Vertrag unterzeichnet Magdeburg verschenkt Grundstück für neue Synagoge

In Magdeburgs Innenstadt steht dem Bau einer neuen Synagoge nichts mehr im Weg. Am Dienstag haben Stadt und Jüdische Gemeinde den Schenkungsvertrag über ein Grundstück unterzeichnet. Um die Pläne wird seit Jahren gerungen – vor allem wegen Streitigkeiten über die zukünftige Nutzung des Neubaus.

Vertragsunterzeichnung mit Magdeburgs OB Lutz Trümper und Wadim Laiter, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, dahinter Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch und Ministerpräsident reiner Haseloff.
Vertragsunterzeichnung mit Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (v.l.) und Wadim Laiter (v.r.), dem Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, dahinter stehen Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch und Ministerpräsident Reiner Haseloff. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

In Magdeburg ist der Weg für eine neue Synagoge geebnet. Die Synagogen-Gemeinde hat offiziell das Baugrundstück von der Stadt geschenkt bekommen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde, Wadim Laiter, unterzeichneten dazu am Dienstag einen Vertrag. Dies sei ein Tag der Zuversicht und Hoffnung, sagte Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der ebenso wie Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (beide CDU) an der Zeremonie teilnahm.

Neubau mit Landesmitteln gefördert

Die Stadt hatte seit Jahren ein Grundstück in der Julius-Bremer-Straße freigehalten, damit dort eine neue Synagoge gebaut werden kann. Erst vor kurzem hatte der Stadtrat grünes Licht für das Vorhaben gegeben. 2021 könnte nahe der alten Synagoge, die 1938 von den Nazis zerstört wurde, mit dem Bau begonnen werden. Das Land fördert den Bau mit 2,8 Millionen Euro, 400.000 Euro an Spendengeldern will ein Förderverein aufbringen.

Jüdisches Leben in Magdeburg

Die Synagoge in Magdeburg war am 9. November 1938 verwüstet, schließlich gesprengt und ein Jahr später abgetragen worden. 1933 hatte die jüdische Gemeinde rund 2.300 Mitglieder, 1945 waren es nur noch 83. Seit 1990 ist sie vor allem durch Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion auf etwa 500 Mitglieder angewachsen. Neben der orthodoxen Synagogen-Gemeinde gibt es auch eine liberale Gemeinde, die der Union Progessiver Juden angehört.

Streit über künftige Nutzung

Urkunde über Schenkung eines Grundstückes
Die Schenkungsurkunde Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Was die künftige Nutzung der Synagoge angeht, gibt es jedoch Streit zwischen den zwei jüdischen Gemeinden in Magdeburg. Denn die Synagogen-Gemeinde will die Gottesdienste in der neuen Synagoge nach streng orthodoxen Regeln abhalten. Das heißt zum Beispiel, dass Männer und Frauen bei den Gottesdiensten räumlich getrennt sind und Frauen den Gottesdienst nicht leiten dürfen.

Gegen diese Glaubensauffassung wehrt sich die liberale jüdische Gemeinde. Alternativ schlägt sie vor, eine Synagoge mit zwei Gebetsräumen zu bauen. So könnten beide Gemeinden unter einem Dach beten und gleichzeitig ihren jeweiligen Glauben leben. Sollte das Gebäude wie geplant nur einen Gebetsraum haben, will die liberale Gemeinde den Synagogen-Neubau nicht nutzen.

Neue Synagoge für Dessau

Sachsen-Anhalt ist das einzige Bundesland, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg keine neue Synagoge gebaut wurde. Aber nicht nur in Magdeburg soll eine neue Synagoge entstehen. Auch die jüdische Gemeinde in Dessau will bauen. Etwa 1,7 Millionen Euro werden für die Mischung aus Anbau und Neubau veranschlagt, sagt der Landesbeauftragte für jüdisches Leben, Wolfgang Schneiß. Landesmittel kommen nicht zum Einsatz. Das Bauprojekt soll von Sponsoren und durch Mittel des Bundes finanziert werden.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 19:44 Uhr

32 Kommentare

Denkschnecke vor 1 Wochen

Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Sind nicht Herr Höcke und Herr Gauland und diese ganzen Kyffhäuser-Spektakel dann erst recht "ewig gestrig"?
Und übrigens: Ein paar der Holocaust-Überlebenden sind ja noch am leben. Was sagen Sie denen? DIe sollen ihre Erfahrungen mit Ihren Großältern diskutieren??

C.T. vor 1 Wochen

Wie ich bereits geschrieben habe, warum sollte sich unsere Generation an etwas erinnern, was uns garnicht widerfahren ist? Sie reden uns nur in ein Gewissen, dass wir garnicht haben müssen. Und lassen Sie das ständige politisiern, das interessiert uns nicht, ob ihr ewig gestrigen links, rechts oder homosexuell seid. Uns interssieren einfach die ewig gestrigen nicht und auch nicht etwas das was ewig her ist. Wir schauen nach vorn ohne ständig in den Rückspiegel zu blicken. Die Generation der "ständig in den Rückspiegel gucker und mit dem Finger zeiger" geht uns tierisch gegen den Strich!

ossiradler vor 1 Wochen

Für alles ist kein Geld da, zB Lehrer, Altenpfleger, Polizei, Krankenpfleger, Kindergärtnerinnen und so weiter.
OB L.T. Verschenkt ein Grundstück. MP L.H. Verschenkt Geld für den Bau.
Nur mal zur Erinnerung für die Abschaffung der strassenausbeiträge ist laut CDU
Kein Geld da. Manche Senioren müssen trifft super hart, bis zum Verkauf des Häuschens.
Man beachte die Körpersprache des MP.
Aufpassen bei der nächsten Wahl.
P.S. Ich bin kein rechter un kein antisemit.

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