Die Einfahrt des Werksgeländes des Maschinenbauer Schiess in Aschersleben.
Die Schiess GmbH fertigt etwa Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen. Bildrechte: MDR/Marko Litzenberg

Traditionsunternehmen Möglicher neuer Investor für Schiess Aschersleben

Für den von der Stilllegung bedrohten Maschinenbauer Schiess in Aschersleben gibt es laut Insolvenzverwaltung doch noch Hoffnung. Nach monatelanger Suche hat sich in letzter Minute ein potentieller Investor gemeldet. Es werde mit Hochdruck verhandelt. Wie viele Arbeitsplätze nach einer Übernahme erhalten bleiben würden, ist noch unklar.

Die Einfahrt des Werksgeländes des Maschinenbauer Schiess in Aschersleben.
Die Schiess GmbH fertigt etwa Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen. Bildrechte: MDR/Marko Litzenberg

Für den insolventen Maschinenbauer Schiess in Aschersleben gibt es möglicherweise einen neuen Investor. Das hat Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Mittwoch mitgeteilt. Demnach handelt es sich um einen Interessenten aus dem Ausland, der sich in der Branche auskennt. Flöther: "In buchstäblich letzter Minute hat sich bei uns ein neuer potenzieller Investor gemeldet, der den Geschäftsbetrieb und den Standort erhalten will. Wir verhandeln jetzt mit Hochdruck, um die Stilllegung des Unternehmens doch noch abzuwenden."

Abwicklung laut Gewerkschaft gestoppt

Der Insolvenzverwalter hat nach eigenen Angaben die Mitarbeiter, den Betriebsrat und die zuständige Gewerkschaft informiert. Die bereits angelaufene Abwicklung und Verwertung des Unternehmensvermögens wurden vorerst gestoppt. Die IG Metall Magdeburg-Schönebeck bestätigte dies auf Anfrage. Wie Sprecher Axel Weber MDR SACHSEN-ANHALT sagte, ist der potentielle Geldgeber ein reines Privatunternehmen aus China. Wie viele Arbeitsplätze nach einer Übernahme erhalten blieben, lässt sich dem Gewerkschaftssprecher zufolge noch nicht sagen.

Ich würde jetzt keine Zahlen in die Welt setzen wollen, aber es ist auf alle Fälle mehr als bisher in den Gläubigerausschüssen diskutiert worden ist.

Axel Weber, IG Metall Magdeburg-Schönebeck
Junge Männer in einer Werkhalle.
Seit 1857 fertigt Schiess Werkzeugmaschinen in Aschersleben (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Beschluss des Gläubigerausschusses, zum Ende des Monats die verbliebenen 50 Mitarbeiter wegzuschicken, ist Weber zufolge aufgeschoben worden. "Wir haben zwischenzeitlich viele Gespräche geführt, um den Prozess der Abwicklung zu stoppen. Das ist uns jetzt auch gelungen. Gläubigerausschuss und Insolvenzverwalter konnten überzeugt werden, dass Verhandlungen mit dem potenziellen Investor aufgenommen werden." Die 50 Kolleginnen und Kollegen könnten damit zunächst bleiben.

Der neue Investor hat nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT bereits schriftlich zugesichert, weitere monatliche Schuldenübernahmen zu stemmen. Die Chancen, dass die Rettung klappt, schätzt Gewerkschafter Weber mit 70 bis 80 Prozent ein. Es würden dann auch wieder Werkzeugmaschinen in Aschersleben hergestellt. Wie lange die Rettung noch dauere, lasse sich noch nicht abschätzen.

Mitarbeiter wurden freigestellt

Die Schiess GmbH hatte im Januar Insolvenz anmelden müssen. Die chinesischen Gesellschafter der Firma hatten nach Angaben des Insolvenzverwalters angekündigt, keine Gelder für die Sanierung bereitstellen zu wollen. Die Mitarbeiter wurden bis auf ein kleines Team zur Abwicklung der letzten Produktion freigestellt.

Traditionsunternehmen aus Aschersleben Schiess blickt auf eine Tradition bis 1857 zurück, hat aber immer wieder mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Maschinenbauer
fertigt etwa Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen als Werkzeuge für
Produzenten, die damit zum Beispiel Windkrafträder, und Turbinen bearbeiten. Seit dem Jahr 2004 gehört der Betrieb zum chinesischen
Konzern Shenyan Maschine Tool Group.

Quelle: dpa, MDR/kb,fw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Mai 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 17:18 Uhr

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