Ein Logo in lila mit Schriftzug Volt
Volt gibt es in Sachsen-Anhalt seit noch nicht einmal einem Monat. Bildrechte: Volt Europa

Gründungsmitglied im Interview Neue Partei Volt holt tausende Stimmen

Wenige Wochen vor der Europawahl 2019 war die Partei Volt Deutschland noch gar nicht in Sachsen-Anhalt vertreten. Umso erstaunlicher, dass ihr etwa 5.000 Sachsen-Anhalter zur Europawahl ihre Stimme gaben. Gina Seidel ist Gründungsmitglied von Volt Magdeburg. MDR SACHSEN-ANHALT erklärte sie, was sie an der neuen Partei fasziniert, warum es eher eine europäische Bewegung ist und warum es Volt in Sachsen-Anhalt noch nicht einmal einen Monat gibt.

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Volt gibt es in Sachsen-Anhalt seit noch nicht einmal einem Monat. Bildrechte: Volt Europa

MDR SACHSEN-ANHALT: Warum sind Sie bei Volt Deutschland eingetreten?

Gina Seidel, Gründungsmitglied Volt Magdeburg: Weil Volt die erste Partei ist, mit der ich mich tatsächlich zu 100 Prozent identifizieren kann. Das hat bisher noch keine einzige Partei geschafft, mit der ich mich in den letzten Jahren auseinandergesetzt habe. Volt Deutschland hat mich direkt begeistert und seitdem bin ich dabei.

Volt Europa ist eine Partei, aber auch gleichzeitig eine paneuropäische Bewegung. Was bedeutet das?

Volt Europa gibt es in dem Sinne nicht als Partei, da es noch keine gesamteuropäischen Parteien gibt. Volt Europa kann man eher als eine Bewegung sehen, die versucht, Europa als ein paneuropäisches Konstrukt aufzubauen, in dem alle Länder zusammen arbeiten müssen. Die Parteien selbst sind in den einzelnen Ländern vertreten, zum Beispiel Volt Deutschland oder Volt Frankreich. Die sind bei den Europawahlen angetreten – denn da wird noch unterschieden, weil es nur nationale Parteien gibt.

Paneuropäisch bedeutet im Grunde, dass alle Länder in Europa das gleiche Wahlprogramm bei Volt hatten. Wir verfolgen alle mehrere gemeinsame Ziele, die nicht nur auf nationale Staaten bezogen werden, sondern auf die gesamte EU.

Seit wann gibt es Volt Deutschland in Sachsen-Anhalt schon?

In Sachsen-Anhalt gibt es uns erst seit dem 17. Mai 2019. Da haben wir unser Gründungstreffen mit unseren Mitgliedern von hier gehabt. Insgesamt waren wir acht Menschen. Seitdem sind wir stetig im Aufbau und sind jetzt schon 18.

Eine junge Frau mit Brille und dunklem Haar
Gina Seidel ist Human Resources Lead von Volt Magdeburg und dafür zuständig, neue Mitglieder zu suchen. Sie findet heraus, ob sie zu Volt passen und ob Volt zu ihnen passt – und regelt dann die Parteiaufnahme. Bildrechte: MDR/Tim Magas

Was ist Volt? Die Partei wurde am 29. März 2017 gegründet – durch den Italiener Andrea Venzon, die Französin Colombe Cahen Salvador und den Deutschen Damian Freiherr von Boeselager.

Namentlich steht Volt für Spannung – Spannung, die man in der EU erzeugen will. Thematisch will Volt vor allem für Innovation, Zusammenhalt und Fortschritt stehen.

Die Partei Volt Deutschland wurde 2018 gegründet und ist eine gesamteuropäische Bewegung aus jungen Menschen. Seit 17. Mai 2019 ist sie auch in Sachsen-Anhalt aktiv.

Wie organisieren Sie sich?

In Deutschland haben wir insgesamt eine digitale Community, mit der wir uns vernetzen können. Da gibt es jetzt auch den Ableger Volt Magdeburg. In diesen Gruppen kommunizieren wir über WhatsApp, Telegram und Video-Chat.

