Wolfssichtung am 23.01.2019, 9:30 Uhr im Magdeburger Stadtteil Buckau, im Wohngebiet "Am Wasserwerk"
Wolfssichtung am 23.01.2019, 9:30 Uhr im Magdeburger Stadtteil Buckau, im Wohngebiet "Am Wasserwerk" Bildrechte: Sandra Gauck

In unmittelbarer Nähe zum Menschen Wolf in Wohngebiet in Magdeburg gesichtet

Experten bestätigen: Ja, es ist ein Wolf! Im Magdeburger Stadtteil Buckau, im Wohngebiet "Am Wasserwerk", ist ein Wolf aufgetaucht. Auf einem Video ist das Tier zu sehen, wie es ohne Scheu durch das vereiste Gras streift. In Magdeburg ist es nicht das erste Mal, dass ein Wolf gesichtet wurde.

Wolfssichtung am 23.01.2019, 9:30 Uhr im Magdeburger Stadtteil Buckau, im Wohngebiet "Am Wasserwerk"
Wolfssichtung am 23.01.2019, 9:30 Uhr im Magdeburger Stadtteil Buckau, im Wohngebiet "Am Wasserwerk" Bildrechte: Sandra Gauck

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In Magdeburg ist ein Wolf gesichtet worden. Auf einem Video, das der Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, ist ein Wolf zu sehen, wie er durch das vereiste Gras im Wohngebiet "Am Wasserwerk" im Magdeburger Stadtteil Buckau streift. Einige Zeit lang verharrt das Tier ohne Scheu direkt hinter einem Grundstückszaun. Dann verschwindet der Wolf im Gebüsch. Das Video wurde den Angaben zufolge am Mittwochmorgen aufgenommen.

Experten vom Wolfskompetenzzentrum haben nun bestätigt, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Biologin Antje Weber machte sich am Donnerstag selbst ein Bild vor Ort.

Sie erklärte MDR SACHSEN-ANHALT anschließend, dass es sich vermutlich um ein Jungtier handele, das fern des elterlichen Territoriums das Gebiet erkunde. Dabei sei die Elbe für den Wolf kein Hindernis, da die Tiere sehr gut schwimmen könnten. "Wenn man sich den Elbverlauf anschaut, ist es möglich, dass das Tier aus der Richtung Steckby/Lödderitzer Forst gekommen sein könnte oder aus der Kreuzhorst oder aus Pechau den Bereich hier erreicht hat", so Weber. Die Expertin geht aber davon aus, dass sich das Tier mittlerweile wieder zurückgezogen hat.

Eine Frau steht vor einem Baum und lächelt in die Kamera
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Man sieht es auch gut auf dem Video, dass er leicht verunsichert ist, die Rute einklemmt ist, er sehr genau guckt und lauscht. Das spricht alles dafür, dass es ein Tier ist, das sich hierher verirrt hat.

Antje Weber, Biologin

Jährlich erhalten die Wolfsexperten Tausende solcher Videos. Oft werden jedoch Hunde mit Wölfen verwechselt. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit Ines Wahl vom Landesamt für Umweltschutz gesprochen.

Was tun bei Wolfssichtungen? Das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) ist unter der Telefonnummer +49 3939 06-481 und der Mail-Adresse wzi@lau.mlu.sachsen-anhalt.de zu erreichen.

Es gibt auch eine Notfallnummer: + 49 162 3133949

Das WZI bittet um Meldungen, wenn ein Wolf oder seine Spuren gesichtet werden.

Fragen an Ines Klein vom Landesamt für Umweltschutz
Ist auf dem Video ein Wolf zu sehen?

Unsere Fachleute im Wolfskompetenzzentrum gehen davon aus, dass es ein Wolf ist. Es gibt keine Hinweise, die dagegen sprechen.

Gab es früher schon Wolfssichtungen in und um Magdeburg?

Im März 2017 gab es einen "verkehrstoten" Wolf in der Nähe des Herrenkrugparks.

Wie oft kommt es vor, dass Leute Videos von angeblichen Wölfen schicken?

Das kommt öfter vor. Manchmal sind Hunde auf den Videos, manchmal sind die Videos so undeutlich, dass keine Aussage getroffen werden kann. Es gehen mehrere Tausend Hinweise jedes Jahr ein.

