Eine Frau steht vor der Kleiderkammer der Bahnhofsmission im Magdeburg. Darin sind warme Kleidungsstücke und Schlafsäcke.
Bei der Bahnhofsmission bekommen Obdachlose warme Kleidung. Sie ist derzeit sehr gefragt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hilfe für Obdachlose "Keiner muss auf der Straße schlafen"

Seit Tagen ist es bitterkalt in Deutschland – mit tiefen Minusgraden im zweistelligen Bereich. Das macht vor allem Obdachlosen zu schaffen. Viele Städte kümmern sich daher gerade verstärkt um Menschen ohne Dach über dem Kopf. Auch die Magdeburger Bahnhofsmission bietet Hilfe.

 Eine Frau steht vor der Kleiderkammer der Bahnhofsmission im Magdeburg. Darin sind warme Kleidungsstücke und Schlafsäcke.
Bei der Bahnhofsmission bekommen Obdachlose warme Kleidung. Sie ist derzeit sehr gefragt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein heißer Tee, warmes Essen für ganz kleines Geld oder eine Dusche zum Aufwärmen – das zieht momentan 30 bis 40 Menschen pro Tag in die Magdeburger Bahnhofsmission. Grund sind die anhaltend eisigen Wintertemperaturen – für Obdachlose eine Extremsituation. Gabriele Bolzek kümmert sich um die Bedürftigen. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof und arbeitet dort seit sieben Jahren.

Früher war Bolzek als Informatikerin tätig, wurde dann aber arbeitslos. Sie weiß, wie viel Kraft man braucht, um trotzdem sein Selbstwertgefühl und eine gewisse Alltagsstruktur aufrecht zu erhalten: "Jeder Mensch, der hier durch seine Tür kommt, hat sein eigenes Schicksal. Das ist oft ein Zusammentreffen unterschiedlicher Umstände, die die Leute auf die Straße treiben. Das kann ein schlechtes Elternhaus sein, Missbrauch oder Versagen von Behörden."

Nicht jeder will Hilfe annehmen

Ein Mitarbeiter der Bahnhofsmission in Magdeburg bei der Essenszubereitung.
Eine Mahlzeit für kleines Geld – auch die gibt es in der Bahnhofsmission. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Draußen übernachten muss nach Ansicht von Bolzek theoretisch niemand. Jeder könne einen Schlafplatz in einer städtischen Einrichtung bekommen. Allerdings hätten Betroffene häufig Angst, ein Übergangswohnheim aufzusuchen. Diese müsste überwunden werden.

In der Bahnhofsmission selbst kann man nicht übernachten. Aber es gibt Kleidung und eine warme Decke. Viele Obdachlose hätten sich auf den eisigen Winter vorbereitet, erzählt Bolzek weiter. Sie schlafen demnach zum Beispiel in Abrisshäusern, als Unterlage nehmen sie eine Isomatte.

Nicht genügend Ehrenamtliche

90 Prozent der Menschen, die in die Bahnhofsmission kommen, sind Männer – im Alter zwischen 18 bis 70 Jahren. Jetzt im Winter kommen aber nicht mehr Obdachlose als sonst, so Bolzek. Allerdings bleiben die Besucher länger, weil es draußen so eisig ist. Viele statten sich in der Kleiderkammer auch mit warmer Winterkleidung aus, die derzeit sehr gefragt ist. Die Hilfseinrichtung in Magdeburg würde sich über mehr Unterstützung freuen. Man brauche ganz dringend Leute, die bereit seien, ehrenamtlich dort zu arbeiten.

Ähnliche Töne sind auch aus dem Süden des Landes zu hören. In Eisleben betreibt der Förderverein für Soziokultur und Beschäftigung eine Altkleidersammlung. Vor allem warme Mäntel, Pullover und Schuhe in mittleren Größen würden benötigt. Man sei für jede Spende dankbar.

Kältewelle in Europa Die anhaltend eisigen Temperaturen haben in Europa schon Dutzende Todesopfer gefordert. Nach Behördenangaben sind seit Freitag bereits mehr als 45 Menschen gestorben – rund 20 davon allein in Polen. Die meisten Opfer sind Obdachlose. In Deutschland starben aber auch Menschen, als sie in zugefrorene Gewässer einbrachen – darunter ein Rentner in Baden-Württemberg, der seinen Enkel aus eiskaltem Wasser rettete. In Niedersachsen entdeckten Spaziergänger die Leiche eines Mannes, der offenbar nachts in einen vereisten Fluss eingebrochen war.

Meteorologen gehen davon aus, dass die Temperaturen ab Donnerstag wieder steigen. Das MDR-Wetterstudio rechnet für das kommende Wochenende wieder mit Plusgraden.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2018, 08:22 Uhr

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2 Kommentare

01.03.2018 20:19 Eulenspiegel 2

"Keiner muss auf der Straße schlafen"
Die Sachlage ist aber jeder dieser Obdachlosen hat so seine eigene Problematik. Und das kann sich jeder vorstellen wie massiv so eine Problematik sein muss das sie einen Menschen in die Obdachlsigkeit treibt. Ein Obdachloser kommt also mit seinen eigenen Problemen nicht klar. Und dann in einer Einrichtung zu schlafen in der so viele Menschen mit so vielen geballten Problemen sind das hält nicht jeder aus.

01.03.2018 16:11 Fragender Rentner 1

Wie kam heute Mittag im Fernsehen, wo einer sagte, ich schlafe nicht in einem Heim, da muß man die Schuhe annageln, damit sie nicht geklaut werde.