Duftkomponist Sven Pritzkoleit Von kleinen Fläschchen, die Geschichten erzählen

Ein kleines, aber internationales Publikum schätzt Düfte aus dem Salzlandkreis. Genauer: Aus Barby. Dort komponiert Sven Pritzkoleit aus unzähligen Duftnoten Parfums für einen Nischenmarkt. Ein Besuch in seinem Labor.

von Tom Gräbe, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann hält ein Parfumfläschchen in die Kamera.
Sven Pritzkoleit mit einem seiner Parfums. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Wie eine unsichtbare Wand steht ein betörender Geruch im Labor von Sven Pritzkoleit. Jedem der unzähligen kleinen Fläschchen hier in den Regalen entfleucht eine eigene Duftnote. Herb, süß, blumig, erdig, frisch. Alles gleichzeitig.

Mittendrin steht Sven Pritzkoleit an einem Tisch. Sorgsam darauf angeordnet sind Glasbehälter, Riechstreifen, Skizzen, Notizen. Der Parfumeur ordnet, arrangiert, komponiert.

Von einem Buch inspiriert

Düfte faszinieren den Apothekersohn schon immer. Als er in den späten 80er Jahren während seiner Armeezeit in einer Bibliothek auf den Roman "Das Parfum" von Patrick Süßkind stößt, beginnt er zu forschen. Gerüche in ihre Bestandteile zu zerlegen, Duftnoten zu Akkorden zusammenzustellen und zu komponieren. 

Mann steht vor Regal mit kleinen Fläschchen und schnuppert an Probe
Sven Pritzkoleit testet und verwirft, bis die Mischung stimmt. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Irgendwann kommt man dann darauf, dass ein bestimmter Geruch in einem eine Begegnung entstehen lässt, die man tatsächlich hatte und die ganz weit zurückliegt.

Sven Pritzkoleit, Parfumeur

Geschichten in Flakons

Das Parfum-Herstellen hat sich Pritzkoleit selbst beigebracht. Vor zehn Jahren schickt er seine ersten Muster an Givaudan. Das Schweizer Unternehmen ist der größte Parfumkonzern der Welt. Dort ermuntert man ihn zum Weitermachen. Mittlerweile vertreibt er auf seiner Homepage über ein Dutzend Düfte und kreiert Auftragsproduktionen für ein kleines, internationales Publikum. 

Auch Ausstellungen hat Pretzkoleit schon "beduftet". Denn: ätherisch-schweren-würzigen Düfte können Geschichten erzählen. "Geruch kann mich in meiner Stimmung verändern, Sehnsüchte auslösen", so Pretzkoleit. Momente einfangen und in kleinen Fläschchen mit sich herumtragen, das kann wohl nur ein Parfumeur.

Viel Planung vor einem fertigen Duft

Labor mit Gefäßen, Flaschen und Trichtern mit Filter
In hunderten Fläschchen bewahrt der Parfumeur Duftessenzen auf. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

In den abgedunkelten Räumen hinter der alten Apotheke in Barby mischt Pritzkoleit Muster ab. Probiert, riecht, verwirft. Immer wieder, bis die Mischung stimmt. Neunzig Prozent seiner Arbeit seien aber Planung, so der Parfumeur. Von Amber über Moschus bis Rosenöl und Zeder, die Duftpalette in seinen Regalen ist schier unerschöpflich. Auf kleinen Etiketten stehen die Namen der Rohstoffe: Patchoulie, Kräuter, aber auch die Namen chemischer Verbindungen. 

In Wirklichkeit ist es Kopfarbeit. Man entwickelt die Idee, bringt die zu Papier und arbeitet dann im Labor.

Sven Pritzkoleit, Parfumeur

Von edel bis exotisch

Hier im Labor stehen auch eher... exotische Duftstoffe. Fossile Köttel des afrikanischen Klipp-Dachses zum Beispiel. "Es hat schon eine an Raubtierkäfig erinnernde Note", stellt der Parfumeur trocken fest. Auch, wenn der Geruch eher an große Raubkatzen erinnert: Hinterlassen hat die kleinen braunen Häufchen ein kleines Wüsten-Fellknäuel. Meine ungeschulte Nase sagt: "Es riecht streng." 

Tatsächlich komme der Stoff in Minimal-Mengen in vielen Parfums vor, sagt Pritzkoleit. Und es stimmt, die Raubtier-Note lässt sich im fertigen Parfum bestenfalls erahnen. Sie gibt dem fertigen Duft aber einen animalischen Touch. 

Mann steht vor Regal mit kleinen Fläschchen und Tiegeln und schraubt eine kleine Plastikflasche auf
Das Handwerkszeug des Parfumeurs: Gläser, Waagen, Riechstreifen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Quelle: MDR/pat,mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Oktober 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 04:36 Uhr

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