Erstes Video eines Wolfes in einer Stadt

Das Video ist die erste bekannte Filmaufnahme eines Wolfes in einer Stadt in Sachsen-Anhalt.

In Magdeburg ist es aber nicht das erste Mal, dass ein Wolf aufgetaucht ist. 2016 war ein Wolf im Süden von Magdeburg bei Randau in eine Fotofalle getappt. 2017 starb bei einem Unfall in der Nähe des Magdeburger Herrrenkrugparks ein Wolf.

Die Stadt selbst reagierte am Donnerstag mit einer Mitteilung, in der sie ihre Bürger zu Vorsicht aufruft. Sie empfiehlt Hundebesitzern, ihre Tiere auch im Bereich der Salbker Seen anzuleinen. Außerdem sollten keine Wildtiere gefüttert oder mit Nahrungsresten angelockt werden. Die Stadt schreibt, dass das Aufkommen an Rehen, Wildschweinen und Bibern in dem betroffenen Gebiet hoch sei. Dennoch sei auszuschließen, dass sich der Wolf im Umfeld der Salbker Seen ansiedele.

Bislang zwölf Rudel in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der nachgewiesenen Wölfe zuletzt leicht gestiegen. Darüber hatte Umweltministerin Claudia Dalbert Anfang Dezember 2018 informiert. Nach ihren Worten stieg die Zahl der festgestellten Wölfe im Land bis April 2018 von 85 auf 92.

Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT, insgesamt lebten zwölf Rudel in Sachsen-Anhalt. Viele geeignete Lebensräume seien bereits von Wölfen besiedelt. Das betreffe insbesondere den Südosten und den Nordwesten Sachsen-Anhalts. Es gebe auch Beobachtungen im Harz, sagte Dalbert. Noch sei aber unklar, ob sich dort wirklich ein Rudel angesiedelt habe.

Wölfe seien in der Lage, sehr weit zu wandern. "Sie laufen weite Strecken von 50 bis 60 Kilometern am Tag", sagte Dalbert. "Dass man einen Wolf sieht, heißt nicht, dass er sich da auch ansiedelt", betonte die Ministerin.

Dalbert sagte weiter, dass die Zahl der Rissattacken insgesamt zurückgegangen ist. Sie habe die Hoffnung, dass Tierhalter sich nun besser auf den Wolf eingerichtet haben. Das Wolfsjahr dauert vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres. Erhoben werden die Zahlen vom Wolfkompetenzzentrum in Iden im Landkreis Stendal.

Wolfskonferenz im April

CDU-Fraktionschef Siegfried Borgwardt hatte am 17. Januar angekündigt, eine international besetzte Konferenz zum Umgang mit den Wolfsrudeln im Land durchzuführen. Ziel sei es, wissenschaftliche Erkenntnisse beim Umgang mit den Tieren auch in Sachsen-Anhalt umzusetzen.

Demnach sollen sich die Experten unter anderem mit Fragen zum Jagdrecht und zur Regulation der Tierbestände auseinandersetzen. Die mehrtätige Konferenz sei für Ende April angesetzt, sie soll voraussichtlich in Halberstadt stattfinden. Einladen werde man rund 30 Wissenschaftler aus Ländern mit großen Wolfbeständen, unter anderem aus Serbien, Kroatien, Polen, Finnland und Österreich.

Borgwardt betonte, es gehe nicht darum, den Wolf auszurotten. Vielmehr suche man nach Wegen für ein angemessenes Wolfsmanagement. Dazu gehöre auch die Entnahme einzelner Problemtiere.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Januar 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 19:42 Uhr

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51 Kommentare

26.01.2019 13:13 böse-zunge 51

Dann eine Prämie für alle mit dem schnellen Zeigefinger ... wer den letzten Waschbären in D geschossen hat, der darf den ersten Wolf bejagen.
Konferenz Ende, Beiprogramm kann abgefeiert werden - Kosten: Steuerzahler

26.01.2019 12:59 Petra Lorenz 50

Leute,der Wolf gehört zu uns ,Menschen im Dunkeln am Gartenzaun können viel gefährlicher sein. Wir sollten uns doch freuen über die Bereicherung in der Tierwelt. Also Kopf noch Auf keinen Fall erschießen.

26.01.2019 10:30 flo 49

Der Kuschelwolf hat wohl wieder zugeschlagen. Diesmal bei Aken in einem Damwildgehege. Weitere Worte sind da wohl überflüssig.