Interview Wer hinter den Magdememes steckt

Er ist 23 Jahre alt, kommt aus Bremen und studiert seit 2014 an der Uni in Magdeburg. Weil sein Name nicht bei Google neben den Magdememes auftauchen soll, bleibt er an dieser Stelle anonym. Die Memes sollen im Mittelpunkt stehen, nicht er. Ein Interview über Prokrastination, Viralität und die Magdeburger Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Instagram-Profil der Seite "Magdememes"
Innerhalb von vier Wochen haben die "Magdememes" mehr als 6.000 Follower gesammelt. Bildrechte: MDR/Instagram

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie kam es zu der Idee, lustige Bilder über Magdeburg auf Instagram zu veröffentlichen?

Magdememes: Meine Freunde und ich konsumieren in unserer Freizeit einfach viele Memes auf Reddit oder Instagram. Und dann haben wir schon vor über einem Jahr rumgesponnen, dass man auch mal eine Seite mit Memes zu Magdeburg machen könnte. Das haben wir dann aber wieder unter den Tisch fallen lassen, weil wir dachten, das findet viel zu wenig Anklang. Und dann macht so eine Seite keinen Spaß. Und jetzt zum Beginn der Klausurenphase, hab ich mir gedacht: "Ach komm, ich mach das jetzt lieber als zu lernen."

Wie viel Zeit investierst du in die Seite und in die Produktion der Bilder?

So aufwendig ist das gar nicht. Ich habe in der Uni immer mein Tablet dabei, um in den Vorlesungen mitzuschreiben. Und in der gleichen Notiz-App, in der ich mitschreibe, entstehen parallel die ganzen Bilder. Ich suche mir im Internet die Vorlagen für die Bilder raus, schneide die ganz unspektakulär aus und schreibe dann den Text drüber. Bevor ich etwas hochlade, frage ich vorher noch 1-2 Freunde, ob das so passt. Ein kleines bisschen Feedback hole ich mir da schon ein. Ansonsten mache ich alles allein.

Was ist zuerst da? Das Thema oder das Bild?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal überlege ich mir bewusst: Was könnte man denn zu der Modemarke von Bill Kaulitz machen? Und dann suche ich passende Vorlagen. Teilweise schau ich mir erst die Bilder an und dann fällt mir sofort ein Bezug zu Magdeburg ein, den man einbauen könnte. Die Vorlage für den neuesten Post zum Thema Haarfarben ist allerdings über eine Woche gereift, weil ich immer wieder nach einem besseren Vergleichsbild gesucht habe.

Der Account hat innerhalb von 4 Wochen mehr als 6.000 Follower bekommen. Wie sehr hat dich der Erfolg überrascht?

Ich war schon überrascht. Ich habe die Seite erstellt und direkt 10 Bilder hochgeladen, ohne dass mir irgendjemand gefolgt ist. Dann habe ich das ein paar Freunden weitergeleitet. Die haben das dann weitergeleitet. Und so richtig durch die Decke ist das geschossen, als Leute die Memes in ihren Stories gepostet haben. An einem Tag waren das so 20 Leute, die verschiedene Bilder in ihrer Story hatten. Die Accounts hatten zum Teil 4.000 Follower und dann sehen das auf einen Schlag super viele Leute. Darüber ist das dann ziemlich schnell gegangen.

Welches Magdememe ist dein bisheriger Liebling?

Am witzigsten finde ich das mit der europäischen Kulturhauptstadt und Magdeburg. Da stammt die Vorlage aus der amerikanischen Stromberg-Serie "The Office". Das Bild wurde auch von "Magdeburg2025" (Anm. d. Red.: die Kampagnenseite zur Magdeburger Kulturhaupstadtbewerbung) auf Facebook und auf Instagram geteilt. Das fand ich sehr schön, wie selbstironisch sie damit umgegangen sind. Denn in dem Meme kommen sie eigentlich relativ schlecht weg. Das haben sie aber sehr mit Humor genommen.

Mehr Humor und Selbstironie fordert ja auch der "Kulturminister" von Magdeburg, Matthias Puhle, für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Kannst du an der Stelle aushelfen?

(lacht) Ich finde schon super, was die machen und würde mich sehr freuen, wenn Magdeburg tatsächlich Kulturhauptstadt werden würde. Denn so wie ich das verstehe, wird der Titel "Kulturhauptstadt" an Städte mit viel ungenutztem Potenzial vergeben, um da noch mehr Kultur hinzubringen. Und nicht die Stadt als "Kulturhauptstadt" zu betiteln, die ohnehin schon viel Kultur hat. Und ich finde, dass in Magdeburg noch viel mehr möglich wäre. Vielleicht poste ich jetzt mehr in Richtung Kulturhauptstadt, aber eigentlich ist das nicht mein Job. Ich mache das ja als Hobby nebenbei und mein Studium geht auch in eine ganz andere Richtung.

Gibt es noch Themen, zu denen du gerne mal etwas machen würdest?

Da ist noch relativ viel unbespielt. Ich habe bislang erst 37 Beiträge. Das ist noch nicht so viel. Die Themen Fußball und der FCM kamen da jetzt noch nicht vor. Oder einzelne Stadtteile, über die man mal was machen kann. Inzwischen bekomme ich auch Beiträge eingeschickt. Da schreibe ich dann aber drunter, von wem sie kommen. Ideen nehme ich auf jeden Fall immer gerne an!

Glaubst du, dass dir irgendwann die Themen ausgehen werden?

Ich lebe jetzt seit fünf Jahren in Magdeburg, da kann ich schon auf einiges zurückblicken. Und in der Hinsicht ist Magdeburg sehr vielseitig. Am Ende mache ich die Seite aber für mich. Ich finde das witzig, das zu machen, und es macht mir auch Spaß. Aber ich bin da niemandem verpflichtet.

Die Fragen stellte Jan Schmieg.

Quelle: MDR/js

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