11. Oktober Schönebeck vor der Oberbürgermeisterwahl

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Am Sonntag wird in Schönebeck ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Ein Kandidat der AfD, zwei Einzelbewerber und der amtierende CDU-Oberbürgermeister, Bert Knoblauch, treten an. Die Linke, die SPD, die Grünen und die FDP haben keine Kandidaten gestellt. Die Linke empfiehlt sogar, den Amtsinhaber zu wählen. MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Tom Gräbe war vor der Wahl in der Stadt unterwegs und hat sich in Schönebeck umgehört.

Marktplatz in Schönebeck
Der im Moment amtierende Bürgermeister in Schönebeck ist Bert Knoblauch. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Wahlplakate hängen in der Schönebecker Innenstadt eher vereinzelt. Auf dem Markt stehen Herren mit Kaffee neben dem Bäckerstand in der Herbstsonne. Was sich ändern müsste, hier in Schönebeck?

"Der Marktplatz müsste mal autofrei werden, als Einkaufsstraße." Den hübsch sanierten Marktplatz teilen sich Fußgänger und Autofahrer gleichberechtigt. Der "Shared Space", der geteilte Raum, ist ein städtebauliches Vorzeigeprojekt. Über das Nebeneinander von Autos, Radfahrern, Fußgängern auf einem Platz ohne Bordsteine lässt sich trefflich diskutieren.

Mehr öffentliche Toiletten würde sich auch mancher Schönebecker wünschen. Dazu mehr Parkplätze, mehr Geld für die Jugendclubs der Stadt. Wie weiter mit dem seit Jahren geschlossenen Freibad? Wer vormittags in der Stadt unterwegs ist, muss manchmal auch erst ein wenig grübeln. "Ich habe keine Ahnung von Politik und ich mische mich da nicht ein, bevor ich etwas falsch mache", sagt eine Schönebeckerin.

Wahlstände mit Sonnenschirm und gut gelaunten Kandidaten, die Kulis verteilen, gibt es hier nicht. Wohl auch wegen des Abstandsgebots in der Corona-Situation. Dafür gab es Podien mit den Kandidaten, Wahlkampf im Internet, Wahlhelfer haben Broschüren und Flyer zugestellt.

Amtsinhaber Bert Knoblauch tritt erneut an

Bert Knoblauch
Bert Knoblauch (CDU) Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Der CDU-Oberbürgermeister will weitermachen. Im Gegensatz zu allen anderen Kandidaten, kann er auf seine Bilanz verweisen. "Als Amtsinhaber habe ich den Vorteil einer gewissen Bekanntheit in der Stadt", sagt er. Die wirtschaftliche Entwicklung sieht er auf einem guten Weg. Es habe Investitionen und Neuansiedlungen gegeben. Er wolle versuchen, die wirtschaftliche Situation zu verbessern – und damit die Einnahmesituation der Stadt. Baustellen sieht er beim Tourismus. Nicht nur für Besucher in Bad Salzelmen, sondern auch für die Schönebecker. Stichwort: Naherholung, Radtourismus, Radverkehr in der Stadt.

Steffen Baumann tritt für die AfD an

Steffen Baumann
Steffen Baumann (AfD) Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

AfD-Kandidat Steffen Baumann hat sein Wahlkampfbesteck auf der Ladefläche seines Pick-Ups. Leiter, Wahlplakate, Spielzeug für Kinder. "Mehr Familie, weniger Staat" steht auf seinen Plakaten. Der Familienvater, im Hauptberuf Inhaber eines Zimmererbetriebes, will sich stark machen für die Jugend in der Stadt. Die Jugendclubs, Jugendarbeitslosigkeit, der Fachkräftemangel. Das sind Themen für ihn. "Wir sind die AfD und wir sind ganz normale Leute", sagt er im Gespräch. Auch der Tourismus ist ihm wichtig. Der Kurpark in Bad Salzelmen, Radtourismus, die Finanzen der Stadt. Baustellen sieht er so einige. Er wolle sich für die Stadt engagieren, sagt er noch. Bis sich Steffen Baumann als Kandidat der AfD durchsetzen konnte, war er ein vergleichsweise eher unbekannter Stadtrat.

