Orchester für Hobby-Musiker Jubiläum: Magdeburger Musikfreunde werden 60 Jahre alt

Von der Triangel bis zur Tuba, von der Bratsche bis zur B-Klarinette: Wer bei den Magdeburger Musikfreunden spielt, ist kein Profi. Trotzdem ist das Hobby-Orchester sehr beliebt – nun schon seit 60 Jahren.

von Uli Wittstock, MDR SACHSEN-ANHALT

Musiker halten ihre Instrumente in die Höhe.
Jeder kann mitmachen: Die aktuelle Besetzung der Magdeburger Musikfreunde. Bildrechte: Magdeburger Musikfreunde/V.Kühne

Wenn die Magdeburger Musikfreunde sich jeden Montag um 19 Uhr treffen, klingt das zunächst wie ein musikalischer Flashmob. Jeder spielt sich mit seinen eigenen Tönen warm, ohne Rücksicht auf das, was der Nachbar fiedelt. Die Anarchie endet jedoch in dem Moment, in dem Dirigent Gero Wiest das Orchester offiziell begrüßt. Es ist ein Hobby der besonderen Art, schwärmt Sabine Fritz vom Orchestervorstand. In ihrem Berufsleben arbeitet sie als Chemikerin, im Orchester spielt sie Flöte: "Für mich ist nach einem anstrengenden Arbeitstag die Musik eine sehr gute Entspannung und eine schöne Ergänzung zum Feierabend."

Gegründet nach dem Krieg

Seit nun mehr 60 Jahren gibt es das Orchester der Magdeburger Musikfreunde. Es wurde gegründet, als die Stadt nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg noch im Wideraufbau war. Trotz der Trümmer und der knappen Versorgungslage fanden sich damals genügend Interessenten, um gemeinsam zu musizieren.

Magdeburger Musikfreunde
Mitmachen kann jeder: Die "Musikfreunde" sind keine Profis. Bildrechte: Magdeburger Musikfreunde

Mehrere Generationen später gibt es das Orchester noch immer – nun allerdings als ein Verein mit Satzung und einem Vereins-Vorstand, zu dem neben Simone Fritz auch Martin Kunert gehört. Der Grund für das Orchesterspiel liegt für ihn auf der Hand: "Musik machen im stillen Kämmerlein ist schön, aber nicht alles. Es macht erst richtig Spaß im Zusammenspiel mit anderen."

Musizieren im Orchester ist gemeinschaftsstiftend – und das gilt übrigens auch für die Angehörigen: Denn sie müssen ein gewisses Verständnis aufbringen und gelegentlich auch mal Leidensfähigkeit. Martin Kunert meint: "Die Familien müssen das aufwändige Hobby ihrer Liebsten mittragen und vor allem die Töne, die sie zu Hause fabrizieren. Denn ohne Üben geht es nicht."

Lebendiger Verein

Während Kaninchenzüchtervereine und Briefmarkensammler über Nachwuchs klagen, hat das Laienorchester kaum Probleme, alle Pulte zu besetzen. Hier bläst der Bankdirektor neben dem Polizisten, der Richter geigt neben dem Tischlermeister – und das auch noch generationenübergreifend. Das habe viel mit dem Orchester-Programm zu tun, so Simone Fritz: "Wir haben mit Gero Wiest einen noch ziemlich jungen Dirigenten, der es eben auch versteht durch die Auswahl der Stücke eben gerade junge Leute anzuziehen, die eben auch mal moderne Werke mitspielen, das ist natürlich ein großer Vorteil."

Filmmusik und Klassik

Das Orchester hat also keine Berührungsängste, Filmmusik oder Chansons stehen ebenso auf dem Programm, wie klassische Werke. Zudem setzt das Orchester auf ungewöhnliche Formen, man könnte auch von niedrigschwelligen Angeboten reden. So zum Beispiel gibt es Mitspielkonzerte.

Magdeburger Musikfreunde
Bei den Musikfreunden steht nicht nur Klassik auf dem Programm. Bildrechte: Magdeburger Musikfreunde

Das Angebot lautet:  Wer zumindest ein Instrument halbwegs zu bedienen weiß, ist herzlich zum Mitspielen eingeladen. Das Interesse zu solchen Anlässen sei riesig, sagt Martin Kunert: "Dann kommen immer etliche Mitspieler und auch viele Neugierige, die einfach mal hören wollen, was wir da so machen. Solche Projekte sind wichtig, auch damit wir immer wieder Nachwuchs für das Orchester bekommen."

Notenlesen ist von Vorteil

Für den, der sie versteht, hat die Welt der Noten einen großen Vorteil:  Ihre Eindeutigkeit. Ein A ist ein A und jeder weiß wie ein A klingt. Während die Öffentlichkeit hierzulande beständig streitet, was richtig ist und was falsch, steht das in einem  Orchester nicht zur Diskussion.

Es gilt die geschriebene Note, im Prinzip jedenfalls. Simone Fritz: "Die Noten lesen, dann richtig spielen und natürlich auch noch die Intonation beachten, das ist schon eine hohe Anforderung an den Geist. Man muss also sehr konzentriert sein und das hält jung. Ärzte empfehlen ja sogar älteren Leuten Instrumente zu spielen."

Doch als Therapie möchten die Magdeburger Musikfreunde ihre Konzerte nicht verstanden wissen – sondern als eine Einladung an alle Menschen ohne musikalische Berührungsängste.

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Ewa 70 Musikerinnen und Musiker bilden die aktuelle Besetzung des Orchesters. Bildrechte: Magdeburger Musikfreunde

Quelle: MDR/rj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26.03.2018 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2018, 20:00 Uhr

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