Spendenaktion Biendorfer Feuerwehr hilft in Bali

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Die Feuerwehr Biensdorf im Salzlandkreis ist jedes Jahr etwa 20 mal im Ort im Einsatz. Dieses Jahr hat sie mit einer Spendenaktion einer Familie aus der Corona-Not geholfen, die mehr als 11.000 Kilometer weit weg wohnt. Die Eltern von Ortswehrleiter Marcus Hillegeist hatten einen jungen Mann aus Bali auf einer Schifffahrt kennengelernt. Um dessen Familie aus der Corona-Not zu helfen, starteten die Kameraden eine Hilfsaktion.

Indonesische Familie mit zwei Kindern und eine weiße Frau und ein weißer Mann links und rechts daneben
Das Ehepaar Hillegeist setzt sich für Familie Widiarta auf Bali ein. Bildrechte: Marcus Hillegeist

Wenn Ortswehrleiter Marcus Hillegeist von seinen Feuerwehrfreunden spricht, gerät er ins Schwärmen. 31 Kameraden sind im aktiven Dienst der Freiwilligen Wehr Biendorf/Wohlsdorf, dazu gibt es 18 Steppkes in der Kinderfeuerwehr, sechs Jugendliche, ein paar verdiente Männer in der Alters- und Ehrenabteilung und einen Musikzug. Alle gemeinsam haben sie sich für ein neues Feuerwehrgebäude eingesetzt, das dieses Jahr endlich bezugsfertig war. 

Wir leben von der Kameradschaft und sind einfach ein ganz wunderbarer Haufen. Ein Haufen durch alle soziale Schichten. Da gibt es Verkäufer, es gibt Elektriker, Maurer, Beamte und Angestellte, eine ganz bunte Truppe, eine die zusammenhält. Und genau das macht den Reiz an der Feuerwehr aus!

Marcus Hillegeist

Globetrotter-Ehepaar aus Biendorf freundet sich mit Familie in Indonsesien an

Der Grund für den Lobgesang? Gemeinsam sammelten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Biendorf/Wohlsdorf Geld für einen Bekannten der Familie Hillegeist, für Gusti Widiarta aus Bali. Der ist eigentlich Kellner auf einem Donau-Kreuzfahrtschiff, wo die Eltern von Marcus Hillegeist ihn vor etwa drei Jahren kennenlernten.

Junger Mann in schwarzer Kleidung mit Käppi.
Marcus Hillegeist hat mit seinen Feuerwehrkameraden einer Familie aus Indonesien geholfen. Bildrechte: Marcus Hillegeist

"Meine Mutti Susanne und mein Stiefvater Armin sind richtige Globetrotter, die sind ständig im Urlaub und im Oktober 2017 haben sie eine Donau-Kreuzfahrt gemacht. Gusti war ihr Kellner und irgendwann sind sie mit ihm ins Gespräch gekommen und haben gefragt, woher er kommt." Bali, Denpasar, lautete die Antwort. In der Hauptstadt der indonesischen Insel lebt der 31-Jährige Gusti mit seiner Frau, einer zehnjährigen Tochter und einem sechsjährigen Sohn. Jedenfalls dann, wenn er nicht auf dem Schiff auf der Donau arbeitet.

Dass Gusti genau dort wohnt, wohin Susanne und Armin schon damals ihre nächste Reise geplant hatten, war ein witziger Zufall. "Gusti hat sie sofort eingeladen und sich als Reiseführer angeboten. Sie sollten sich melden, wenn sie in Denpasar ankommen, Gusti würde ihnen dann gern einen Tag lang seine Heimat zeigen. Und dieses Angebot haben meine Eltern auch angenommen", erzählt Marcus Hillegeist.

Im Februar 2018 besuchen die beiden Deutschen den Balinesen, verbringen einen wundervollen Tag mit dem freundlichen Mann, werden schließlich sogar zum Abendessen mit der Familie eingeladen. Der Besuch ist der Beginn einer Freundschaft. Gusti und Mutter Susanne bleiben in Kontakt. Sie schreiben sich, schicken Fotos und Videos hin und her. Was Gusti Susanne im April schreibt, klingt gar nicht gut.

Corona-Hilferuf von einem Freund aus Bali

Marcus Hillegeist erzählt: "Gusti hat geschrieben, dass er wegen Corona nicht mehr auf dem Schiff arbeiten kann und er mit seiner Familie am Existenzminimum lebt. Er hat kein Geld mehr, um sein Haus zu bezahlen. Er kann seine beiden Kinder nicht mehr zur Schule schicken, weil er die Schulgebühren nicht bezahlen kann. Er weiß nicht mehr wie er Lebensmittel kaufen soll. Gerade in Bali ist alles auf den Tourisismus ausgerichtet, das ist alles zusammengebrochen und er weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll."

