Nordharzautobahn Schaden an A36 durch Hitze entstanden

Die abgesenkte Stelle auf der A36 bei Nachterstedt im Salzlandkreis ist durch Hitze entstanden. Mutmaßungen, die Nähe zum Concordia See sei schuld, wies der Chef der Landesstraßenbaubehörde zurück. Auf dem betroffenen Abschnitt gilt bis auf Weiteres ein Tempolimit. Experten haben die Arbeit aufgenommen.

Markierter Schaden auf Fahrbahn
Der Schaden an der A36 ist ein "typischer Hitzeschaden", sagt Uwe Langkammer von der Landesstraßenbaubehörde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Fahrbahnschaden an der Autobahn 36 bei Nachterstedt ist durch Hitze entstanden. Das sagte der Präsident der Landesstraßenbaubehörde, Uwe Langkammer, MDR SACHSEN-ANHALT. Demnach hat die Sonne die Fahrbahndecke so aufgeheizt, dass der darunterliegende Beton durch die entstandenen Spannungen Schaden genommen hat.

Das habe nichts mit dem Untergrund der Fahrbahn oder der Nähe zum Concordia See zu tun. Vielmehr handele es sich um einen Hitzeaufbruch, da die Fahrbahn damals auf Beton gebaut wurde, so Langkammer. Auch der Verschleiß sei schuld, nachdem die Strecke knapp 20 Jahre im Betrieb ist.

Es hat weder etwas mit dem Untergrund noch mit seinerzeitigen Erdbewegungen am Concordia See – der übrigens mehrere Kilometer davon entfernt ist – zu tun.

Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde

Hohlraum zwischen Hoym und Quedlinburg

Der Schaden an der Fahrbahn war am Sonntag festgestellt worden. Dabei handelt es sich um eine abgesenkte Stelle bzw. einen Hohlraum zwischen den Anschlussstellen Hoym-Nachterstedt und Quedlinburg-Ost. Laut Langkammer haben Polizei und Experten der Landesstraßenbaubehörde sofort erste Sicherheitsmaßnahmen ergriffen.

Tempolimit – eventuell langfristig

Autos fahren an Fahrbahnsperrung vorbei
Einspurig und mit Tempolimit geht es zurzeit Richtung Braunschweig voran. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Demnach wurde der kritische Teil abgesperrt und die Geschwindigkeit deutlich reduziert. Wegen der Reparaturarbeiten werde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 120 Stundenkilometer noch für mindestens eine Woche gelten, so Langkammer. Er könne allerdings auch nicht ausschließen, dass das Tempolimit noch länger andauern werde.

Wie das Verkehrsministerium MDR SACHSEN-ANHALT unterdessen bestätigte, untersuchen seit Dienstag Experten den betroffenen Bereich.

Erdrutsch am Concordia See

Im Jahr 2009 war es in Nachterstedt im Salzlandkreis zu einem Erdrutsch am Concordia See gekommen. Drei Menschen wurden dabei in die Tiefe gerissen und starben. Mehrere Häuser stürzten ebenfalls ab. Seitdem laufen rund um den See Sicherungsarbeiten.

Der rund 350 Hektar große See ist nach Angaben der Stadt Seenland zurzeit für jegliche touristische Nutzung gesperrt. Noch im Juni dieses Jahres soll laut Wirtschaftsministerium in Magdeburg darüber entschieden werden, ob der gesperrte Concordia See teilweise wieder freigegeben werden kann.

Der See war nach 1990 aus einem früheren Braunkohletagebau entstanden, indem das riesige Loch geflutet wurde. Nach Angaben des Bergbausanierers LMBV ist die Sanierung am Concordia See weiter fortgeschritten. Nach dem Erdrutsch 2009 waren dort 2016 weitere Erdmassen ins Rutschen gekommen. Der Fahrer eines Baufahrzeugs konnte sich retten.

