#miteinanderstark Viele Freiwillige – aber kaum Nachfrage nach Einkaufshilfen in Magdeburg

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Überall sind sie zu sehen – auf Flyern oder in Beiträgen in den sozialen Netzwerken – die Angebote von Vereinen oder Freiwilligen, Älteren in Corona-Zeiten beim Einkaufen zu helfen. Aber es gibt so gut wie keine Nachfrage, zumindest in Magdeburg. Dabei sind die Älteren besonders gefährdet – und sollten auf Rat der Ärzte diese Angebote tatsächlich annehmen. Auf den Dörfern ist die Lage etwas anders.

Die 79jährige Inge Vincents (r) bekommt von ihrer Nachbarin Heike van Ackern eine Tasche mit den von ihr bestellten Lebensmitteln.
Einkaufshilfe in Zeiten von Corona (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Fabian Joeres lebt im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld und engagiert sich immer mal wieder ehrenamtlich. Der 32-jährige Doktorand der Medizintechnik ist gerade im Homeoffice. Er zögerte nicht lange, als er vom Angebot des Stadtfelder Bürgervereins hörte, für Ältere einkaufen zu gehen. "Es ist ja wohl das Minimum, was man tun kann in diesen Tagen", sagt er. "Draußen ist überall Ausnahmezustand, da wollte ich auch etwas beitragen."

Zwei Mal war er bereits für eine ältere Dame aus der Nachbarschaft einkaufen: "Sie hat dann einen 'Zwanni' ins Portmonee gelegt und eine kleine Liste und dann gehe ich los." Im Supermarkt erlebt er die derzeitige Situation dann viel intensiver als sonst. "Wenn ich für die ältere Dame einkaufen gehe, fallen mir die ganzen Absperrungen und anderen Leute viel mehr auf", sagt er. Das sei sonst, wenn er für sich selbst einkaufen gehe, anders. Die Einkaufshilfe könne er problemlos in seinen Alltag integrieren. "Das ist in 20 Minuten erledigt", meint Joeres.

Viele Helfer aber keine Nachfrage

Flugzettel mit Aufruf zur Nachbarschaftshilfe.
Diese Flyer hat der Bürgerverein großflächig in Stadtfeld verteilt. Bildrechte: Thomas Opp

Rund 300 Helfer haben sich in den vergangenen Tagen allein in Magdeburg bei der Freiwilligenagentur gemeldet. Darunter seien viele Studenten, die derzeit nicht in die Uni könnten, sagt Birgit Bursee, Geschäftsführerin der Freiwilligenagentur Magdeburg. Jedoch gebe es bisher nur ganz wenige Nachfragen. Die meisten Hilfesuchenden wünschten sich Einkaufshilfe oder das Abholen und Bringen von Medikamenten.

Ähnliches erlebt auch Thomas Opp vom Bürgerverein "Bürger für Stadtfeld e.V.". Auch sein Verein habe viele Helfer, die Nachfrage könne er aber an einer Hand abzählen. Opp sagt auch, er bekomme stattdessen viele Anrufe von besorgten erwachsenen Kindern, die nicht mehr in Magdeburg wohnten. Sie würden sich erkundigen, ob es denn Hilfe für die Eltern gäbe. Auch ihnen muss Thomas Opp sagen: "Ja, aber es fragt so gut wie niemand nach." Offenbar wollten viele Ältere doch lieber alles selbst erledigen.

Hilfe auch auf den Dörfern

Auch auf vielen Dörfern in Sachsen-Anhalt gibt es Nachbarschaftshilfe, in Hohendodeleben etwa oder in Siersleben. Auch dort scheuen sich viele Ältere noch davor, die Hilfe auch anzunehmen, jedoch gibt es auf dem Dorf meistens viel mehr persönliche Kontakte. Das haben die MDR-Reporter jedenfalls vor Ort so erlebt.

Arzt rät von Supermarktbesuchen ab

Dabei sollten Ältere Supermärkte derzeit gänzlich meiden, empfehlen Ärzte: Der Chefarzt der Geriatrie bei den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg, Gernot Heusinger von Waldegg, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, alte Menschen, vor allem diejenigen mit Vorerkrankungen, sollten sich beim Einkaufen helfen lassen und nicht mehr selbst in Supermärkte gehen.

Denn: Jüngere Corona-Infizierte würden ihre Krankheit zunächst gar nicht bemerken, zu dieser Zeit aber bereits hochansteckend sein, erklärt der Arzt. Sie könnten eben auch im Supermarkt die Viren verbreiten. Von Waldegg sagt auch, dass in Magdeburg viele Ältere eher wenig Sozialkontakte hätten und dadurch auf sich allein gestellt seien. Sie würden von den Hilfsangeboten eventuell gar nichts wissen.

Helfer Fabian Joeres geht davon aus, dass sich viele Ältere auch davor scheuen würden, fremde Hilfe anzunehmen. Er könne das nachvollziehen, würde sich aber wünschen, in den kommenden Wochen noch mehr helfen zu können.

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Über die Autorin Janine Wohlfahrt stammt aus Magdeburg und arbeitet seit 2001 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seitdem hat sie im Hörfunk und Fernsehen Nachrichten gemacht, war als Reporterin mit dem Ü-Wagen unterwegs und sorgt jetzt dafür, dass viele interessante und relevante Gesprächsthemen aus Magdeburg auch im Internet landen. Janine Wohlfahrt arbeitet auch als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion. Bevor sie zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat sie bei der Bild-Zeitung, Radio SAW und MDR JUMP gearbeitet. Ihre Lieblingsorte in Magdeburg sind ihr Zuhause, die Datsche, der Neustädter See und der Stadtpark.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. März 2020 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 33 Wochen

Liebe Doro,

es sind sogar schon einige gesund geworden. Diese Zahl veröffentlichen wir jeden Tag in unserem Newsblog mit den aktuellen Zahlen der Infizierten. Aktuell sind schätzungsweise 400 Personen wieder genesen. Das ist keine Verschwörungstheorie, wie du vermutest.

doreen vor 33 Wochen

Sehr geehrte Leser.
Ich finde alles ein bisschen merkwürdig was den virus angehen tut zu mal der steigenden kranke und infiezirte die zahlen immer gleich bleiben und weder Hörer oder niedriger steigen tut sie bleiben immer gleich .ich habe mehr das gefühl das uns was vor gemacht wird damit die gewalt quwotte zurück geht und die bürger mehr zusammen und sich unter ander helfen soll bloss wenn es doch so schlimm sein sollte wie in den Medien sagen den frage ich mich warum mann mit den volk nicht mit offenen karten gespielt wird zu mal mann nicht mal was davon härter das welche gesund und geheilt sind da kommt ja garnix deswegen bin ich ein bisschen stutzig geworden und mein gefühl sagt auch das da was anderes hinter stecken muss.lg Doro

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