Als Mutter Susanne ihrem Sohn mit Tränen in den Augen von Gustis Schicksal erzählt, hat er sofort einen Gedanken:

Ich frage einfach meine Kameraden von der Feuerwehr, ob wir nicht was machen können, ob wir helfen können. Schließlich sind wir Feuerwehrmänner, wir haben doch fast alle ein Helfer-Syndrom, deswegen ist man bei der Feuerwehr.

Gruppenfoto Feuerwehr mit Einsatzfahrzeug
Die Feuerwehr-Truppe aus Biendorf. Bildrechte: Marcus Hillegeist

Spendenaktion der Kameraden

Gesagt getan. Beim nächsten Dienstabend erzählt er der knapp 30-Mann-starken Truppe von Gusti und seiner Not, fragt, ob man nicht helfen wolle. Und bis zum nächsten Dienstabend, zwei Wochen später, hatte wirklich jeder etwas Geld für Gusti bei Marcus Hillegeist abgegeben. "Das war einfach cool. Jeder hat etwas beigetragen, der eine ein bisschen mehr, der andere ein bisschen weniger, jeder wie er konnte. Und dann sind da wirklich 900 Euro zusammengekommen! Ich hätte mit 200, 300 Euro gerechnet. Aber 900? Das war sagenhaft!"

Das Geld hat Marcus Hillegeist dann nach Bali überwiesen und mit seinen Kameraden ein Video für Gusti aufgenommen und ihm von der Spendenaktion erzählt. "Gusti war voll von den Socken! Er hat geschrieben, dass er immer wieder zu weinen anfängt, wenn er das Video anschaut. Vor allem, dass fremde Menschen ihm helfen, einfach so, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, damit hat er nicht gerechnet."

Lebensunterhalt für mehrere Monate gesichert

Womit die Feuerwehrmänner in Deutschland nicht gerechnet hatten, wie lange sie Gusti helfen. "Mit den 900 Euro kann man in Denpasar seinen Lebensunterhalt für mehrere Monate bestreiten", erklärt Hillegeist, "Gusti kann sein Haus bezahlen, seine Kinder wieder zur Schule schicken und Essen kaufen. Das kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Aber die Familie ist auch sehr bescheiden und wahnsinnig dankbar." Davon könne sich hier so mancher einer Scheibe abschneiden, findet Marcus Hillegeist. "Wenn man so eine Geschichte miterlebt, erdet einen das ungemein.

Da überlegt man schon mal, ob es wirklich so schlimm ist, wenn man im Supermarkt eine Maske aufsetzen muss. Die Jungs da unten, die haben ganz andere Probleme durch Corona.

Gusti zeigt uns Bali

Indonesische Familie mit zwei Kindern und eine weiße Frau und ein weißer Mann links und rechts daneben
Gusti Widiarta und seine Familie auf dem Sofa, mit dem Ehepaar Hillegeist. Bildrechte: Marcus Hillegeist

Die Probleme von Gusti Widiarta und seiner Familie sind dank der Feuerwehr Biendorf/Wohlsdorf erstmal gelöst. Doch für wie lange? "Gusti hofft, dass er Anfang des Jahres wieder zurück nach Deutschland kann und weiter auf dem Schiff arbeiten kann, aber danach sieht es ja im Moment nicht aus." Vielleicht, so sagt Marcus Hillegeist, kann er seine Kameraden zu Weihnachten nochmal zusammentrommeln zum internationalen Einsatz.

Gusti würde sich wahrscheinlich gar nicht mehr einkriegen vor Freude. "Er bestellt schon jetzt regelmäßig Grüße von Bali an die Feuerwehrmänner aus Biendorf/Wohlsdorf und hat schon alle eingeladen. Wenn wir also irgendwann wieder Urlaub auf Bali machen können, zeigt uns Gusti seine Heimat."

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Über die Autorin Jana Müller, groß geworden in Gräfenhainichen, arbeitet seit 2018 bei MDR SACHSEN-ANHALT im Regionalstudio Dessau. Sie berichtet aus der Region Anhalt und Wittenberg hauptsächlich für den Hörfunk, aber auch für Fernsehen und Online. Schon während ihres Studiums an der Martin-Luther-Universität in Halle machte Jana Müller erste Radio-Erfahrungen bei Radio Brocken und 89.0 RTL, danach zog es sie aber erst einmal zum Fernsehen. Bei den Regionalfernsehsendern in Dessau und Bitterfeld-Wolfen war sie als Redakteurin aber auch als Kamerafrau unterwegs. Zu ihren absoluten Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt zählt der Zschornewitzer See, den sie als Ruderin schon unzählige Male auf und ab gefahren ist.

Quelle: MDR/jh

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