Lärmmessungen und Drohnen Flughafen Cochstedt als dauerhaftes DLR-Testgelände

Für den insolventen Flughafen Cochstedt im Salzlandkreis gibt es offenbar Grund zur Hoffnung. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnte den Airport kaufen und dauerhaft für Drohnentests nutzen. Zuletzt war die Betriebserlaubnis für den Airport bis Februar 2019 verlängert worden.

In etwa 15 Metern über Grund überfliegt das DLR-Forschungsflugzeug Airbus A320-232 "D-ATRA" den Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Ziel war es, in möglichst kurzer Zeit den Insektenbefall in typischen Start- und Landekonfigurationen zu untersuchen.
Seit Jahren nutzt das DLR den Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Hier überfliegt das DLR-Forschungsflugzeug Airbus A320 ATRA um Insektenbefall in typischen Start- und Landekonfigurationen zu untersuchen. Bildrechte: DLR/Marek Kruszewski (CC-BY 3.0)

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT liegt für den seit Anfang 2016 insolventen Flugplatzes Cochstedt südwestlich von Magdeburg ein unterschriftsreifer Kaufvertrag vor. Insolvenzverwaltung und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seien sich seit Monaten einig. Seither warte man auf grünes Licht für den Abschluss.

Ein unbemanntes Flugobjekt soll Hilfsgüter ausliefern. Im Projekt ALAADY werden Technologien dafür erforscht.
Das DLR forscht mit dem Projekt ALAADY an einem automatischen und unbemannten Lufttransport. Bildrechte: DLR (CC-BY 3.0)

DLR-Pressesprecher Andreas Schütz bestätigte laufende Gespräche. Einen unmittelbar bevorstehenden Vertragsabschluss, über den zuvor die Magdeburger Volksstimme und die Bild-Zeitung berichteten, wollte er weder bestätigen noch dementieren. Wirtschaftsminister Willingmann sagte der "Bild", sollte es gelingen, das DLR in Cochstedt anzusiedeln, wäre das eine großartige Nachricht für Sachsen-Anhalt. Langfristig könnten sich dann auch Unternehmen außerhalb der Luftfahrt-Branche an dem Standort ansiedeln.

Erst Ende Juli hatte das Land Sachsen-Anhalt die Betriebserlaubnis für den Flughafen bis Ende Februar 2019 verlängert. Das Landesverkehrsministerium nannte damals zur Begründung aussichtsreiche Gespräche mit Investoren.

Lärmmessungen und unbemannte Flugversuche

DLR-Pressesprecher Schütz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe einen aktuell laufenden Mietvertrag bis Ende Oktober, sagte. Bisher sei der Vertrag immer wieder verlängert worden. Es sollen Lärmmessungen und unbemannte Flugversuche innerhalb des Areals durchgeführt werden.

Mit dem unbemannten Hubschrauber superArtis untersucht das DLR, wie schwere erreichbare Katastrophengebiete schnell, kostengünstig und sicher mit Hilfsgütern versorgt werden können.
Der unbemannte Hubschrauber superArtis kann bis zu 20 Kilogramm Hilfsgüter transportieren. Bildrechte: DLR (CC-BY 3.0)

Es soll unter anderem der Prototyp einer neu entwickelten Frachtdrohne getestet werden. Die Drohne ist 450 Kilogramm schwer, soll eigenständig fliegen und bis zu 200 Kilo Fracht transportieren können. Erst im Juli berichtete das DLR von erfolgreichen Tests eines unbemannten Hubschraubers in der Dominikanischen Republik, der Hilfgüter in schwer zu erreichende Gebiete fliegen kann.

Zurzeit forscht das DLR mit dem Projekt ALAADy (Automated Low Altitude Air Delivery) an einem automatischen und unbemannten Lufttransport. Dabei solle das Fliegen mit einem großen Fluggerät in niedriger Flughöhe unterhalb 150 Metern getestet werden, schreiben die Forscher in der Projektbeschreibung. Es gehe vor allem um den Test von Sicherheit, der technischen Realisierbarkeit und dem wirtschaftlichen Nutzen eines solchen Systems.

Für die Testflüge des Luft- und Raumfahrt-Zentrums scheint Cochstedt ideal. 2014 waren die Wissenschaftler erstmals dort, um im Tiefflug den Insektenbefall an Flugzeugen bei Start- und Landungen zu untersuchen. 2017 kreiste ein Airbus A320 des DLR für Lärmmessungen über dem Gelände.

Seit Frühjahr 2016 insolvent

Der Flughafen wird zurzeit von dem Unternehmen XtremeAir genutzt, der auf dem Gelände eine Werkhalle hat und Ultraleichtflugzeuge und Sportflugzeuge herstellt.

