Eine Frau sitzt an Bord eines Bootes und hält eine Fackel in die Luft. Hinter ihr folgen mehrere andere Sportboote.
Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Kirchentag auf dem Weg Magdeburger Elbe wird zur Theaterbühne

Wie war das Leben in Magdeburg zur Reformationszeit? Darum ging es am Freitagabend in einem Theaterstück beim "Kirchentag auf dem Weg" an und auf der Elbe. Höhepunkt dabei war eine Schiffsprozession. MDR SACHSEN-ANHALT hat eines der Boote begleitet.

von Kalina Bunk, MDR SACHSEN-ANHALT

Eine Frau sitzt an Bord eines Bootes und hält eine Fackel in die Luft. Hinter ihr folgen mehrere andere Sportboote.
Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Im Becken des Magdeburger Wissenschaftshafens ist schon längst keine Sonne mehr zu sehen. Gegen 20:30 Uhr liegt das Hafenbecken an diesem Freitagabend bereits komplett im Schatten. Doch eine Stelle glänzt hier noch immer ganz besonders: die Padua, das Schiff von Heiko Mannel. Das Weiß strahlt, die bunte Lichterkette ist bereits an und die Sitzbänke oben auf dem kleinen Außendeck sind schon gut gefüllt. Schließlich soll es gleich losgehen, vom Wissenschaftshafen rauf auf die Elbe und dann weiter in Richtung Petriförder.

Padua gibt das Kommando an

Die Padua ist heute das Kommandoboot für die Schiffsprozession zum "Kirchentag auf den Weg" in Magdeburg, sie ist das Anführerboot. An Bord muss dafür gesorgt werden, dass bei der Prozession der knapp 20 Motorboote und kleinen Schiffe alles glatt geht. Denn die Schiffsshow ist das große Finale einer Theaterperformance direkt an der Elbe.

Ein Mann steht vor seinem Boot im Wissenschaftshafen in Magdeburg.
Heiko Mannel hat seine Padua im Jahr 2007 gekauft und sie umgebaut. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Seit zwei Jahren steht dieser Termin schon im Kalender von Heiko Mannel. Damals wurde er vom Organisationsverein für das diesjährige Reformationsjubiläum angefragt – und hat eingewilligt. "Ist ja schon spannend", sagt er. Dass diese Veranstaltung mit dem Kirchentag verbunden ist, steht für ihn allerdings nicht im Vordergrund. Denn mit Kirche hat der 51-jährige Magdeburger nicht viel am Hut. Mit Booten dafür umso mehr. Vor zehn Jahren hat er die Padua gekauft, damals noch ein altes Zollboot. Inzwischen ist das Schiff umgebaut und wird genutzt für Chartertouren in und um Magdeburg. Für Mannel sind diese Fahrten ein guter Ausgleich für die sonst hektische Realität.

Das Motorbootfahren ist beruhigend, macht froh. Auf dem Wasser ist die Zeitrechnung anders.

Bootsbesitzer Heiko Mannel

Prozession ist nicht einfach

Mehrere Skipperboote schwimmen hintereinander auf der Elbe in Magdeburg
Am Mittag sind die Boote schon einmal die Prozessionsroute abgefahren, um das Zusammenspiel zu üben. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Die Vorbereitungen für die Prozession haben an diesem Tag schon früh begonnen. Gegen Mittag stand eine Generalprobe für die Schiffe an. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Schiffe zu koordinieren, war dabei nicht einfach, erzählt Mannel. Außerdem sei die Strömung zum Teil stark.

Gegen 21:15 Uhr geht der wichtige Teil des Abends los. Die Padua fährt einige Meter vor – das Zeichen für die anderen Schiffe, dass es bald richtig losgeht. Es folgt ein kurzer Schockmoment: ein wichtiges Funkgerät fehlt. Doch alles liegt noch gut im Zeitplan, ein anderes Schiff fährt vor und bringt nach knapp 15 Minuten die fehlende Technik. Die ersten Biere zischen.

Bekannte Gäste an Bord

Am Steuer sitzt am Anfang der Fahrt Mannels Angestellter Sören Lerbs. Er erzählt fast nebenbei, dass die Padua auch schon mal im Fernsehen zu sehen war. Teile einer Folge der ARD-Serie "Polizeiruf 110" wurden auf dem Boot gedreht. Und auch einige bekannte Persönlichkeiten waren schon mit an Bord, darunter Ex-Handball Profi Stefan Kretzschmar, Grünen-Politiker Jürgen Trittin oder auch Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper.

Und fast wäre auch der jetzige Bundespräsident auf der Padua unterwegs gewesen. Doch damals, im Sommer 2015, war das Schiff in Hohenwarthe liegen geblieben. Der Wasserstand war einfach zu niedrig. Vier bis sechs Wochen lag das Schiff damals dort. Der Termin mit Steinmeier platzte.

