Öffentlicher Dienst Warnstreiks am Mittwoch: Kitas in Magdeburg und Halle dicht

Nach einer verfehlten Einigung kommt es am Mittwoch in Sachsen-Anhalt zu Streiks im Öffentlichen Dienst. Betroffen davon sind unter anderem Kitas in Magdeburg, die Abfallwirtschaft, Mitarbeiter der Stadt sowie die Bürgerbüros. Auch in Halle sind Arbeitsniederlegungen angekündigt.

Zwei kleine Kinder stehen an der Tür eines wegen Streik geschlossenen Kindergartens
Am Mittwoch bleiben die städtischen Kitas in Magdeburg geschlossen. Aber auch die Abfallwirtschaft und Bürgerbüros sind von dem Streik im öffentlichen Dienst betroffen. Bildrechte: dpa

Am Mittwoch kommt es im nördlichen Teil von Sachsen-Anhalt zu weiteren ganztägigen Warnstreiks im Öffentlichen Dienst. Betroffen sind neben den Angestellten der Stadt Magdeburg auch die städtischen Kitas, die städtische Abfallwirtschaft und die drei Wertstoffhöfe. Zudem werden laut Gewerkschaft Verdi auch die Heidewasser GmbH und die Trinkwasserversorgung Magdeburg bestreikt.

Außerdem kommt es in Magdeburg auch in den Bürgerbüros zu Einschränkungen. Wie es am Dienstag von der Stadt hieß, werden am Mittwoch ausschließlich Terminkunden bedient. Verdi-Gewerkschaftssekretärin Karin Flügel meint, dass alle Mitarbeiter der Büros zum Streik aufgefordert seien und es so auch zu längeren Wartezeiten kommen könnte. "Wir wissen aber erst am Mittwoch, wie viele wirklich zum Streik kommen.". Insgesamt rechne die Gewerkschaft mit 300 Streikteilnehmern in Magdeburg.

Diese Kitas und Hort-Einrichtungen bleiben wegen des Streiks am Mittwoch geschlossen: Kita "Funkelfix"

Kita "Mimmelitt"

Kita "Moosmutzel"

Kita "Traumzauberbaum"

Kita "Waldwuffel"

Kita "Wolkenschäfchen"

Kita "Wolkenstein"

Hort "Agga Knack"

Hort "Moldenstraße"

Eine Notbetreuung für Kinder aus den bestreikten Kindertagesstätten ist nach Angaben der Stadt Magdeburg nicht möglich.

Auch in Halle wird der Streik im öffentlichen Dienst zu spüren sein. In der Saalestadt wird am Mittwoch unter anderem an drei Kitas gestreikt.

GEW verteidigt Warnstreiks

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verteidigt die Warnstreiks in Sachsen-Anhalt. GEW-Landeschefin Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Warnstreiks kämen zu diesem Zeitpunkt, weil jetzt die Tarifrunde laufe und weil es jetzt auf das schlechte Angebot der Arbeitgeber zu reagieren gelte. Gerth lobte zudem den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertagesstätten. Die Erzieherinnen seien während der Corona-Pandemie die ganze Zeit im Dienst gewesen oder hätten Notdienste gemacht.

Mehr Druck für anstehende Verhandlungen

Mit den Warnstreiks will Verdi den Druck auf die Arbeitgeber in den laufenden Verhandlungen für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst erhöhen. Es wird für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten ein Plus von 4,8 Prozent für ein Jahr gefordert. Löhne und Gehälter sollen dabei mindestens um 150 Euro pro Monat steigen, Azubis sollen 100 Euro mehr bekommen. Die bisherigen zwei Gesprächsrunden brachten bislang kein Ergebnis.

Aus Sicht von Karin Flügel haben die Arbeitgeber letzte Woche Freitag ein nicht verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Diese hatten insgesamt 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in drei Jahresstufen angeboten. Die im Angebot angegebene Dauer von drei Jahren sei jedoch viel zu lang, sagt Flügel. Das sei deutlich länger als bisher und das zu schlechteren Konditionen.

Eine ältere Frau mit blonden Haaren und Brille schaut lächelnd in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Wand mit dem Schriftaufzug  - Verdi - zu sehen.
Gewerkschaftssekretärin Karin Flügel ist mit dem Angebot der Arbeitgeberseite nicht einverstanden. Bildrechte: Privat

Wir hätten gerne auf diesen Schritt verzichtet – aber das Angebot war unterirdisch.

Karin Flügel, Verdi-Gewerkschaftssekretärin

Ost-West-Unterschied

Zudem gehe es nicht nur um das Gehalt, sondern auch um die Wertschätzung für die Arbeit der Beschäftigten, bemängelt Flügel das Angebot der Arbeitgeberseite. Gerade beim Thema Arbeitszeit würde man immer noch einem Ost-West-Unterschied hinterherlaufen. "Gleiches Gehalt und aufs Jahr gerechnet sechs Tage mehr Arbeitszeit – das geht nach 30 Jahren Einheit einfach nicht", erklärt Karin Flügel. Die Arbeitgeber hätten angeboten, die Arbeitszeit in vier Jahren anzupassen, doch für den zeitlichen Aufschub fehlt der Gewerkschaftsfrau jedes Verständnis.

In der Coronazeit wurden die Beschäftigten beklatscht – jetzt kriegen sie die Klatsche.

Karin Flügel, Verdi Gewerkschaftssekretärin

"Ich hoffe, dass es zu einer Lösung kommt mit der beiden Seiten am Ende leben können", erklärt die Gewerkschaftssekräterin.

Am Donnerstag und Freitag stehen die nächsten Verhandlungen an. Sollte es an diesen beiden Verhandlungstagen nicht zu einer Einigung kommen, gibt es zwei Möglichkeiten: eine Schlichtung oder weitere Streiks.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Oktober 2020 | 14:00 Uhr

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