Bundesverkehrswegeplan 2030 Hoffnung für stillgelegte Bahnstrecke Schönebeck-Zerbst

Vor mehr als 15 Jahren fuhr über die Elbbrücke bei Barby die letzte Bahn – in einigen Jahren könnte das durchaus wieder Realität werden. Denn: In Plänen der Bundesregierung taucht die Strecke zwischen Schönebeck und Zerbst wieder auf. Die Region erhofft sich nun einen Standortvorteil und blickt hoffnungsvoll Richtung Zukunft.

Auf der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Schönebeck und Zerbst könnten bald wieder Züge rollen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist dort künftig eine Regionalexpress-Linie vorgesehen. Das geht aus dem Verkehrswegeplan der Bundesregierung für das Jahr 2030 hervor.

Bundesverkehrswegeplan 2030

Im sogenannten "Deutschland-Takt 2030" ist der Abschnitt zwischen Schönebeck und Zerbst wieder eingetragen. Mit dem Großprojekt will der Bund die Schiene stärken und abgelegene Regionen an den Personennahverkehr anschließen. Das Ziel: Alle sollen schneller und besser mit der Bahn fahren können.

Über die Elbbrücke bei Barby fuhr die letzte Bahn vor gut 15 Jahren. Bis dort wieder Züge rollen, müsste viel Geld investiert und neue Gleise verlegt werden. Allerdings lassen die Antworten von offizieller Seite die Menschen in der Region hoffen.

Aus dem Verkehrsministerium hieß es zu den Plänen: "Das Land Sachsen-Anhalt sieht die Strecke Schönebeck-Barby-Güterglück vorrangig als sinnvolle Entlastung für den Güterverkehr." Laut Bundesverkehrsministerium in Berlin handelt es sich sogar um eine Strecke, die "insbesondere für den Schienenpersonennahverkehr von Bedeutung" ist. Sie sei im aktuellen Zielfahrplan für den Deutschlandtakt auf Wunsch des Landes Sachsen-Anhalts enthalten. Deshalb liege die Verantwortung diesbezüglich auch beim Land Sachsen-Anhalt.

Seit 15 Jahren stillgelegt - die Bahngleise bei Barby

stillgelegte Bahngleise, daneben alte Hallen mit Schornstein
Auf der Bahnstrecke Schönebeck-Zerbst im Salzlandkreis ist seit 2004 kein Zug mehr verkehrt. Damals fuhr hier der letzte Zug von Wernigerode nach Berlin. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Bahngleise, daneben alte Hallen mit Schornstein
Auf der Bahnstrecke Schönebeck-Zerbst im Salzlandkreis ist seit 2004 kein Zug mehr verkehrt. Damals fuhr hier der letzte Zug von Wernigerode nach Berlin. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Bahngleise, daneben ein altes Bahnhäuschen
Ein paar von den alten Schienen, die vom Barbyer Bahnhof in Richtung Elbbrücke verlaufen, sind noch erhalten. Bildrechte: MDR/André Strobel
Mit Gestrüpp überwucherte Bahngleise.
Auf der Strecke Richtung Güterglück hören die Schienen irgendwann einfach auf. Bildrechte: MDR/André Strobel
Eisenbahnbrücke über die Elbe.
Blick auf die gut erhaltene Elbbrücke bei Barby – nach Plänen des Bundesverkehrsministeriums könnten hier in Zukunft wieder Züge langfahren. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Eisenbahnbrücke
Allerdings sind die Schienen hier seit 2014 abmontiert. Bildrechte: MDR/André Strobel
Mann in Warnweste auf stillgelegten Bahngleisen.
Jürgen Krebs gehört zum Brückenverein Barby, der sich stark für den Erhalt der Brücke und die Reaktivierung der Bahnstrecke einsetzt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. März 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/André Strobel
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Barbys Bürgermeister hofft auf Standortvorteil

Die Reaktivierungspläne gelten im Rathaus von Barby als Sechser im Lotto. Der Bürgermeister der Einheitsgemeinde, Torsten Reinharz, verspricht sich dadurch einen Vorteil für den Standort: Ein Verkehrsknotenpunkt an Ort und Stelle veranlasse möglicherweise den ein oder anderen, in den Speckgürtel der Landeshauptstadt zu ziehen. Schließlich sei man in einer halben Stunde in Magdeburg.

