Hilfsbereitschaft OLi-Kino in Magdeburg durch Spenden gerettet

Das OLi-Kino in Magdeburg ist kult. 2003 vor dem Umbau zu einem Supermarkt gerettet, hatte es sich als alternativer Veranstaltungsort etabliert. Doch dann kam Corona. Sämtliche kulturellen Einrichtungen mussten schließen. Mittlerweile kehrt Normalität zurück und auch das OLi-Kino in Magdeburg öffnet wieder. Allerdings nur durch das Engagement der Magdeburger, die für ihr OLi spendeten.

OLi Kino
Das Kino ist wieder geöffnet. Maskenpflicht und 1,5 Meter Abstand müssen die Besucher weiterhin einhalten. Bildrechte: Vesile Özcan

Durch die Corona Pandemie waren zwischenzeitlich alle kulturellen Einrichtungen geschlossen. Auch das OLi-Kino musste Mitte März bis Ende Mai schließen. Das bedeutet in Zahlen gefasst rund 15.000 Euro finanzieller Verlust. Das ist eine sehr erhebliche Summe für ein Kiez-Kino.

Die Magdeburgerinnen und Magdeburger wollten nicht einfach zuschauen wie das Kino eingeht und schließen muss. Sie haben mit einer Spendenaktion durch die schwierige Zeit geholfen. Über Crowdfunding wurden 18.531 Euro für das Kino gesammelt.

Crowdfunding

Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, bei der beispielsweise für Geschäftsideen oder Projekte Spenden gesammelt werden. Es gibt verschiedene Internetseiten, über die man ein Crowdfunding starten kann. Dabei wird das Anliegen kurz geschildert und ein Mindestsatz festgelegt. Interessenten können dann so viel spenden, wie sie möchten.

Seit dem 28. Mai ist das OLi-Kino wieder geöffnet. Die Inhaberin Ines Möhring sagt: "Wir stehen jetzt mit einem noch größeren Strahlen da. Es ist so schön, dass sich so viele dafür eingesetzt haben, damit es weitergehen darf."

Der "OLi-Retter"

Nicht zum ersten Mal hat das Kino so schwere Zeiten durchgemacht. Möhring erzählt, dass die Zeit nach der Wende die schwierigste Phase für das OLi-Kino war. "Damals wollte das Kino niemand mehr haben. Alle wollten in die neuen Kinos mit modernen Sitzen, großer Leinwand und gutem Ton. Deshalb wurde das Kino 1996 geschlossen und erst am 4. Oktober 2003 mit einem alternativen Filmprogramm wiedereröffnet".

Wolfgang und Ines lächeln glücklich in die Kamera
Ines Möhring und Prof. Dr. Wolfgang Heckmann (verstorben am 22. 11. 2019) Bildrechte: OLi-Crew - Arno Battke

Der Retter dieser Zeit war Wolfgang Heckmann. Er hat 2003 das damals leerstehende Kino abgekauft. Und zwar kurz bevor es in einen Supermarkt umgewandelt werden sollte. Für diese Initiative wurde er in der Gegend als "OLi-Retter" bekannt. Jahrelang hat Wolfgang Heckmann gemeinsam mit seiner Ehefrau Ines Möhring das Kino mit viel Herzblut betrieben. Im November 2019 ist er gestorben. Möhring erzählt: "Als er im letzten Jahr verstorben ist, war das ein großer Schock für mich. Gleich drei Monate nach seinem Tod mussten wir dann wegen der Corona-Pandemie schließen. Das war der zweite große Schlag. Für meinen Mann war das Kino etwas ganz Besonderes. Und jetzt so sein Herzensprojekt weiterzuführen, liegt mir ganz besonders am Herzen. Das ist so ein Vermächtnis, was er mir hinterlassen hat und ich erfülle es mit meinem ganzen Herzen".

Die Retterinnen und Retter von heute

der Eingangsbereich vom OLi Kino
Die OLi-Crew bedankt sich für die Spenden. Bildrechte: Vesile Özcan

Auch für viele Magdeburgerinnen und Magdeburger scheint dieser Ort ganz besonders zu sein. Viele berichten, dass das ein nostalgischer Ort für sie sei, weil sie das Kino aus ihrer Kindheit kennen. Für die Inhaberin Ines Möhring ist das auch so. "Ich bin in Magdeburg aufgewachsen. Ich habe um die Ecke gewohnt und stand jeden Sonntag um 14 Uhr mit meiner Schwester vor diesem Kino an einer langen Schlange, um Filme anzuschauen. Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte er das Kino bereits gekauft. Und ich habe mich immer gefreut und gesagt: 'Du hast mein Kinderkino gerettet'", erzählt sie. Für Möhring sei neben den ganzen Spenden die Wertschätzung der Leute beeindruckend. Sie berichtet, dass während der geschlossenen Zeit viele Geld in einen Umschlag gepackt haben und es in den Briefkasten geworfen haben. Oder es wurden Grillabende veranstaltet und die Leute haben gesagt: "Hier spenden alle für das OLi-Kino und wir gehen nicht, bis wir 1.000 Euro zusammen haben". Möhring sagt dazu: "Das war unglaublich. Mir geht das Herz über, wenn ich daran denke".

Sie sieht den Einsatz der Magdeburgerinnen und Magdeburger als eine Art Liebesbeweis dem Kino gegenüber. "Das macht mir Mut und Freude weiter zu machen", erzählt sie.

