Sonntag wird gewählt Die etwas andere Landratswahl im Salzlandkreis

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Am 24. Januar wird im Salzlandkreis ein neuer Landrat gewählt. Mitten in der Corona-Pandemie. Eine außergewöhnliche Abstimmung in außergewöhnlichen Zeiten. Um den Chefsessel im Landratsamt bewerben sich auch nur zwei Kandidaten: der SPD-Amtsinhaber und ein Herausforderer der CDU. Die Abstimmung während des Shutdowns ist aber trotzdem nicht nur gelebte Demokratie, sondern auch ein Stück Normalität im Ausnahmezustand.

Desinfektionsmittelspender haben die Helfer aufgebaut, Stühle akkurat hintereinander auf Abstand gestellt. Die Kandidaten, die hier gleich vor Publikum im Kurhaus in Bernburg sprechen, haben sich einem Corona-Schnelltest unterzogen. Das Podium zur Landratswahl ist eine Veranstaltung vor Publikum. Rund 50 Menschen dürften hier im Saal sitzen. Die einzige Möglichkeit, sich persönlich ein Bild von den Kandidaten zu machen. "Dafür ist die Veranstaltung ja da, damit man sich informieren kann", sagt eine Besucherin.

Allerdings: Der größere Teil der Gäste dürften Menschen sein, die sich lokalpolitisch engagieren. "Es ist ja im Moment die einzige Möglichkeit, die ich habe, die Kandidaten zu treffen und die möchte ich nutzen", erzählt eine Bürgermeisterin im Publikum. 

Ein anderer Wahlkampf

Die Kandidaten persönlich zu erleben, ihre Mimik, Gestik, Reaktionen auf Fragen zu sehen, die direkte Kommunikation ersetzen, das kann kein Video im Internet.

Wahlforum zur Landratswahl im Salzlandkreis
Am 24. Januar wird im Salzlandkreis mitten in der Corona-Pandemie ein neuer Landrat gewählt. Die beiden Kandidaten hatten noch einmal die Möglichkeit, sich bei einem Wahlforum vorzustellen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Konventioneller Wahlkampf ist bei dieser Landratswahl kaum möglich. Schon unter Normalbedingungen wäre der Wettstreit um Programme, Ideen für die Zukunft des Salzlandkreises kurz gewesen. Wegen des frühen Wahltermins fast direkt nach dem Jahreswechsel. 

Und jetzt, während des Shutdowns, in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, ist nicht die richtige Zeit, um mit Wählern in der Fußgängerzone ins Gespräch zu kommen. Hände zu schütteln, für Fragerunden in Bürgerhäusern zu sitzen. Das ist momentan alles undenkbar. Den Kandidaten bleiben Plakate und das Internet, um ihre Botschaften zum Wähler zu bringen. 

Wahlpodium in Bernburg

Eine große Auswahl haben die Wähler ohnehin nicht: Zwei Kandidaten bewerben sich um das Amt. SPD-Amtsinhaber Markus Bauer und Alexander Göbel von der CDU. Grüne, Linke, AfD, FDP oder Wählervereinigungen haben keine Kandidaten aufgestellt.

Das ist auch ungewöhnlich. Ein Stück Normalität hingegen war die Kandidatenvorstellung in der vergangenen Woche in Bernburg. Die Runde gehört mit zur Wahlvorbereitung. 

Ein Mann mit Brille und in Anzug steht vor einer Treppe und schaut in die Kamera.
Kreiswahlleiter Marko Gregor sieht in dem Wahlforum die Chance, dass sich die Kandidaten präsentieren können. Bildrechte: MDR / Tom Gräbe

Dann ist allen Bewerbern die Möglichkeit zu geben, sich mindestens ein Mal öffentlich vorzustellen. Und genau diesem Zweck, der der Wahl vorausgehen muss, dient diese Veranstaltung.

Kreiswahlleiter Marko Gregor
Ein Mann mit hellem Haar und Brille sitzt an einem Schreibtisch. Er trägt ein weißes Hemd und ein Sakko.
Bert Knoblauch kam auch in Zeiten von Corona in sein Amt. Im Oktober konnten Wahlen in Schönebeck stattfinden. Bildrechte: MDR / Tom Gräbe

Wahlen sind ein hohes Gut in der Demokratie. Sie zu organisieren, ist schon unter Normalbedingungen ein Kraftakt. Den Urnengang auf Abstand durchzuführen, ist eine Herausforderung. Per Brief wählen, das geht schon jetzt. In den Rathäusern. Die Vorbereitungen für den Betrieb der Wahllokale am Sonntag laufen. Damit sich die Wähler nicht stauen, Abstände eingehalten und Wahlhelfer geschützt werden, gibt es ein Hygiene-Konzept, sagt Schönebeck Oberbürgermeister Bert Knoblauch.

"Wir haben Plexiglasscheiben, wir haben Maskenpflicht", erklärt der Wahlleiter. Die Wähler sind sogar aufgerufen, ihre eigenen Stifte mitzubringen. 

Orientierung am Beispiel Schönebeck

In Schönebeck hat man Erfahrungen mit Wahlen unter Pandemie-Bedingungen. Schon die Wahl des Oberbürgermeisters im Oktober fand unter strengen Auflagen statt. Es gab separate Ein- und Ausgänge in etlichen Wahllokalen. Das hat seinerzeit gut geklappt. Wählen war nicht komplizierter, als momentan ein Einkauf im Supermarkt.

Allerdings: Der Aufwand dahinter ist enorm. Etwa 185 Wahlhelfer braucht zum Beispiel allein die Stadt Schönebeck. Freiwillige zu finden, die am Wahltag Stimmzettel ausgeben, Wahlzettel auszählen, das nicht einfach. Die Lücken füllen oft Verwaltungsmitarbeiter. Hecklingens Bürgermeister Uwe Epperlein hätte sich gewünscht, dass die Abstimmung verschoben wird. "Ich kann's den Wahlhelfern nicht erklären und ich kann es auch den Wählern nicht erklären", meint er.

Aber die Wahl findet statt. Die Entscheidung, sie nicht zu verschieben, haben sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht. "Eine Wahl ist für die Demokratie etwas ganz Wichtiges, etwas Grundlegendes", sagt Wahlleiter Marko Gregor. Städte wie Aschersleben rufen dazu auf, möglichst per Brief zu wählen. Das geht gut – mit Abstand.

Übrigens ist das überschaubare Kandidatenfeld zumindest aus pandemie-technischer Sicht nicht unpraktisch. Weil es nur zwei Kandidaten gibt, braucht es keine Stichwahl. 

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Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT – als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Januar 2021 | 08:30 Uhr

4 Kommentare

Dreibeiner vor 5 Wochen

Allen hätten coronabedingt Briefwahldokumente zugestellt werden sollen. Dann wäre die Beteiligung wohl höher als die hier vermuteten 20%. Seit 30 Jahren dürfen Ostdeutsche wählen statt nur Zettel zusammenfalten und viele nutzen das auch.

Heinz K. vor 5 Wochen

Vermute einmal , Wahlbeteiligung unter 20% ...... interessiert im SLK so ziemlich Niemanden. SLK ein zusammengewürfeltes Konstruktum , welches außer der Politik, so kaum jemand wirklich wollte.

SGDHarzer66 vor 5 Wochen

Was Tom Gräbe seiner Leserschaft als "gelebte Demokratie" verkaufen will, ist bei näherer Betrachtung eine Abstimmung über einen steuerfinanzierten Arbeitsplatz mit vorgewärmten Sessel zu Repräsentationszwecken.
Guten Tag.

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