Verkehr Ideen gegen Verkehrschaos im Osten von Magdeburg

Eine junge Frau mit grünem Kopftuch steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg

Im Magdeburger Osten ist die Parksituation oft eine Katastrophe. Die beiden großen Sport-Arenen ziehen tausende Gäste an, die Parkflächen jedoch reichen hinten und vorne nicht. Am Donnerstag ist das Thema im Stadtrat. Mit einem Parkleitsystem soll die Verkehrssituation verbessert werden.

Ein Parkleitsystem zeigt freie Parkplätze an
Über Parkleitsysteme soll der Verkehr in "Ostelbien" besser koordiniert werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Becker&Bredel

Zurzeit herrscht Corona-bedingt eine ungewöhnliche Leere und Stille im Osten von Magdeburg, aber die Anwohner kennen ganz andere Zeiten. Dann sind nicht nur singende Fans auf den Rängen der MDCC- und GETEC-Arena, sondern auch jede Menge Verkehr. Das sorgt vor allem an den Wochenenden für Verkehrsbehinderungen und zugeparkte Flächen.

Parkleitsystem als Lösung

Schon seit einiger Zeit wird in der Stadt über Lösungsansätze gesprochen, um die Verkehrssituation östlich der Elbe zu entlasten. Bis September soll das Konzept für ein Parkleitsystem fertiggestellt werden. Am Donnerstag wird das Thema im Stadtrat aufgegriffen. Ziel ist es, den Besucherverkehr bei Großveranstaltungen besser zu koordinieren.

Ein Parkschild
Meistens suchen die Handball- oder Fußballfans nach Parkplätzen in der Nähe der Arenen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Panthermedia

Dabei sollen zuerst die vorhandenen Parkleitsysteme in der Umgebung erweitert werden. Geplant ist, dass über elektronische Anzeigetafeln Informationen über Verkehrseinschränkungen und Straßensperrungen laufen. Außerdem soll darüber auf freie Parkplätze hingewiesen werden. Ein neuer geeigneter Stellplatz sei beispielsweise die ungenutzte Gewerbefläche zwischen Toom-Baumarkt und Paul-Ecke-Straße, hieß es vor der Sitzung des Stadtrates. Mit dem Parkleitsystem könne man den Verkehr dorthin leiten.

Bereits laufende Maßnahmen

Neben dem geplanten Parkleitsystem wird dafür gesorgt, dass neue Stellplätze entstehen. Auf dem Gübser Weg hinter der MDCC-Arena sollen neue Parkplätze gebaut werden. Geplant sind dort zusätzlich 337 neue Stellplätze.

FCM-Fans dürfen außerdem seit Jahren mit ihrem Ticket kostenlos mit Bus und Bahn der MVB zu den Spielen fahren.

Elektronische Anzeige eines Parkleitsystems zeigt null freie Parkplätze
Es gibt zu wenige Parkmöglichkeiten in Ostelbien (Symbolbild). Bildrechte: imago/momentphoto/Killig

Doch beides reicht noch nicht, um das Problem in den ostelbischen Stadtteilen zu lösen. Hinzu kommt, dass viele die Anfahrt mit dem Auto bevorzugen und am liebsten so nah wie möglich am Stadion parken wollen – und das kostenlos. Etliche Seitenstraßen sind deshalb oft zugeparkt. Auf Dauer wird das aber zur Last für Anwohner, weil ihnen die Parkplätze weggenommen werden.

Parkmöglichkeiten in Ostelbien
Ort Angebot Nachfrage
Messegelände ~ 1.700 ~ 400 - 1.100
MDCC-Arena ~ 1.200 ~ 2.100 - 6.000
GETEC-Arena ~ 540 ~ 650 - 1.500

Eine Analyse der Stadtentwicklung zeigt, wie knapp die Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe der MDCC- und GETEC-Arena sind. Die Nachfrage an der MDCC-Arena steigt zeitweise auf 6.000 Parkplätze. Das übersteigt deutlich die momentan vorhandene Kapazität von 1.200 Stellplätzen. Auch an der GETEC-Arena ist die Nachfrage höher als das Angebot. Es gibt 540 Stellplätze. Die Nachfrage bewegt sich zwischen 650 bis 1.500 Stellplätzen.

Eine einfache Lösung scheint nicht in Sicht. Laut Stadtentwicklung muss stattdessen ein ganzes Maßnahmenbündel eingeführt werden. Das Problem lasse sich nicht lösen, wenn der Verkehr einfach auf andere Parkplätze umgeleitet wird. Mehr Parkmöglichkeiten würden nämlich bedeuten, dass auch mehr Autos kämen.

