungen.

Das innere eines Wagons mit Graffiti besprüht.
Viele der Schäden sind nicht reparabel. Graffitis an den Wänden, rausgerissene Sitze und verkohlte Tische sind übrig geblieben. Bildrechte: Sebastian Riedel

Seit 1995 gibt es den Verein "Magdeburger Eisenbahnfreunde". Die Mitglieder beschäftigen sich ehrenamtlich mit der Restauration und Erhaltung von historischen Fahrzeugen, unter anderem auch den alten Zügen der ehemaligen Deutschen Reichsbahn im Magdeburger Wissenschaftshafen. Rouven Keitel ist eines der Mitglieder und betont: "Wir versuchen das für die Nachwelt zu erhalten." Doch diese Arbeit wird ihnen erschwert, durch die blinde Wut von Randalierern.

Zerschlagene Scheiben, Beschmierte Wände

Eine bunte alte Eisenbahn steht auf Schienen.
Auch außen an den Zügen sind Graffitis zu erkennen. Hinweise aus der Bevölkerung gibt es leider zu selten. Bildrechte: Sebastian Riedel

Dass über den Winter mal Scheiben eingeschlagen werden, ist mittlerweile fast schon Normalität. Aber dieses Mal war es extrem, meint Rouven Keitel und zeigt sich bestürzt und wütend über so viel Respektlosigkeit. Eingeschlagene Scheiben, beschmierte Wände, verbrannte Tische und angekokelte Sitzmöbel fanden die Mitglieder des Vereins vor. Einiges aus dem Inneren der Waggons ist nicht mehr reparabel, sondern muss neu gebaut werden.

Um alles wieder herzustellen, braucht es mehrere Arbeitseinsätze. Insgesamt ein bis zwei Monate rechnet Rouven Keitel, wird es dauern, bis der Zug wieder hergestellt wird. Auch die finanzielle Belastung für den Verein ist groß: "Wir haben gerade erst wieder 20 Scheiben nachbestellt, für insgesamt 1.500 Euro. 12 davon sind für die aktuellen Schäden bereits verplant." Das Geld nimmt der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden, auch von einigen Firmen. "Wir sind auf die Mithilfe anderer angewiesen", erklärt Keitel. 

Schadensbegrenzung durch Kameras

Eine rote alte Eisenbahn von außen mit verkleideten Fenstern.
Kameras im Inneren der Bahn sollen nun abschrecken und helfen, die Randalierer zu erwischen. Bildrechte: Sebastian Riedel

Mit den Schäden kommt der Verein mittlerweile fast nicht mehr hinterher. In den vergangenen Jahren haben sie hauptsächlich Schadensbegrenzung betrieben, doch nun sollen Kameras installiert werden, um zumindest den Innenraum zu überwachen. Hier sind aber noch rechtliche Details zu klären, auch zum Thema Datenschutz.

Anzeigen erstattet der Verein eigentlich immer gegen Unbekannt. Doch auch, wenn mal jemand erwischt wird, werden keine hohen Strafen verhängt. Rouven Keitel erinnert sich, dass vor kurzem eine Gruppe geschnappt wurde: "Die haben dann auch nur ein "Du, Du" bekommen und durften gehen."

"Irgendwann steht der Wagen in Flammen"

"Ich würde mir wünschen, dass wir die Bahnen so erhalten können, wie wir sie auch herrichten, sodass wir nicht ständig Angst haben müssen, dass die Fahrzeuge ständig demoliert sind", sagt Rouven Keitel und befürchtet, dass irgendwann der ganze Wagen in Flammen stehen könnte, wenn nichts passiert. Der Magdeburger will auf die Problematik aufmerksam machen. Er will die Leute animieren, sich zu melden, wenn sie etwas sehen oder bemerken. Leider erlebt er, dass auch hier häufiger mal weggeguckt wird.

Ende April veranstaltet der Verein wieder ein Hafenfest im Wissenschaftshafen. Dort wird der Zug dann hoffentlich wieder in Aktion zu sehen sein. Das zumindest wünscht sich Rouven Keitel.

Ein verkokelter Tisch in einer Sitzgruppe.
Die Schäden waren noch nie so extrem. Vieles in den Bahnen muss erneuert werden. Bildrechte: Sebastian Riedel
Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Über die Autorin Die rheinische Frohnatur Viktoria Schackow zog wegen des Studiums vor sechs Jahren von Düsseldorf nach Magdeburg. Nach einem Bachelor in Anglistischen Kulturwissenschaften folgte ein Masterstudium, Sozial- und Gesundheitsjournalismus, an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Zur Zeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit und ist als freie Mitarbeiterin in Hörfunk und Online bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig.

Nach ihren Reisen durch Australien, Indonesien und die USA kommt sie immer wieder gerne in die Landeshauptstadt zurück. Für sie hat Magdeburg einen ganz besonderen selbstgemachten Charme, in dem sich viele junge Menschen noch verwirklichen können. Zum Beispiel ist sie Mitglied in einem subkulturellen Verein (magdeboogie), der mit einem Blog und einem Online-Eventkalender die Szene präsentieren möchte und sich verschiedenen Themen aus der Stadt annimmt

Quelle: MDR/vs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Februar 2020 | 09:30 Uhr

2 Kommentare

DennyK vor 11 Wochen

Ja du hast richtig gelesen, auch Verbrecher haben Rechte- und sie und speziell ihre Anwälte wissen das auch. Persönlichkeitsschutz zählt mehr als Eigentum und Aufklärung von Verbrechen

jackblack vor 11 Wochen

Habe ich richtig gelesen, sozusagen Kameraverbot wegen DATENSCHUTZ ????? Das sind Vandalen, um nicht zu sagen VERBRECHER und da kommt man mit DATENSCHUTZ !!!! Dieses Land ist KOMPLETT im E.........

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