Bewerbertag während Ameos-Streik Bayerisches Krankenkaus wirbt in Aschersleben um Pflegekräfte

Eine bayerische Krankenhausgesellschaft hat am Dienstag Pflegekräfte zu einem Bewerbertag in Aschersleben eingeladen. Mit Erfolg: Einige Pfleger haben direkt einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Die Abwerbeaktion ist mit dem unbefristeten Streik bei der Ameos-Klinik in Aschersleben zusammengefallen.

Pflegekräfte sind in Deutschland gefragt. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, hat eine oberbayerische Krankenhausgesellschaft mit Häusern in Weilheim und Schongau mit einem Bewerbertag nach Pflegern gesucht. Auffällig ist der Veranstaltungsort: Aschersleben im Salzlandkreis.

Die Ameos-Klinik in Aschersleben streikt derzeit für einen Tarifvertrag und entsprechend höhere Bezahlung. Doch die Krankenhausgesellschaft will bereits vor sechs Monaten festgelegt haben, in Sachsen-Anhalt nach Mitarbeitern zu suchen. Vor drei Monaten fiel die Entscheidung auf den Standort Aschersleben. Zehn Pflegekräfte hatten am Dienstagnachmittag in Aschersleben bereits Verträge mit dem bayerischen Unternehmen unterschrieben – sechs davon sind Ameos-Mitarbeiter. Die Aktion dauerte bis zum Abend an.

Erleichterter Umzug von Aschersleben nach Bayern

Die bayerischen Kliniken werben zum einen mit einer Bezahlung nach Tarif. Zum anderen bieten sie den neuen Pflegekräften aus Sachsen-Anhalt Hilfe beim Umzug nach Bayern an: Die Leiterin der Pflegedirektion am Klinikum Schongau, Anne Ertel, sagte, man würde neue Fachkräfte bei der Suche nach einem Kita-Platz unterstützen und kooperiere mit Maklern bezüglich einer Unterkunft.

Bei den streikenden Klinikmitarbeitern in Aschersleben ist der Bewerbertag auf Verständnis gestoßen, berichtet ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT. Verdi.-Gewerkschaftssekretär Andreas Menzel sagte, solche Abwerbeaktionen seien während laufender Tarifverhandlungen unanständig. Klinikbetreiber Ameos stimmt darin – ausnahmsweise – mit Verdi überein: Der Ameos-Regionalgeschäftsführer Frank-Ulrich Wiener sprach von einer "innovativen Idee". Ameos würde so etwas beim Wettbewerber vor der Tür aber nicht tun.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 12:50 Uhr

7 Kommentare

ElBuffo vor 2 Wochen

Warum? Die Gewerkschaft bekommt hierdurch keine zusätzlichen Druckmittel in die Hand. Ganz im Gegentum schwächt sowas den Standort, den man hier bestreiken will. Denn ich würde mich sehr wundern, wenn hier nicht wieder mal ausgerechnet die Leistungsfähigsten gehen, während u.a. die bleiben, die schon seit Jahren nur noch mitgeschleift werden. Auf Kosten eben der Leistungsfähigen, die dabei auf ihren fairen Lohn verzichten sollen. Am Ende des Streiks sollen nun die weniger Leistungsfähigen als mehr bekommen, während ausgerechnet die Leistungsträger weg sind.
Auch umliegende Kliniken werben um AMEOS-Mitarbeiter. Nachdem diese dann gehört haben, wieviel sie dort arbeiten sollen, haben sie erstmal dankend abgelehnt. So schlecht kann also die Bezahlung bei AMEOS nicht sein. 40h-Tariflohn für Hochqualifizierte wird es bei 35h die Woche für alle und jeden wohl nicht geben. Die Konkurrenz pickt sich jetzt die Rosinen vom Teller.

ottovonG vor 2 Wochen

Naumburg ist in öffentlicher hand und pleite, die Unikliniken sind genauso Ausbeuter mit oftmals befristeten Verträgen und massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz. Noch schlimmer sind die kirchlichen Häsuer was Bezahlung und Tarife angeht. Zudem oft diskriminierend, da man bei vielen einer Konfession angehören muss. Das ganze System ist kaputt, nur auf Pressefotos wird noch gelacht.

mattotaupa vor 2 Wochen

" Verdi.-Gewerkschaftssekretär Andreas Menzel sagte, solche Abwerbeaktionen seien während laufender Tarifverhandlungen unanständig." warum? die gewerkschaft bekommt doch hierdurch zusätzliche druckmittel in die hand. eine nähere erläuterung, weshalb die gewerkschaft hier partei des arbeitgebers ergreift wäre wünschenswert. "Ameos würde so etwas beim Wettbewerber vor der Tür aber nicht tun." dem bericht zufolge hätte das mangels angebotsmasse auch wenig sinn.

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