Besuch in russischen Lebensmittelladen Wie ein Mann ein Stück Russland nach Magdeburg bringt

Die Ostdeutschen haben zu Russland eine besondere Beziehung – und zwar durch die gemeinsame Vergangenheit zu Zeiten der DDR und Sowjetunion. Ein Besuch und Austausch im russischen Lebensmittelladen in Magdeburg.

Wladimir Schneider, Besitzer eines russischen Lebensmittelladens in Magdeburg
Wladimir Schneider kam 1995 von Russland nach Deutschland. Ihm gehört ein Lebensmittelgeschäft in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Wladimir Schneider steht in seinem Lebensmittelgeschäft und räumt die neue Ware ein. Neue Getränkeflaschen sind es, die ins Kühlregal einsortiert werden müssen. Der Laden in der Magdeburger Neustadt gehört dem gebürtigen Russen – er ist stolz darauf, was er sich aufgebaut hat: "Für Selbstständige in der Lebensmittel-Branche ist es echt schwierig. Du bekommst von der Bank nicht so gerne einen Kredit dafür. Aber ich habe es ohne Kredit geschafft."

Als Spätaussiedler nach Deutschland

Es ist 1995, als Wladimir Schneider als Spätaussiedler von Russland nach Deutschland kommt. Zunächst arbeitet er als Landvermesser bis Stellen gestrichen werden und er seinen Job verliert. Dann trifft er die Entscheidung, sich selbstständig zu machen. Seitdem gibt es seinen russischen Lebensmittelladen, für den er sich jeden Tag aufs Neue ins Zeug legen muss: "Wenn es einen Tag super läuft, musst du am nächsten Tag weiterkämpfen", sagt er.

Die Geschichte von Russland und Sachsen-Anhalt

Und so schafft er es, ein Stück Russland nach Magdeburg zu bringen. Etwa 20 Prozent seiner Kunden seien Deutsche, 80 Prozent hätten Wurzeln in Russland oder in einem anderen Land der ehemaligen Sowjetstaaten, so der Ladeninhaber. Dabei haben Russland und Ostdeutschland bereits eine langjährige, gemeinsame Geschichte, die auf dem Papier als "deutsch-sowjetische Freundschaft" zu Zeiten der DDR und Sowjetunion bezeichnet wurde. Und sich auch im Alltag der Sachsen-Anhalter damals widerspiegelte: Russisch im Unterricht, Präsenz der sowjetischen Truppen, Freundschaftstreffen von deutschen und sowjetischen Schülern. Was ist von dieser gemeinsamen Vergangenheit geblieben?

Elena Herrmann, die an diesem Tag in den Magdeburger Laden kommt, ist Russin und beschreibt die Situation so: "Die Ostdeutschen sind der russischen Mentalität ähnlicher. Sie sind offener." Für sie mache es einen Unterschied, ob die Menschen aus Ost- oder Westdeutschland kommen, da sie dementsprechend eine andere Einstellung und Beziehung zu Russland hätten.

Ostdeutsche für Annäherung an Russland

Diese Einschätzung von Elena Herrmann wird auch in Statistiken deutlich: Laut einer Civey-Umfrage sind 72 Prozent der Befragten aus Ostdeutschland für eine Annäherung an Russland. In den westdeutschen Bundesländern sind es nur 54 Prozent. Außerdem ist der Umgang mit Russland auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ein großer Diskussionspunkt. Die Sanktionen, die gegen das Land verhängt wurden, finden 54 Prozent der Ostdeutschen falsch, in Westdeutschland sind es 32 Prozent.

Diskussionen über die aktuelle Situation von Russland und Deutschland, Themen, wie der Giftanschlag auf Kremlkritiker Alexej Nawalny oder Kritik an der Gas-Pipeline Nord Stream 2 – die müsste es doch auch im Laden von Wladimir Schneider geben, oder? Nein, sagt der gebürtige Russe. Über politische Themen werde dort nur selten geredet. Allerdings verfolge er die Diskussionen in den Medien und wie Russland dort dargestellt wird. Und das gefalle ihm nicht immer: "Das im Fernsehen zu sehen, ist eine Sache. Aber, wenn du dort lebst, bekommst du ein ganz anderes Gefühl."

Wie es um die deutsch-russische Beziehung steht, wird am Montagabend in der MDR-Fernsehsendung "FAKT IST!" diskutiert. Unter der Überschrift "Russland: Freund oder Feind? Die Ostdeutschen und die Russen" wird sich unter anderem Diplomat Rüdiger von Fritsch äußern, der früher als Botschafter in Moskau gearbeitet hat. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT vorab: "Ich denke, dass jeder, der mit einem anderen Land Erfahrungen hat, einen anderen Blick auf dieses hat." Deshalb würden die Sachsen-Anhalter Russland auch besser kennen, in den westdeutschen Bundesländern sei das beispielsweise Frankreich. Allerdings mahnt er gleichzeitig: "Wir dürfen "kennen" aber nicht verwechseln mit "alles billigen, was anderenorts passiert."

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Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR FAKT IST! | 23. November 2020 | 22:10 Uhr

2 Kommentare

Magdeburg vor 8 Wochen

Mit Russland habe ich kein Problem. Sanktionen gegen dieses Land betrachte ich immer als absolut falsch. Ich glaube der Westen und besonders die Amerikaner brauchen Feinde. Statts Freundschaften zu schließen verbreitet man lieber Angst. Das ist besser fürs Geschäft. Da es in Amerika extrem nur ums Geschäft geht ist Frieden keine Option. Damit lässt sich nichts verdienen. Und für Amerika bist nur ein Freund wenn Du alles machst was Sie von Dir verlangen. Ich kann mich noch erinnern das sogar Merkel abgehört wurde von den Amerikanern und man betrachte das wir angeblich deren Freunde sind. Die leiden da glaube ich unter Verfolgungswahn in dem Land. Da kaufe ich doch lieber Klopapier als Waffen, Waffen, Waffen...

Eulenspiegel vor 8 Wochen

Also ich würde gern mal die Russische Küche kennenlernen. Ein gutes Russisches Restorang würde mich neugierig machen.

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