Eine Frau sitzt an Bord eines Bootes und hält eine Fackel in die Luft. Hinter ihr folgen mehrere andere Sportboote.
Das Kommandoboot fährt während der ganzen Prozession vorn. Während der Fahrt werden schon mal die Fackeln ausgetestet. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Inzwischen ist es 22:00 Uhr, die Padua ist auf der Elbe angekommen und nimmt mehr Tempo auf. Die anderen Boote folgen nach und nach. Es ist schon fast komplett dunkel geworden, die bunten Lichter an den Schiffen leuchten. Doch passt das Timing? Da die Theater-Performance mit dem Eintreffen der Boote gegen 22.30 Uhr endet, muss alles ablaufen wie geplant.

Das Theaterstück an Land ist ein Blick zurück in die Vergangenheit. In "Unseres Herrgotts Kanzlei" geht es um Magdeburg zu Luthers Zeiten. Mehr als 200 Darsteller zeigen am Petriförder und auf der gegenüberliegenden Uferseite die Geschichte der Reformation in der Stadt. Durch das Stück führen die Stimmen von Schauspielerin Veronica Ferres und Oberbürgermeister Lutz Trümper.

Boote kommen in die zeitliche Bredouille

Die Passagiere auf der Padua bekommen davon allerdings wenig mit. Sie zünden nach und nach die Fackeln an, die sie bei der Einfahrt vor der Theaterbühne in die Höhe halten werden. Ab und zu sieht man die Lichteffekte, die zur Show an Land gehören. Feuer flammt auf und wieder ab.

Inzwischen fährt Mannel sein Schiff selbst. Die Padua bewegt sich im schnellen Schritttempo vorwärts. Es ist 22:24 Uhr – und langsam wird es ernst. Immer wieder tauschen sich die Organisatoren an Bord mit den Verantwortlichen für das Theaterstück an Land aus. Je nachdem, wie schnell die Schiffe in Richtung Bühne fahren, kann auch die Theaterperformance abgekürzt oder etwas in die Länge gezogen werden. Das Problem: Weil es so dunkel ist, ist die Distanz nur schwer abschätzbar. Die Bootskolonne war zwischenzeitlich zu langsam unterwegs, hat inzwischen aber Zeit aufgeholt.

22:28 Uhr: "Jetzt können wir eh nichts mehr ändern."

Kanuboote fahren auf der Elbe in Magdeburg entlang.
Einige Stunden zuvor hatte es bereits eine andere kleine Prozession gegeben. Diesmal aber mit Muskelkraft: 18 Kanus fuhren am Petriförder vorbei. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Wenige Minuten später ist es so weit: Die Blicke der Menschen an Land sind auf die Padua gerichtet. Als erstes Schiff fährt sie an der Bühne vorbei. Doch dahinter kommt… erstmal nichts. Das zweite Boot hat den Anschluss ein wenig verloren, da plötzlich ein schlecht beleuchtetes Segelboot auf der Elbe aufgetaucht ist. Doch kurze Zeit später fahren zumindest die folgenden Schiffe alle hintereinander weg an der Bühne vorbei. Das Publikum winkt. Und applaudiert.

Und während die letzten der gut 20 Schiffe langsam an der Bühne entlangfahren, ist die Padua schon auf dem Weg zurück in den Wissenschaftshafen. An Bord sind sich alle einig: Trotz der kleinen Panne war die Schiffsprozession schön, hat Spaß gemacht. Für Kapitän Mannel geht es schon am nächsten Tag schon wieder auf die Elbe. Dann steht für ihn und seine Padua die nächste Chartertour an.

Schiffstreffen zum Kirchentag Das Schiffstreffen klingt am Samstag mit einem bunten Hafenfest am Magdeburger Wissenschaftshafen aus. Dort singen Chöre Shanties, es gibt altes Seemannshandwerk, eine Lesung und ein Gespräch zur Zukunft der Elbe.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ kb

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2017, 12:12 Uhr

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5 Kommentare

28.05.2017 12:57 So ist es? So wäre es. 5

@27.05.2017 11:54 Tim Buktu ("Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache." (Hajo Friedrichs)

Man kann das nicht oft genug zitieren.

28.05.2017 12:54 Beachten Sie den Einfluß der Kirchen in den Rundfunkräten 4

@27.05.2017 11:01 Tim Buktu (1 Mal abgesehen davon, daß mich die penetrante Werbung des MDR für die Kirche maßlos nervt:)

Beachten Sie in diesem Zusammenhang den politischen Einfluß der Kirchen in den Rundfunkräten und die Folgen dieses Einflusses.
Die (auch) auf diesem Kirchentag verbreiteten Botschaften sind denn auch eher sprachpeinliches Marketing, als Berichterstattung. Wie soll man auch über etwas berichten, das es nicht gibt.

Politisch fällt auf, dass die Kirche versuchen, "Profit" - in jedem Sinne des Wortes - aus der Flüchtlingspolitik zu schlagen. Und da hört der Spaß auch so langsam auf und das genaue Hinsehen sollte beginnen.

27.05.2017 11:54 Tim Buktu @MDR 3

Ja. Dieser eine Artikel ist eine löbliche Ausnahme. Haben Sie mal die Verhältnisse ermittelt zwischen Ihren von meinen Gebühren bezahlten Kirchentagsartikeln, die penetrant werben, die neutral sind und die kritisch sind? Machen Sie sich ruhig mal den Spaß.

"Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache." (Hajo Friedrichs)