Volt Magdeburg gibt es erst seit wenigen Wochen. Sie haben keinen richtigen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt geführt – und für eine kleine Partei viele Stimmen geholt. Wie erklären Sie sich das?

Erstmal war es eine große Überraschung, über die wir uns richtig gefreut haben – dass es so viele europafreundliche und fortschrittliche Menschen in Sachsen-Anhalt gibt. Unser Wahlkampf bestand daraus, dass wir ein paar Flyer verteilt haben, ein kleines Event wenige Tage nach Gründung organisiert haben und das war es auch schon. Ich kann mir den Erfolg so erklären, dass sich viele Menschen nach den letzten Ereignissen informiert haben, da diese Wahl eine Schicksalswahl für Europa war. Dass wir dann so viele Stimmen bekommen haben, freut uns sehr. Ich denke, von einem Sitz im Europaparlament haben wir alle geträumt und wir hoffen, dass unser Abgeordneter ein bisschen was bewegen kann.

Ein Logo in lila mit Schriftzug Volt
Bildrechte: Volt Europa

Volt in Zahlen - Mitglieder europaweit 18.000, in Deutschland 1.300 (Stand: April 2019)

- Europawahl in Sachsen-Anhalt: 4.626 Stimmen und damit 0,5 Prozent

- Insgesamt in Deutschland 0,7 Prozent der Stimmen = 1 Sitz im Europaparlament

Wegen Ihrer Partei musste der Wahl-O-Mat kurzzeitig offline gehen. Was hatte Sie an dem Wahlhelfer gestört?

Das war eine Überzeugungssache für die wir eingetreten sind, weil wir denken: Wenn eine Einrichtung des Bundes kleinere Parteien benachteiligt und das so nicht durch den Rechtsstaat abgedeckt ist, dann sollte man dagegen vorgehen und nicht alles abnicken. Man sollte auch mal laut werden, selbst wenn man nur eine kleine Partei ist. Darum haben wir geklagt, haben Recht bekommen und uns am Ende noch mit der Bundeszentrale für politische Bildung geeinigt. Bei der nächsten Wahl stehen dann mehrere Parteien zur Auswahl, die man mit seinen politischen Vorstellungen abgleichen kann.

Wie geht es jetzt nach den Wahlen für Volt in Magdeburg und auch in Sachsen-Anhalt weiter?

Natürlich versuchen wir uns noch weiter aufzubauen, mehr Mitglieder zu gewinnen und Aktionen zu starten, die abseits vom Wahlkampf etwas bewegen können. Wir wollen bei Fridays for Future mitmachen, wir schließen uns mit anderen Organisationen zusammen, so dass wir versuchen, eine Community aufzubauen, die hier in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt politisch aktiv ist. Daher hoffen wir, dass auch in den anderen größeren Städten in Sachsen-Anhalt einzelne Volt-Gruppen entstehen.

Wir möchten perspektivisch in der Lokalpolitik ankommen. Da ist uns vor allem die Bildung der Jugend sehr wichtig – darunter auch die fehlende Digitalisierung.

Das Interview führte Tim Magas.

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Das Verwaltungsgericht Köln hat den Wahl-O-Mat untersagt. Bildrechte: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Mai 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 08:04 Uhr

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8 Kommentare

05.06.2019 16:22 Eulenspiegel 8

„Paneuropäisch bedeutet im Grunde, dass alle Länder in Europa das gleiche Wahlprogramm bei Volt hatten. Wir verfolgen alle mehrere gemeinsame Ziele, die nicht nur auf nationale Staaten bezogen werden, sondern auf die gesamte EU.“
Also eine wirklich Europäische Partei. Das scheint sehr interessant zu sein.

04.06.2019 22:48 Dirk Soares 7

@S.
Es ging in dem Beitrag um die Europa - Wahl!
Für Ihre Region, gibt es die Regional-Wahl/Kommunalwahl!

04.06.2019 11:10 Ex-Anhaltinerin 6

Danke für die Vorstellung. Bei der Wahl dachte ich noch, die Partei würde gegen das Glühlampenverbot protestieren. Meine, eine pro-europäische Bewegung wird dringend gebraucht. Werde die Entwicklung weiter interessiert verfolgen.

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