Im Osten Magdeburgs ist nach Ansicht der Anwohner ohnehin schon sehr viele ortsfremder Verkehr unterwegs. Ein Anwohner berichtet, dass er mit mindestens einer Stunde Wartezeit rechnen muss, um nach Hause zu kommen, wenn Fußball- oder Handballspiele sind. "Ich habe meine eigenen Schleichwege, um den Stau zu umfahren. Trotzdem kommt es vor, dass ich bis zu einer Stunde im stockenden Verkehr stehe", erzählt er.

Ärgernis: Knöllchen für Anwohner

Auf der Karte ist zu sehen, in welchen Straßen in 2019 die meisten Knöllchen verteilt wurden.

Ein Anwohner, der in Schichten arbeitet, berichtet, dass er nach seinen Spätschichten meistens keinen freien Parkplatz findet. "Einmal habe ich mein Auto, weil es sonst nichts gab, auf den Bordstein zwischen zwei Bäume gestellt. Dann habe ich sofort ein Strafzettel bekommen." Das sei auch nicht der einzige Strafzettel gewesen, erzählt er. Das geplante Parkleitsystem der Stadtentwicklung sei für ihn schon mal ein guter Ansatz, um Dinge zu verändern.

Ähnlich erlebt es auch eine andere Anwohnerin, die sich als Moni vorstellt. Sie erzählt, dass die Möglichkeiten, während Groß- oder Sportveranstaltungen einen Parkplatz zu finden, sehr schlecht sind. "Gerade wenn Fußballspiele sind, ist es ganz schlimm. Selbst wenn in der Bördelandhalle irgendwelche Großveranstaltungen stattfinden, wird es schwierig mit einem Parkplatz. Dann muss man notgedrungen anders Parken als man darf und kriegt im Endeffekt Knöllchen." Auch sie selbst hat schon mehrere Strafzettel bekommen. "Ich persönlich würde mir von unserer Wohngenossenschaft Parkausweise wünschen, damit kenntlich ist, dass wir Anwohner sind", erzählt Moni. Außerdem sei es eine bessere Lösung, bei Großveranstaltungen die Parkplätze an den Messehallen zu nutzen. "Dann würde man den Anwohnern in den kleinen Straßen die Parkplätze nicht wegnehmen", erzählt sie.

Nicht nur Autofahrer ärgern sich

Betroffen sind von der schlechten Verkehrssituation nicht nur Anwohner mit einem Auto. Auch für Fahrradfahrer, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen gibt es ärgerliche Momente. Die Falschparker blockieren oft Fahrradwege, Ein- und Ausfahrten und Bereiche, in denen Halteverbot gilt. Gerd vom Baur, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt, bezeichnete diese Situation im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT schon vor geraumer Zeit als "puren Egoismus". Den Leuten sei es wichtiger, dass ihr Auto in der Nähe steht und sie weniger laufen müssen, als dass sie ordnungsgemäß parken.

Die folgende Statistik zeigt, mit welcher Begründung 2019 die meisten Knöllchen in Ostelbien verteilt wurden.

Neue Maßnahmen

Im Konzept der Stadtentwicklung für das neue Parkleitsystem soll sowohl das Parkproblem als auch ortsfremder Verkehr aufgegriffen werden. Vorgeschlagen sind bisher unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Großveranstaltungsorte in das Parkleitsystem einbinden
  • Bei Veranstaltungen begrenzte Parktickets, zum Beispiel über ein Online-Ticketsystem, ausgeben
  • Bewohnerparkzonen einrichten
  • Den Verkehr über dynamische Tafeln lenken
  • Temporäre Sperrungen einführen (zum Beispiel am Zuckerbusch), um Schleichverkehr zu vermeiden

Eine junge Frau mit grünem Kopftuch steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg

Über die Autorin Vesile Özcan arbeitet seit April 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist in Augsburg auf die Welt gekommen und in Heilbronn aufgewachsen. Nach Magdeburg kam sie durch ihr Studium im Bereich Journalistik/Medienmanagement.

Nach dem Studium hat sie als Projektleiterin eines interkulturellen TV–Magazins im Offenen Kanal Magdeburg gearbeitet. An ihrer Arbeit fasziniert sie die Gelegenheit, in viele neue Welten eintauchen zu können.

Quelle: MDR/vö

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