Angesichts der Immobilienpreise, die man in Magdeburg hat, können wir doch eine ganze Menge bieten.

Torsten Reinharz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Barby

Elbbrücke unter Denkmalschutz – dank Brückenverein

Der Ausbau der Bahnstrecke wird allerdings nur möglich, weil die Elbbrücke bei Barby noch gut in Schuss ist. Auch wenn hier und da der Lack bröckelt, gilt ihr Zustand als gut. Einer, der sich seit vielen Jahren dafür einsetzt, ist der ehemalige Eisenbahner Jürgen Krebs. Er hat sich als Mitglied des Barbyer Brückenvereins nicht nur für den Erhalt des Bauwerks stark gemacht, sondern auch, dass es unter Denkmalschutz gestellt wird. Deshalb blickt der Verein hoffnungsvoll in die Zukunft.

Dem Eisenbahnhistoriker blutet das Herz, weil es früher ja doch eine sehr bedeutende Strecke gewesen ist.

Jürgen Krebs, Brückenverein Barby

In Barby ist der Personenverkehr 2002 durch das Land Sachsen-Anhalt eingestellt worden. 2004 ist schließlich der letzte Zug von Berlin nach Wernigerode gefahren.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. März 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Harka2 vor 11 Wochen

Da stimme ich dir zu, aber so lange die Bahn nur profitorientiert betrieben wird, wird die nur auf Fernverbindungen setzen und dies sowohl im Personenverkehr als auch im Güterverkehr. Wie schon geschrieben sind Güterbahnhöfe heute weitgehend geschlossen, Werksanschlüsse gibt es kaum noch und da wo es sie noch gibt, werden sie kaum mehr benutzt. Beispiele gefällig? In der thüringer Kreistadt Arnstadt gibt es direkt am Bahnhof den Mineralölhandel Köllmer, einen Traditionsbetrieb der irgendwann im Kaisereich oder kurz danach gegründet wurde und auch zu DDR-Zeiten privat blieb. Natürlich hat der einen Gleisanschluss zum Hauptbahnhof gehabt. Die Wende kam und was passierte? Die Firma kaufte drei Tanklaster und holte sich den Sprit aus Bad Hersfeld. Der dortige Lieferant hat auch einen Gleisanschluss, nur es war billiger jeden Tag drei Laster mit Anhänger dorthin pendeln zu lassen.

Heute gibt es in Arnstadt keinen Hauptbahnhof mehr und schon gar keinen Güterbahnhof. Das ist ein Haltepunkt.

elbesaale vor 12 Wochen

Mich würde es sehr freuen, wenn das wahr würde. Als Kinder sind wir die Strecke von Barby bis Berlin oder in den Harz gefahren. In Zeiten der Klimakrise hat die (E)-Bahn den günstigsten ökologischen Fussabdruck und das Reisen - auch mit Kindern - ist in der Bahn auch ziemlich entspannt. Danke an Jürgen Krebs und den Barbyer Brückenverein für ihr Engagement!

Harka2 vor 12 Wochen

Nachdem großen Kahlschlag in den 1990er und 2000er Jahren hat die Bahn inzwischen das Problem, dass sie gar nicht mehr Güter transportieren kann. Nach dem flächendeckenden Abriss aller Bahnhöfe und deren Degration zu Haltepunkten fehlen nun schlicht weg die Überholmöglichkeiten, Ausweichstellen, an denen Güterzüge überholt werden können oder ihrerseits den Nahverkehr überholen können. Kurzfristiges Profitdenken hat mittelfristig dazu geführt, dass nun mit viel Geld die stillgelegten und/oder rückgebauten Trassen wieder aufgebaut werden sollen.

Zudem wurden fast überall flächendeckend die Güterbahnhöfe und Werksanschlüsse zurückgebaut, so dass es gar nicht mehr möglich ist noch Güter auf die Bahn zu verladen.

Ein extremes Beispiel dafür ist Thüringen. Im ganzen Bundesland gibt es nur noch einen einzigen Güterbahnhof, dass ständig von der Pleite bedrohte Güterverkehrszentrum bei Erfurt, welches zumeist nur noch den Containerverkehr auf niedrigem Niveau abwickelt.

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