Ohne die ganzen Spenden wäre das rund 80 Jahre alte Kino jetzt wohl geschlossen. Eine alternative Idee, um die Zeit ohne Einnahmen zu überbrücken, war das Konzept "Kino für Zwei". Dabei konnte sich für ein Sonderangebot zwei Personen einen Film anschauen. Das Kino hatten sie damit ganz alleine für sich. "Die Idee gab es schon vorher und während den Corona-Verordnungen konnte man es dann gut umsetzen, weil sich während der Pandemie bis zu zwei Personen treffen durften. Das Angebot haben insgesamt vier Paare in Anspruch genommen", berichtet Möhring.  Das alleine wäre aber nicht ausreichend, um die Zeit zu überstehen.

Zukunftschancen

das OLi Kino von außen
Das OLi hat wieder geöffnet. Bildrechte: Vesile Özcan

An neuen Ideen fehlt es Möhring nicht. Sie sieht und gestaltet das OLi-Kino viel mehr als einen Kieztreffpunkt. Neben dem Filmprogramm gibt es Familiennachmittage, Biker-Treffen, Theateraufführungen und Geburtstagsfeiern. "Wir haben ganz viel buntes Programm, vom Kinderferienkino bis zum Seniorennachmittag. Und das macht es eben aus. Dank dieser bunten Mischung hat es das Kino damals geschafft und jetzt schaffen wir es nochmal", erzählt die Filmvorführerin.

Nicht nur Möhring freut sich, dass es das OLi-Kino weiterhin gibt. Magdeburgerinnen und Magdeburger berichten, was sie mit dem OLi verbinden:

Radio

Meinung von Magdeburgerinnen und Magdeburgern zum OLi-Kino

Gertrud Tschäpe lächelt in die Kamera
Gertrud Tschäpe

Ich kenne das OLi-Kino schon seit meiner Kindheit. Ich finde das ist ein sehr traditionelles Kino mit besonderen Filmen. Es ist sehr schön, dass die Stadtfelder sich zu der Spendenaktion für das Kino zusammengefunden haben. Ich freue mich, dass es weitergeht. Auch nachdem der ehemalige Besitzer verstorben ist.
Die kleinen Kinos mit den besonderen Filmen ziehen halt bestimmte Interessengruppen an.
Bildrechte: Vesile Özcan
Gertrud Tschäpe lächelt in die Kamera
Gertrud Tschäpe

Ich kenne das OLi-Kino schon seit meiner Kindheit. Ich finde das ist ein sehr traditionelles Kino mit besonderen Filmen. Es ist sehr schön, dass die Stadtfelder sich zu der Spendenaktion für das Kino zusammengefunden haben. Ich freue mich, dass es weitergeht. Auch nachdem der ehemalige Besitzer verstorben ist.
Die kleinen Kinos mit den besonderen Filmen ziehen halt bestimmte Interessengruppen an.
Bildrechte: Vesile Özcan
Viktoria Lukina schaut in die Kamera
Viktoria Lukina

Ich bin Bundesfreiwillige im Offenen Kanal. Bei uns werden oft Filme oder Dokumentationen produziert. Es ist dann schön diese Filme auf großer Leinwand zu sehen. Das OLi-Kino ist eine gute Möglichkeit dafür.
Nach meinem Geschmack sind solche kleinen Kinos sowieso schöner. Sie zeigen nichtkommerziele Filme und das mag ich sehr. Das ist für mich auch die einzige Möglichkeit diese Filme auf großer Leinwand zu sehen. Ich freue mich, dass es das Kino weiterhin gibt. Sie sorgt für eine besondere Atmosphäre in der Stadt.
Bildrechte: Vesile Özcan
Julie Thiele lächelt in die Kamera
Juli Thiele

Ich war als Kind mit meiner Mama oft in dem Kino. Manchmal gab es da Disney Filme zu sehen. Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger, dass es so kleine unabhängige Kinos gibt als so riesen Ketten. Das ist viel intimer und hat auch viel mehr diesen Charme von "Ich gehe aus in ein Kino". So kann man sich einfach mal einen schönen Abend machen.
Bildrechte: Vesile Özcan
Stephan Bublitz schaut in die Kamera
Stephan Bublitz (Stadtrat future!)

Ich bin Stadtfelder und das OLi-Kino ist für mich auf jeden Fall ein sehr wichtiger Ort. Die großen Multiplex-Kinos ziehen zwar die Masse an, aber so ein Kiez-Kino ist einfach familiärer. Es ist definitiv eine Bereicherung.
Der ehemalige Inhaber Wolfgang Heckmann, der erst vor kurzem verstorben ist, hat das sehr liebevoll betrieben. Es ist schön, dass es jetzt weiterhin existiert und so viele Leute dafür gespendet haben.
Bildrechte: Vesile Özcan
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Eine junge Frau mit grünem Kopftuch steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg

Über die Autorin: Vesile Özcan arbeitet seit April 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist in Augsburg auf die Welt gekommen und in Heilbronn aufgewachsen. Nach Magdeburg kam sie durch ihr Studium im Bereich Journalistik/Medienmanagement.

Nach dem Studium hat sie als Projektleiterin eines interkulturellen TV–Magazins im Offenen Kanal Magdeburg gearbeitet. An ihrer Arbeit fasziniert sie die Gelegenheit, in viele neue Welten eintauchen zu können.

Quelle: MDR/vö

1 Kommentar

Denkschnecke vor 15 Wochen

Vielen vielen Dank, Frau Möhring, dass Sie sich nicht unterkriegen lassen. Das OLi trägt wie Feuerwache, Moritzhof & Studiokino und andere dazu bei, den Ruf Magdeburgs als kulturelle Wüste langsam und unermüdlich zu korrigieren.

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