Vom Welpen zum Polizeihund Spürnase Gismo: Schnüffeln im Dienst der Polizei

Noch ist Gismo ein verspielter Hundewelpe. Bald soll er die Polizei Magdeburg mit seiner besonderen Gabe – der feinen Nase – unterstützen: Er wird zum Personenspürhund ausgebildet. Was Gismo von einem "normalen" Polizeihund unterscheiden wird.

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Diensthundführer Ronny Michel krault den Hundewelpen Gismo.
Der tapsige Welpe Gismo mit Diensthundführer Ronny Michel. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Auf tapsigen, viel zu großen Pfoten erkundet Gismo schnüffelnd die Welt. So lernt er erst einmal spielerisch Diensthundführer Ronny Michel, dessen Familie und die Hundestaffel der Polizei in Magdeburg kennen.

Gismo ist ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, 15 Wochen alt. Im Alter von acht Wochen kam der braune Welpe mit dem schwarzen Gesicht und den Schlappohren zu seinem Hundeführer, an dessen Seite er künftig im Auftrag der Polizei schnüffeln soll. Der Jagdhund gehört zu keiner der typischen Polizeihunderassen. Aber er wird auch besondere Aufgaben übernehmen.

Erster Personenspürhund für die Magdeburger Polizei

Zum ersten Mal wird für die Magdeburger Hundestaffel ein spezieller Personenspürhund ausgebildet. Anders als die anderen Vierbeiner bei der Polizei wird Gismo nicht zuerst Schutzhund und dann noch eine weitere Spezialisierung erlangen. Gismo wird ausschließlich wegen seiner Spürnase eingestellt und wird – anders als ein Fährtenhund – direkt zur Personensuche eingesetzt.

Diensthundführer Ronny Michel erklärt den Unterschied: "Ein Fährtenhund verfolgt eine Spur. Bei einem Personenspürhund spielt die Spur, etwa breitgetretenes Gras, weniger eine Rolle. Spielerisch wird der Hund lernen, einen bestimmten Menschen zu suchen." Die "Belohnung" in diesem Spiel sei für den Hund die Person, die gefunden werde. Bei Suchhundestaffeln wird diese Spezialisierung als Mantrailer bezeichnet. Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat derzeit drei zertifizierte Personenspürhunde. Ein weiterer steht kurz vor der Prüfung.

Auch Polizeihunde gehen in Pension

Bei Ronny Michel wird Gismo demnächst den Platz von Schäferhund Kevin einnehmen. Kevin ist ein Fährtenhund und steht wegen einer schweren Krankheit kurz vor der Pensionierung. "Derzeit kommt er noch mit zur Arbeit und verrichtet die auch gern", erzählt Ronny Michel. "Aber bald wird er zu Hause bleiben. Es wird ihm sicher nicht gefallen, wenn ich dann mit Gismo das Haus verlasse. Aber er hat viele Jahre gute Arbeit gemacht und darf nun seinen Lebensabend bei uns in der Familie verbringen."

Wie die meisten pensionierten Polizeihunde bleibt Kevin dann in der Familie seines Hundeführers und erhält vom Land einen Futterkostenzuschuss. Das Land übernimmt seit zwei Jahren außerdem die Tierarztkosten für die tierischen Pensionäre.

Diensthundführer Ronny Michel mit dem Hundewelpen Gismo und Polizeihund Kevin an der Leine
Gismo soll den Job von Polizeihund Kevin (rechts) übernehmen, der dann in den wohlverdienten Ruhestand geht. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Immer weniger Polizeihunde im Dienst

Polizeihunde sind im Land seltener geworden. Im Zuge des Personalabbaus ist auch die Zahl der Hundeführer gesunken. "Wir haben derzeit in Magdeburg noch 18 Diensthundführer mit 22 Diensthunden", zählt Kerstin Neuser auf. Sie ist Leiterin der Magdeburger Hundestaffel. Vor fünf Jahren waren es noch deutlich mehr.

Diensthundführer Ronny Michel mit dem Hundewelpen Gismo und Polizeihund Kevin
Polizeihunde wie Kevin (und bald Gismo) sind seltener geworden. Der Personalabbau bei der Polizei hat auch sie betroffen. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

So wie in Magdeburg ist auch im gesamten Land die Zahl der Polizeihunde gesunken: In Sachsen-Anhalt gab es vor fünf Jahren noch mehr als 100 Diensthunde, 2018 waren es noch 76. "Wir gehen davon aus, dass wir auch weiterhin Diensthunde in Sachsen-Anhalt brauchen", sagt Neuser. "Sie leisten als Schutzhunde und natürlich in ihrer Spezialisierung als Sprengstoff-, Rauschgift-, Drogen-, Brandmittel- und Leichenspürhunde eine unverzichtbare Arbeit."

Zwei Jahre Ausbildung in Pretzsch

Gismo ist der erste Welpe in der Hundestaffel Magdeburg. Derzeit ist er noch in der Gewöhnungsphase. Demnächst wird er mit Michel zur Ausbildung an die Diensthundführerschule Pretzsch im Landkreis Wittenberg geschickt. Dort beginnt seine zweijährige Ausbildung zum Personensuchhund.

Hundewelpe Gismo spielt mit seiner Leine.
Gismo soll als Personenspürhund Menschen finden können. Für ihn wird das eine Art Spiel sein. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Annette Schneider-Solis
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Über die Autorin Annette Schneider-Solis arbeitet seit Mai 1994 für den MDR. Sie ist vor allem als Reporterin für Fernsehen, Hörfunk und Online im Land unterwegs. Ihre Themenpalette ist breit. Annette Schneider-Solis ist in Magdeburg geboren, hat in der Nähe von Stendal Zootechnikerin gelernt, das Abi an der Abendschule gemacht und in Leipzig Journalistik studiert. Seit 1985 arbeitet sie als Journalistin, seit 1994 als Freie, vor allem für den MDR, aber auch für die dpa und ab und zu für verschiedene Zeitungen. Lieblingsorte in Magdeburg hat sie viele – dazu gehören der Stadtpark und der Möllenvogteigarten in Magdeburg und die ländlichen Regionen. Vor allem das weite Grünland in der Altmark und die Felder in der Börde.

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Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 15:36 Uhr

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