Programmmacher Zwischen Weihnachtsbäumen auf Instagram und gierigen Abgeordneten

Daniel Beck hatte sich als Programmmacher beworben, um Einblicke in den Online-Journalismus beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen. Er wollte herausfinden, wie die Berichte über aktuelle Ereignisse in Sachen-Anhalt entstehen und verbreitet werden. Hier erzählt er von seinem Tag.

von Daniel Beck, Programmmacher

Programmmacher Daniel Beck
Diskutieren, Themen besprechen und berichten: Daniel Beck ist als Programmmacher für einen Tag Online-Chef bei MDR SACHSEN-ANHALT. Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Es sind also schon ein paar Jahre vergangenen, seitdem ich das letzte Mal eine Redaktion betreten habe. 2015 als Praktikant beim Bayerischen Fernsehen müsste das gewesen sein. Mein Eindruck beim MDR ist aber gleich positiv, auch wenn ich keine Großraumbüros gewohnt bin. An der Uni arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter häufig für mich allein und ich bin irgendwie auch oft mein eigener Chef. Die Atmosphäre im MDR-Funkhaus ist sehr entspannt und kommunikativ, die Online-Redaktion präsentiert sich mir als junges Team.

Der Online-Chef begrüßt mich gut gelaunt und erklärt mir grob das Gebäude und die Struktur im Großraumbüro. Ich bin erstaunt, wie viele Menschen im Online-Bereich des MDR arbeiten. Zuerst lese ich mir die neuesten Artikel durch und bin vom Morgenticker positiv überrascht. Nach der Lektüre kann man gut informiert in den Tag starten. Hier werde ich in Zukunft wohl öfter mal reinschauen.

Besprechungen und aktuelle Schlagzeilen

Die erste Besprechung beginnt, eine Schalte mit den anderen Studios, die äußerst unspektakulär verläuft. Interessanter wird es beim Meeting mit den Online-Redakteuren. Hier werden die Themen des Tages diskutiert. Ein Aufreger hier ist die Verschiebung der Landtagswahl, die für erhöhte Pensionskosten sorgen würde. Ich werde skeptisch und denke sofort an typische Bildzeitungs-Schlagzeilen über gierige Politiker. Als Programmmacher äußere ich meine Bedenken und werde auch ernst genommen. Ein Redakteur macht sich gleich daran, das genaue Szenario zu recherchieren.

Ein Tag als Online-Chef Programmmacher: So war der Tag von Daniel Beck

Ein Tag als Online-Chef – diese Möglichkeit hatte Daniel Beck als Programmmacher bei MDR SACHSEN-ANHALT. Ein Einblick, was er in seiner neuen Rolle erlebt und gemacht hat.

Programmmacher Daniel Beck
Begrüßung, kurze Erklärung und dann geht es direkt los: Programmmacher Daniel Beck arbeitet als erstes am Morgenticker mit. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Programmmacher Daniel Beck
Begrüßung, kurze Erklärung und dann geht es direkt los: Programmmacher Daniel Beck arbeitet als erstes am Morgenticker mit. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Programmmacher Daniel Beck
Viele Konferenzen stehen für den neuen Online-Chef an. Unter anderem die um 9:30 Uhr, bei der tagesaktuelle Themen und deren Aufbereitung diskutiert werden. Bildrechte: MDR/Gaby Conrad
Programmmacher Daniel Beck
Oder die Planungsrunde, bei der ein genauer Blick auf die kommende Woche und ihre Themen geworfen wird. Planerin Maria Hendrischke (links) stellt vor, was auf der Agenda steht und was Fernsehen und Radio umsetzen wollen. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Programmmacher Daniel Beck
Auch Daniel Beck bringt sich in die Planungsrunde aktiv ein, gibt Hinweise zu Themen und stellt Nachfragen. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Programmmacher Daniel Beck
Es folgen eine Funkhausführung, das Kennenlernen aller Online-Redakteure und ihrer Aufgaben für den Tag. Bevor Daniel Beck seine Chef-Rolle wieder abgeben muss, schreibt er in einem extra Artikel auf, was er so erlebt hat und was er kritisiert. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
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Mit Online-Redakteurin Janine Wohlfahrt führe ich ein reflektiertes Gespräch über den Einfluss von Journalismus, über Klickzahlen und Veränderungen durch Online-Kommunikation. Danach steht eine Planungssitzung an und ich merke einmal wieder, wie schwierig es als Journalist sein kann, jeden Tag neue und interessante Themen zu finden und auch selbst mit Begeisterung bei der Sache zu sein. Fotos von Weihnachtsbäumen und -märkten sind immer schön anzuschauen, klar. Aber möchte ich beruflich ständig Fotos davon machen oder mich bei der Recherche nach immer neuen Themen quälen? Obwohl der MDR gebührenfinanziert ist, werden erstaunlich häufig die Klickzahlen von Artikeln als Maßstab für die Relevanz von Themen herangezogen.

Positive und negative Seiten des Online-Journalismus

Fernsehen, Radio und Online-Redaktion sitzen beim MDR in einem Büro. Außerhalb von Besprechungen macht jede Redaktion nach meiner Beobachtung aber eher ihr Ding. Trotzdem werden Inhalte der einzelnen Bereiche jeweils von anderen genutzt, auch wenn der Transfer zwischen den Bereichen manchmal schwer fällt. Der MDR wirkt auf mich im Online-Bereich erstaunlich gut aufgestellt und die Mitarbeiter sind fokussiert. Positiv fielen mir dabei auch die Social Media-Kanäle auf, wie etwa die mdrklärt-Rubrik. Aber ich realisiere, dass beispielsweise das Editieren von Videos für Instagram sehr zeitraubend ist und letztendlich nur wenige Informationen transportiert werden können. Auch die Pflege und Moderation der sozialen Medien sind sehr zeitintensiv.

Nach einem Tag als Programmmacher nehme ich als Fazit mit, dass die Arbeit beim MDR Spaß machen kann und die Redakteure sich viele Gedanken machen. Vom Ereignis bis zur Berichterstattung kann es ein weiter und zeitraubender Weg sein, in dem viel Kommunikation und Koordination notwendig sind und bei dem letztendlich jedes geschriebene Wort sitzen muss.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. November 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 17:32 Uhr

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