Zehn Jahre danach Bilder: Das Drama von Nachterstedt – und wie es weiter ging

Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
18. Juli 2009
In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen. Drei Menschen werden vermisst.
Bildrechte: IMAGO
Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
18. Juli 2009
In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen. Drei Menschen werden vermisst.
Bildrechte: IMAGO
Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß des Erdrutsches 2009 am Concordiasee in Nachterstedt.
19. Juli 2009
Die Einwohner können für kurze Zeit in ihre Wohnungen zurück. Sie holen wichtige Gegenstände, ehe sie wieder in Ferienwohnungen oder bei Bekannten unterkommen.
Bildrechte: dpa
Gedenktafel des Unglücks 2009 am Seezugang
20. Juli 2009
Die Suche nach den drei Verschütten im Alter von 48, 50 und 51 Jahren wird eingestellt. Es ist technisch nichts mehr zu machen, zudem sind die Einsatzkräfte in Gefahr. Die Abbruchstelle gilt als einsturzgefährdet.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Absperrzaun mit Schild: Betreten verboten
21. und 22. Juli 2009
Die Bergbaubehörde des Landes Sachsen-Anhalt gibt bekannt, dass das Unglücksgebiet vermutlich nie wieder bewohnt werden wird. Die Sicherheitsvorkehrungen um den Concordia See werden verstärkt, weil neue Abbrüche drohen. Zufahrtsstraßen und Wege zu dem 350 Hektar großen See werden mit Bauzäunen und Erdwällen versperrt.
Bildrechte: MDR/Anja Schlender
Ein Abrissbagger reißt in Nachterstedt ein Haus ab
31. März 2013
Der Abriss der Siedlung "Am Ring" beginnt. Zwölf Doppelhaushälften, ein Einfamilienhaus und 48 Nebengebäude müssen weichen. Das Gelände ist bis heute abgesperrt.
Bildrechte: Jens Schlueter/dapd
Dietmar Onnasch und Matthias Siewert (LMBV) stehen mit Lydia Jakobi (MDR INFO) am Concoridasee bei Nachterstedt.
9. Juli 2013
Zwei Gutachten zu den Ursachen des Erdrutsches werden vorgestellt. Beide besagen, dass hoher Druck in Grundwasserschichten unterhalb des Kohleflözes Hauptauslöser des Unglücks war. Ein Gutachter geht davon aus, dass ein Mini-Erdbeben das Unglück mit auslöste. Der Concordia-See bleibt weiter gesperrt.
Bildrechte: MDR/Sven Nowak
Der Concordiasee von oben
23. Februar 2016
Die Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen zu dem Erdrutsch ein. Der Verdacht einer fahrlässigen Tötung habe sich nicht erhärtet. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Verletzung der Sorgfaltspflicht bei der Errichtung oder Pflege der abgerutschten Böschung.  
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
An der Abbruchstelle am See steht ein Bagger.
28. Juni 2016
Das Erdreich gerät an einem noch nicht sanierten Teil der Böschung wieder in Bewegung. Zwei schwere Baugeräte rutschen ab, ein Arbeiter kann sich mit leichten Verletzungen retten. Laut Bergamt sind die beiden Vorfälle nicht miteinander vergleichbar. Während bei dem ersten Unglück ganze Häuser abrutschten, habe es sich beim zweiten Fall um die Folge von Rüttel- und Verdichtungsarbeiten gehandelt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer
28. Juni 2017
Ein Jahr nach einem weiteren Erdrutsch in Nachterstedt ist die Aussicht auf touristische Nutzung des Concordia-Sees weiter ungewiss. Bergbausanierer LMBV und das Landesbergamt haben sich aus Sicherheitsgründen gegen eine Freigabe für einen Teil des Sees entschieden. Sie war für dieses Jahr geplant. Die Bürgermeisterin der Stadt Seeland, Heidrun Meyer, ist enttäuscht. Sie sagt, das Seeland-Projekt sei wichtig für die Region. Die Ungewissheit darüber, wann der See genutzt werden kann, sei zermürbend.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der Concordia See.
18.07.2018
Neun Jahre nach dem Unglück von Nachterstedt: Noch immer warten Anwohner und Unternehmer auf eine Teilfreigabe des Concordia Sees. Die Sanierung des ehemaligen Tagebaus dauert an.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Juli 2018 | 09:10 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: Uwe Siegismund
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Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
18. Juli 2009
In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen.
Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 16:20 Uhr

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6 Kommentare

12.06.2019 19:44 Nordharzer 6

@4 Nachdenker, das ist ganz einfach zu beantworten. Im Gegensatz zu uns hat Dubai eine viel geringere Temperaturdifferenz zu bewältigen, was noch entscheidender ist: es gibt keinen Frost. Dieser Spagat, die Straßen sowohl bei - 30°, als auch bei +40° betriebsfähig zu halten, ist das eigentliche Problem.

12.06.2019 16:38 Leser 5

Wir können ins Weltall fliegen, aber ordentliche Straßen bzw Belag schaffen wir in der Forschung nicht. Nun ja, wirtschaftlich sicher so gewollt.

12.06.2019 00:26 Nachdenker 4

In Dubai herrschen monatelang Temperaturen weit über 30 Grad und die Infrastruktur insbesondere die Straßen sind weder kaputt noch ein Flickenteppich - komplett glatt und eben. Und in Deutschland ist auch das alles nicht möglich? Unglaublich!