Der Airport Cochstedt war 2010 von einem dänischen Investor gekauft worden. Seit Frühjahr 2016 ist der Flughafen insolvent. Auch der  Bau eines neuen Logistikzentrums und Pläne für eine verlängerte Landebahn halfen nicht. Der Flughafen schrieb dauerhaft rote Zahlen – nach eigenen Angaben bis zu einer Viertel Million Euro Verlust im Monat.

Chronik des Flughafens Cochstedt 2005 wurde FMC Flughafen Magdeburg Cochstedt neuer Betreiber. Danach wurde vergeblich versucht, an einen Investor zu verkaufen. Letztlich erwarb das dänische Unternehmen Airport Development A/S den Flughafen und erhielt für den 21.06.2010 die Betriebserlaubnis. 2011 folgte dann die Wiedereröffnung. Die Fluglinie Ryanair sorgte für regelmäßigen Betrieb. Allerdings hielt das Ganze nicht lange und Ryanair zog sich 2014 aus Cochstedt zurück.

Seither fanden auf dem Flughafen nur noch selten Starts und Landungen statt. Auch danach fanden sich keine Investoren. Der dänische Betreiber konnte die Kosten in Millionenhöhe nicht mehr selbst tragen und meldete Insolvenz an. Immer wieder gab es Versuche, dem Flughafen neues Leben einzuhauchen.

Beispielsweise wurde dort die 5. Nacktrodel-WM veranstaltet, an der die Dschungelkönigin Melanie Müller teilnahm. Auch gab es weiterhin Angebote einen Flughafenrundgang zu unternehmen und unter anderem eine Antonov zu besichtigen. Dennoch gelang es den Betreibern bislang nie, schwarze Zahlen zu schreiben. Außerdem gab es seit 2008 Überlegungen durch die am Flughafen Magdeburg/Cochstedt ansässige Firma für Kunstflieger Xtreme Air, einen am Tourismus orientierten Weltraumflug anzubieten.

Ab 2014 nutzen Wissenschaftler des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Flughafen für Lärmessungen, Insektenmessungen und für Tests mit unbemannten Fluggeräten.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. September 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 12:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

20.09.2018 10:35 Flugzeug Fan 8

19.09.2018 21:41 J.P. 7 , wäre ja mal schön wenn in Cochstedt nu endlich mal was klappen würde. Was Magdeburg als Verkehrsflughafen angeht, für die ATR72 würde die Start-und Landebahn jetzt schon völlig hinreichen. Hier landet öfters auch mal ein kleiner Jet, weiß aber den Typ nicht. Wenn es in Magdeburg nicht die Sportfliegerei geben würde, dann gäbe den Flugplatz Magdeburg längst nicht mehr, denn die Fluglärmgegner sind hier offensichtlich recht stark, und haben offensichtlich auch an höherer Stelle recht viel Einfluss. Ich frage mich echt, wozu Magdeburg sich ein Terminal und einen großen Tower gebaut hat. Der Tower ist immer leer, dort sitzt niemand drin, und das Terminal wird nur von der Gastronomie dort genutzt. Eigentlich Schade für den Flugplatz Magdeburg, das dieser nur so dahin dümpelt, früher gab es wenigstens jedes Jahr das Flugplatzfest, gibt es seit Jahren auch nicht mehr.

19.09.2018 21:41 J.P. 7

Damals haben alle nach Hahn/Hunsrück geschaut und das wollte man hier auch. Nur wo keine Wirtschaft ist, so auch kein Frachtverkehr. Und Passagierverkehr wäre in Magdeburg besser gewesen, auch nur kleinere Flugzeuge(z.B.ATR72). Wir können froh sein, wenn DLR das Gelände kauft.

19.09.2018 11:15 Flugzeug Fan 6

Der Airport Cochstedt würde sich wunderbar als Frachtflughafen eignen, und der Flugplatz Magdeburg würde sich wunderbar als Verkehrsflughafen eigenen, und somit hätten beide Standorte was davon, und für ganz Sachsen-Anhalt wäre das Wirtschaftlich gesehen richtig gut. In Magdeburg muss ja nicht unbedingt der A 380 Starten und Landen, aber als Zubringer zu den anderen großen Airports wäre er geeignet jetzt fast schon, und für Kurzstrecken nach Malle und London usw., das würde ja schon genügen. Dafür bräuchte man nur eine eine Verbreiterung und Verlängerung der schon vorhandenen Start und Landebahn, ein Terminal und Tower sind schon da, und die Fernverkehrsstraße bräuchte nur eine Schranke zum Stopp der Fahrzeuge wenn Flugzeuge Starten und Landen, und mehr nicht. Aber das wird nie was bei diesen Stadtobersten, weil die wahrscheinlich selber Fluglärmgegner sind, und da in der schönen Umgebung Wohnen, aber das Magdeburg Wirtschaftlich Tot ist, daran denkt keiner.