Lutz Trümper
1998 musste der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper entscheiden, ob er die Organe seiner Frau zur Spende freigibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigene Erfahrung OB Trümper wirbt für Organspende

Ob man nach dem Tod seine Organe spenden sollte oder nicht, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Auch der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper hat Erfahrungen damit gemacht – und erzählt seine Geschichte.

Lutz Trümper
1998 musste der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper entscheiden, ob er die Organe seiner Frau zur Spende freigibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als er seine erste Frau damals mit starken Kopfschmerzen ins Krankenhaus bringt, ahnt Lutz Trümper nicht, dass er an diesem Tag das letzte Mal mit ihr redet. Die Ärzte sagen, dass sie eine Woche im Krankenhaus bleiben müsse. Ein Aneurysma habe sie. In einer Arterie im Gehirn hatte sich Blut angestaut. Sie schickt ihn noch nach Hause, ein paar Sachen holen.

Raimund Firsching
Neurochirurg Prof. Raimund Firsching Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Da bin los und als ich wiederkam, war sie bewusstlos", erzählt Trümper bei einem Gang über das Gelände der Uniklinik in Magdeburg. Das Aneurysma war geplatzt. "Wenn das geschieht, kommt es häufig zu starken Kopfschmerzen, einer schlagartigen Bewusstlosigkeit oder zum Tod", sagt Professor Raimund Firsching, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie. So wie bei der Ehefrau von Lutz Trümper. Vermutlich hatte sich der Blutdruck durch einen Wespenstich stark erhöht. Deshalb platzte das Aneurysma auf. Die Folge: Das austretende Blut drückte die Hirnmasse zusammen.

Tod mit Anfang 40

Es ist ein frostiger Februartag. Dem sonst so resoluten Oberbürgermeister fällt es immer noch schwer, über das 1998 Erlebte zu sprechen. "Wir waren damals Anfang vierzig", sagt er. Tod oder Krankheit seien kein Thema gewesen.

Und dann wird all das ganz schnell ein Thema. Eine Woche lang bangen Trümper und seine Tochter, die damals im Teenager-Alter ist, um das Leben der Frau und Mutter. Die Ärzte ringen. Sie verlieren. Trümpers Frau wacht nicht noch einmal auf. Nach sechs Tagen wird der Hirntod festgestellt und die Ärzte haben eine Frage an die Hinterbliebenen: Wollen Sie die Organe Ihrer Frau zur Spende freigeben?

"Ich habe das mit meiner Tochter besprochen. Wir haben dann gesagt, man muss sich in die Situation versetzen, dass man selbst betroffen ist oder das eigene Kind und eine Spende benötigt", sagt er. Sie entscheiden sich dafür. "Mir ist es wichtig, dass man hilft", sagt er.

Druck durch die Ärzte?

Doch neben den Befürwortern der Organspende, wie Trümper, gibt es auch Kritiker. Renate Greinert zum Beispiel, die sich nach dem Unfalltod ihres Sohnes von den Ärzten unter Druck gesetzt fühlt, seinen Körper zur Spende freizugeben. Sie tut es am Ende und bereut diesen Schritt. "Der Mensch ist kein Recyclinggut", sagt sie. Bis heute versucht sie, das Trauma dieser Entscheidung zu verarbeiten.

Dass das Thema Organspende umstritten ist, zeigen auch die Zahlen. Deutschlandweit sinken die Spendenzahlen seit Jahren. Allein in Sachsen-Anhalt warten fast 400 Menschen auf ein Spenderorgan.

Bis heute bereut Lutz Trümper seine Entscheidung nicht. Nur eines ist ihm klar: Er hätte vorher mit seiner Frau darüber sprechen sollen, wie man bei einem Unfall oder Tod als Partner entscheiden soll.

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Quelle: MDR/as

Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | FAKT IST! | 05. März 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2018, 08:41 Uhr

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6 Kommentare

06.03.2018 15:43 C.T. 6

An den Transplantationen wird zweifellos eine Menge Geld verdient.
Darum ist es das Mindeste, praktisch als Entschädigung, den Hinterbliebenen eines Organspenders sämtliche Kosten für Beisetzung etc. zu erlassen.
Dann, aber auch nur dann, wäre ich persönlich bereit zu spenden.
Ansonsten bleibt es bei dem Motto: Nach mir die Sintflut

06.03.2018 12:39 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 5

@05.03.2018 13:27 Nichtraucher
(Klares "Ja" zur Organspende. An meinem Tod oder dem eines nahestehenden Menschen kann ich in der Regel nichts ändern, aber ich kann mit meiner Unterschrift möglicherweise das Leben eines Menschen verlängern ... - Was gibt es da zu überlegen?)

Für sie vielleicht nichts - für alle, die etwas weiter, als von 12 bis Mittag zu denken imstande sind, jede Menge. Wie es um den politischen Willen zum Lebenserhalt bestellt ist, verrät im übrigen ein zwangloser Blick auf das Verkehrsrecht, das Lebensmittelrecht, das Strafrecht, die Rechtspraxis bei medizinischen Behandlungsfehlern usf.. Auf diese mentalen und ideologischen Grundlagen kann ich ganz sicher verzichten in Sachen Organspende, sonst haben wir gleich morgen einen schwunghaften Handel und Profite aus dem Verwerten von "gespendeten" Organen.

06.03.2018 12:32 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 4

Na, versuchen wir es jetzt auf die Kumpeltour? Solange die Gefahr des Organhandels nicht total ausgeräumt ist, werden auch diese plumpen Versuche scheitern.

Es spricht im übrigen Bände und zwar DICKE Bände, dass Ärzte, Politiker und Verbandsfunktionäre sich mitten in der Verfassungsdemokratie Deutschland für die VERWERTUNG der Organe verstorbener Individuen aussprechen unter expliziter AUSSCHALTUNG von deren AUSDRÜCKLICHER Zustimmung. Das IST Kapitalismus, sprich: Der Verwertungsgedanke in Reinstform. Und mehr muss man zu diesen Kampagnen auch nicht sagen.
Ausser rechtzeitig und unübersehbar zu widersprechen.