Einzelbewerber Olaf Ziem

Olaf Ziem
Olaf Ziem (parteilos) Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Das Gesicht der AfD hier in Schönebeck war lange Olaf Ziem. Wegen der Nominierung des Bürgermeisterkandidaten gab es Streit. "Chaostage bei der AfD", titelte die Volksstimme im Sommer. Olaf Ziem trat aus der Partei aus. Jetzt will er aus eigener Kraft in den Chefsessel des Rathauses. Als der amtierende Bürgermeister Knoblauch seine Kandidatur bekannt gab, habe er gesagt, er mache das. Jetzt eben als Einzelkandidat. Verändern will er so einiges: Eine Lösung für das marode Gebäude der Feuerwehr Bad Salzelmen brauche es, eine Entscheidung in der Frage: Wie weiter mit den Bädern in Schönebeck? Das Rathaus brauche ein Personalkonzept. Die Verwaltung solle digital Arbeiten und schlanker werden. Gewerbegrundstücke sollten nur an Unternehmen verkauft werden, die in Schönebeck ihre Steuern zahlen. Und, das ist dem Unternehmer wichtig: Sollte er Bürgermeister werden, wolle er 1.000 Euro netto seiner Bezüge der Stadt spenden. Für Dinge, für die sonst kein Geld da ist. Über die Verwendung solle der Stadtrat entscheiden.

Felix Leue will Oberbürgermeister werden

Felix Leue
Felix Leue (parteilos) Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Zur Oberbürgermeisterwahl in Schönebeck hat auch Felix Leue seinen Hut in den Ring geworfen. Im Hauptberuf plant der Ingenieur bei der Deutschen Bahn Brücken und Tunnel. Jetzt will er Oberbürgermeister von mehr als 30.000 Einwohnern werden. Schönebeck habe in den vergangenen Jahren stark nachgelassen, was die Kultur und die Jugendarbeit angehe. "Da ist viel auf der Strecke geblieben", was an der Haushaltskasse liege. Außerdem müsse Schönebeck offensiver für seine Gewerbeflächen werben. Auch Leue tritt ohne eine Partei oder Initiative im Rücken an.

Leerstellen auf dem Wahlzettel

Ihre Programme und ihre Ansichten haben die Kandidaten in Diskussionsrunden dargelegt. Wahlwerbung im Briefkasten hatte wohl jeder Schönebecker. "Die Meinungen sind ein bisschen unterschiedlich. Aber ich denke, man muss das so akzeptieren, wie es ist", höre ich hier noch auf dem Marktplatz.

Denn das Ungewöhnlichste an dieser Oberbürgermeisterwahl sind die Leerstellen auf dem Wahlzettel. Die Linke, die Grünen, die SPD und die FDP haben gar keine Kandidaten ins Rennen geschickt. "Wir haben keinen Kandidaten aufgestellt, nur um als Grüne mit dabei zu sein", sagt etwa Thoralf Winkler von den Grünen.

Die SPD hat zwar intern nach einem Kandidaten gesucht. Es gab auch Bewerber. Angetreten ist dann aber doch niemand. "Ich denke, dass wir andere Prämissen gesetzt hätten, als die Kandidaten auf dem Wahlzettel. Aber es scheitert am Personal", sagt Frank Schiwek von der Schönebecker SPD.

Die Linke empfiehlt sogar, den Amtsinhaber von der CDU zu wählen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber das Ergebnis langer Überlegungen, sagt Sabine Dirlich: "Es sollte ein Schönebecker sein. Und ein besserer Bürgermeister als der jetzige." Man habe auch nicht die Absicht gehabt, einen Zählkandidaten oder einen Probekandidaten ins Rennen zu schicken. Dafür sei die Oberbürgermeisterwahl zu wichtig. Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht.

Kritik kommt von AfD-Kandidat Steffen Baumann: Es gehöre sich nicht, keinen Kandidaten zu stellen, sagt er.

"Es wäre ganz schön gewesen, wenn auch eine Frau gesagt hätte: Ich trete an", sagt CDU-Kandidat Bert Knoblauch noch.

Gelassenheit statt Wechselstimmung

Nach dem Hochwasser 2013 hatten die Schönebecker ihren damaligen Bürgermeister abgewählt. Die Unzufriedenheit mit dem Rathauschef war seinerzeit groß. Danach traten sechs Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl an. Der jetzige Amtsinhaber Bert Knoblauch gewann damals die Stichwahl – mit einem Prozent Vorsprung. Auseinandersetzungen im Stadtrat hatte es seitdem zwar immer wieder gegeben, aber das Wohl der Stadt stand immer im Mittelpunkt. Vielleicht war deshalb auch der Wahlkampf vergleichsweise entspannt.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT - als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

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Quelle: MDR/vö/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

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