Teilnehmer des Runden Tischs "Gegen Gewalt im Fußball" sitzen zusammen.
Teilnehmer des 10. Runden Tischs sitzen in Magdeburg zusammen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

10. Runder Tisch "Gegen Gewalt beim Fußball" Grundsätzliches Umdenken in den Fanszenen gefordert

Teilnehmer des Runden Tischs "Gegen Gewalt im Fußball" sitzen zusammen.
Teilnehmer des 10. Runden Tischs sitzen in Magdeburg zusammen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Runde Tisch "Gegen Gewalt beim Fußball" hat zum Tod des FCM-Fans Hannes eine Erklärung verabschiedet. Darin heißt es: "Der Tod eines jungen Menschen und Fans des 1. FC Magdeburg macht uns tief betroffen. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt der Familie von Hannes S. und seinen Freunden."

Es sei in dieser Situation der richtige Weg, besonnen zu reagieren. Man begrüße sowohl den entsprechenden Aufruf der Magdeburger Ultras, als auch die gezeigte Anteilnahme der Fanszene des Halleschen FC. Der tragische Tod von Hannes zeige, dass Gewalt nichts mit Fankultur zu tun hat. In den Fanszenen sei ein grundsätzliches Umdenken notwendig. Diesen Prozess gelte es zu unterstützen.

Treffen der Fans unter Ausschluss der Öffentlichkeit

So soll in den nächsten Tagen noch intensiver miteinander geredet werden - vor allem vor dem anstehenden Derby von FCM und HFC in Magdeburg am 26. November. MDR SACHSEN-ANHALT erfuhr am Rande des Runden Tisches, dass sich führende Fanvertreter beider Vereine noch vor dem Derby im November unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen wollen.

Auch der Fußballverband will beide Vereine am 13. November erneut an einen Tisch holen, um über die Sicherheitslage vor dem Spiel zu sprechen.

"Auslöser muss aus den Szenen kommen"

Martin Seip, Psychologe der Universität Kassel, beim 10. Runden Tisch "Gegen Gewalt im Fußball".
Seip: "Das erste Gebot der Stunde ist, für Kontakt zu sorgen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Psychologe Martin Seip von der Universität Kassel stellte beim Runden Tisch den Stand einer "Fußball-Fan-Studie" zum Thema "Selbstregulationskompetenz von Fußballfans" vor. Er betonte: "Das erste Gebot der Stunde ist, für Kontakt zu sorgen, die Beteiligten in einen Austausch zu führen.“ In der professionellen Fanarbeit von sozialpädagogischen Projekten oder durch die Fanbeauftragten der Vereine sehe er eine große Chance, diesen Austausch wirklich zu begleiten. Der Auslöser müsse aber aus den Szenen kommen.

Todesumstände noch vor dem Spiel aufklären

Innenminister Holger Stahlknecht äußerte seine Hoffnung, dass die Umstände des Todes des FCM-Fans Hannes noch vor dem Spiel beider Mannschaften aufgeklärt werden. Außerdem forderte er, dass der Staat für gewaltbereite Fans fühlbar werden müsse. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Interview: "Die Justiz muss auch mal frühzeitig Freiheitsstrafen aussprechen ohne Bewährung, damit klar ist: Hier ist Ende." Die übliche Praxis, zuerst Geldstrafen und dann Bewährungsstrafen zu verhängen, würden gewaltbereite Menschen nicht ernst nehmen.

Zu den Teilnehmern des Rundes Tisches zählen Vertreter des Innenministeriums, des Sozialministeriums, der Fanprojekte sowie des 1. FC Magdeburg und des Halleschen FC. Das Innenministerium lädt dazu seit 2012 halbjährlich ein.

Der FCM-Fan Hannes S. war Anfang Oktober in Haldensleben aus einer Regionalbahn gestürzt. Zuvor soll er von HFC-Fans bedroht worden sein. Die genauen Hintergründe sind unklar.

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 17:55 Uhr

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9 Kommentare

21.10.2016 21:36 Bernd 9

@Raul, was Harald geschrieben hat, ist doch gar nicht so aus der Luft gegriffen. Tote beim Fußball haben in England zum Umdenken geführt. Der Taylor Report brachte dann ähnliche Vorschläge die dann umgesetzt wurden und zu den sog. englischen Verhältnissen führten. Will man diese in deutschen Stadien nicht, dann darf so etwas wie mit Hannes nicht noch öfter passieren.

21.10.2016 16:57 Frank 8

Gewalt ist schlimm und jedes Opfer ist eins zu viel! Wieso berichtet der MDR aber so ausführlich über Hannes und geht nicht auf andere Verbrechen im Fußballumfeld ein, die fast monatlich passieren? So steht aktuell z.B. der Dynamo-Fan Michael wegen versuchten Todschlags an der Aue-Fan Toni vor dem Zwickauer Landgericht, alles passiert am Pfingstsonntag. Es gibt da noch viele andere Vorfälle die in den überregionalen Medien einschl. MDR verschwiegen werden.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Die von Ihnen genannten Vorfälle stammen aus Sachsen. Sie kommentieren hier aber beim MDR SACHSEN-ANHALT. Zu den Beweggründen der Kollegen können wir nichts sagen.

21.10.2016 15:15 Endvierziger 7

Es wir d sich in diesem Staat mit einer falsch verstandenen Demokratie nichts ändern.Das war nur der Anfang.Es wird viel zu human mit Tätern umgegangen und das wissen diese.....