Hand legt Patrone in Gewehr
Die Lapua-Patronen aus Schönebeck werden auch bei Olympia im Einsatz sein. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Munitionsfabrik Treffsicheres aus Schönebeck für Olympia

Seit knapp 200 Jahren wird in Schönebeck Munition hergestellt. Heute schießen vor allem Sportschützen, aber auch die Mehrheit aller Spitzen-Biathleten mit Lapua-Patronen. Die Präzisionsgeschosse sind damit die Munition der Wahl für die Olympischen Spiele in Pyeongchang.

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Hand legt Patrone in Gewehr
Die Lapua-Patronen aus Schönebeck werden auch bei Olympia im Einsatz sein. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Ole Einar Bjorndalen tut es, Kathi Wilhelm hat es gemacht, und Arnd Peiffer tut es immer noch: Diese drei Biathleten schießen mit Munition aus Schönebeck. Damit sind sie in guter Gesellschaft: 85 Prozent aller Spitzen-Biathleten schießen mit Lapua-Patronen. Die meisten Kunden der Schönebecker Munition sind Sportschützen. Sie alle schätzen die Präzision, mit der die Geschosse von der Elbe ihr Ziel erreichen.

Die älteste noch produzierende Munitionsfabrik

200 Millionen Schuss Kleinkalibermunition für Jagd- und Sportgewehre verlassen jedes Jahr die älteste noch produzierende Munitionsfabrik in Schönebeck. 1829 begann deren Geschichte mit der Herstellung von Zündhütchen. Nach 1990 wurde das Sprengstoffwerk Schönebeck privatisiert und gehört heute zum norwegisch-finnischen Konzern Nammo.

Weil die Geschosse so gefragt sind, hat Nammo in den zurückliegenden Jahren Mitarbeiter eingestellt und ist nun bei zirka 100 angekommen. Doch die Nachfrage ist groß, und so werden nun neue Maschinen gekauft, damit noch mehr produziert werden kann.

Munition für Spitzenbiathleten

Mann mit Gehörschutz vor Gewehr in Schraubstock
Für die jährlichen Waffentests werden die Läufe in einen Schraubstock gespannt, damit die Fehlerquelle Mensch ausgeschaltet wird. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Einmal im Jahr testen Trainer und Betreuer von Spitzen-Biathleten die unterschiedlichen Munitionslose in den Waffen ihrer Schützlinge. Dazu werden die Läufe in einen Schraubstock gespannt, damit die Fehlerquelle Mensch ausgeschaltet wird. Mehrere Schüsse werden auf eine Scheibe in 50 Metern Entfernung abgegeben. Auf einem Computerbild erscheint stark vergrößert das Trefferbild mit farbigen Punkten auf der Scheibe. Je weiter die Treffer beisammen liegen, desto besser passe die Munition zum Gewehr, erklärt Schießstandleiter Andreas Schnitzeler das Trefferbild. Ausreißer sind nicht erwünscht, denn im Wettkampf kann schlecht passende Munition eine Fahrkarte und im Biathlon damit eine Strafrunde bedeuten.

"Bei einem schlecht passenden Los gibt es Abweichungen von 20 bis 25 Millimeter, bei einem guten sind es 12 bis 14", erklärt Christoph Tolonitz. Er ist Leiter des Sportservice und betreut die Kunden des Munitionsherstellers. Bei vielen Wettkämpfen ist er mit dabei und verfolgt, wie die Athleten mit den Patronen aus Schönebeck schießen.

Auch Sportschützen schätzen die Geschosse aus Schönebeck

Während in Südkorea die Biathleten in die Olympische Loipe gehen, testen in Schönebeck die Sportschützen ihre Gewehre. "Extrem wichtig", sei die Munition, beteuert Bill Murray, aus dessen Landesverband in Rio mit Henri Junghänel ein Olympiasieger hervorging. Der Trainer der Hessischen Schützenjugend ist zufrieden mit den Geschossen aus Schönebeck: "Wir sind vor zwei Jahren auf Lapua umgestiegen. Das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

Bill Murray vergleicht die minimalen Abweichungen auf den Zielscheiben und notiert sich die Nummern der Munitionslose. "Es gibt weltweit nur drei große Hersteller, die Spitzenmunition herstellen", berichtet der Trainer. "Wir schießen auf Zehntelringwertungen, da macht jeder Zehntel Millimeter etwas aus."

Während in den Werkhallen auf dem Betriebsgelände im Schönebecker Gewerbegebiet die Maschinen auf Hochtouren laufen, konzentrieren sich die Männer am Schießstand auf die Trefferbilder. Wenn die Biathleten in Südkorea an den Start gehen, werden Christoph Tolonitz und seine Kollegen die Wettbewerbe im Fernsehen verfolgen. Dabei drücken die Schönebecker vor allem jenen Biathleten die Daumen, die mit Lapua schießen. Ganz besonders natürlich den Deutschen.

Spitzenmunition aus Schönebeck

Mann mit Patrone und Schachtel in der Hand
Vor allem Sortschützen und 85 Prozent aller Spitzenbiathleten schießen mit Lapua, der Munition aus Schönebeck. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Mann mit Patrone und Schachtel in der Hand
Vor allem Sortschützen und 85 Prozent aller Spitzenbiathleten schießen mit Lapua, der Munition aus Schönebeck. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Hand legt Patrone in Gewehr
Sie schätzen die Präzision, mit der die Geschosse von der Elbe ihr Ziel erreichen. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Mann mit Gehörschutz vor Gewehr in Schraubstock
200 Millionen Schuss Kleinkalibermunition für Jagd- und Sportgewehre verlassen jedes Jahr die älteste noch produzierende Munitionsfabrik in Schönebeck. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Gewehr in Schraubstock in Halle
Einmal im Jahr testen Trainer und Betreuer von Spitzenathleten die unterschiedlichen Munitionslose in den Waffen ihrer Schützlinge. Dazu werden die Läufe in einen Schraubstock gespannt, damit die Fehlerquelle Mensch ausgeschaltet wird. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Trefferanzeige auf Monitor
Mehrere Schüsse werden auf eine Scheibe in 50 Metern Entfernung abgegeben. Auf einem Computerbild erscheint stark vergrößert das Trefferbild mit farbigen Punkten auf der Scheibe. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Mann mit Gehörschutz testet Gewehr
Je weiter die Treffer beisammen liegen, desto besser passe die Munition zum Gewehr, erklärt Schießstandleiter Andreas Schnitzeler das Trefferbild. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Mann mit Gehörschutz legt Patrone in Gewehr
Weil die Geschosse aus Schönebeck so gefragt sind, wurden in den zurückliegenden Jahren immer mehr Mitarbeiter eingestellt und neue Maschinen gekauft, damit noch mehr produziert werden kann. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Februar 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 11:05 Uhr

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1 Kommentar

09.02.2018 12:58 Brennabor 1

Biathlon ist die wichtigste Sportart in Deutschland.
Über 500 Stunden Sendezeit im Fernsehen, das ist
einmalig auf der Welt.