Unbefristeter Arbeitskampf hat begonnen Ameos-Mitarbeiter streiken – Geschäftsführer muss gehen

Wechsel in der Geschäftsführung des privaten Klinikbetreibers Ameos: Der Regionalgeschäftsführer Ost, Lars Timm, ist nicht mehr im Amt. Unterdessen haben an den Ameos-Standorten am Montagmorgen unbefristete Streiks begonnen.

Mitarbeiter der Ameos-Klinik Aschersleben im Streik.
Ameos-Mitarbeiter haben am Montagmorgen ihre Arbeit auf unbestimmte Zeit niedergelegt. Bildrechte: MDR/ Rainer Knoblauch

Der bisherige Ameos-Regionalgeschäftsführer Ost, Lars Timm, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Das bestätigte der Klinikbetreiber MDR SACHSEN-ANHALT am Montag. Neuer Regionalgeschäftsführer ist demnach Frank-Ulrich Wiener.

Die von Timm angestoßene Diskussion zur möglichen Schließung von Kliniken in Sachsen-Anhalt entspreche weder den Zielen noch der Unternehmensphilosophie, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der private Klinikbetreiber sei vor acht Jahren angetreten, um die regionale Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt zu sichern. Nach Informationen der "Volksstimme" soll die Trennung allerdings von Timm selbst ausgegangen sein.

Streik auf unbestimmte Zeit

Lars Timm, Regionalgeschäftsführer AMEOS Ost
Ameos-Regionalgeschäftsführer Ost, Lars Timm, hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt haben am Montagmorgen Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal mehrerer Ameos-Kliniken ihre Arbeit auf unbestimmte Zeit niedergelegt. Aufgerufen zu dem unbefristeten Streik hatten die Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund. Verdi hat sich nach eigenen Angaben auf 15 Wochen Arbeitskampf vorbereitet.

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag, Ameos lehnt das jedoch ab. Der private Klinikbetreiber sieht in Tariflöhnen eine Gefahr für den Fortbestand der Krankenhäuser. Die Streiks betreffen die Standorte Aschersleben, Staßfurt, Schönebeck, Bernburg und Haldensleben.

Notfallversorgung ist gesichert

Jens Uhlig von der Gewerkschaft Verdi war am Montag am Standort in Bernburg, wo etwa Ärzte und Ärztinnen sowie Pfleger und Krankenschwestern im Ausstand sind. Uhlig sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Kolleginnen und Kollegen wünschten sich, dass sich der Arbeitgeber mit der Gewerkschaft an einen Tisch setze und über einen Tarifvertrag spreche. Der Lohn stagniere seit Jahren. Die Beschäftigten verdienten zum Teil bis zu 1.000 Euro weniger als in Kliniken im Umland.

Die Notfallversorgung an den bestreikten Standorten ist den Angaben zufolge gesichert. Patienten müssen sich aber darauf einstellen, dass geplante Operationen verschoben werden.

Warnstreiks seit November

Wegen des Tariftstreits hatte es an den Ameos-Standorten in Sachsen-Anhalt seit November immer wieder Warnstreiks geben. Kurz vor Weihnachten hatte das Unternehmen 20 Beschäftigten fristlos gekündigt. Der Klinikbetreiber nannte Kostensenkungen als Grund.

Eine Gruppe streikender Menschen in gelben Warnwesten mit Schildern und Ver.di-Fahnen in den Händen.
Am Standort Bernburg sind nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT 80 Ärzte und Ärztinnen sowie Pfleger und Krankenschwestern im Ausstand. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

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In den Ameos-Kliniken hält der Tarifstreit an. Bildrechte: imago/Olaf Wagner

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Januar 2020 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 12:35 Uhr

8 Kommentare

ElBuffo vor 3 Wochen

Ja, im Grunde die gleichen. Dann noch die Frage, wie die anderen das bei gleicher Arbeitsleistung refinanzieren. Sind das die Kliniken, die sich jede einzelne auf bestimmte Gebiete spezialisiert haben und wo noch zwei Standorte geschlossen werden? Wieviele Leute haben da insgesamt von 10 Jahren und heute gearbeitet?

August vor 3 Wochen

Die Sache macht Sinn. Wenn man weiter expandieren will und Insolvente Krankenhäuser kaufen möchte kann mann nicht um die Streikenden einzuschüchtern damit drohen Kliniken dicht zu Machen.

ottovonG vor 3 Wochen

Ein paar Seiten weiter wird dann schwandroniert wie gut Sacshen Anhalt doch auf das Coronavirus aus China vorbereitet sei. Alles Augenwischerei. Das System geht jetzt schon auf dem Zahnfleisch und könnte gar keine große Mehrbelastung stemmen. Funktionsfähige Krisenpläne Fehlanzeige. Es gilt das Alte Prinzip "Helfe uns Gott".

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