Rückkehr nach Sachsen-Anhalt Einmal München und zurück – von einem, der angekommen ist

Das Glück liegt manchmal in der Ferne, aber Zuhause ist es doch am schönsten. Das hat sich Florian Heidler aus dem Salzlandkreis gesagt. Er hat einen sicheren und guten Job bei der Stadtverwaltung München an den Nagel gehängt und ist wieder nach Staßfurt gezogen, in seine alte Heimat. Der Familie und der Freunde wegen. Der Schritt hat sich für ihn gelohnt.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

von Tom Gräbe, MDR SACHSEN-ANHALT

Florian Heidler
Florian Heidler ist glücklich über seinen neuen Job in Staßfurt. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Grauer Anzug, akkurat gebundene Krawatte, Staßfurt-Anstecker am Revers, ein freundliches "Hallo": Florian Heidler ist angekommen, hier in seinem Job im Staßfurter Rathaus. Wie eine kleine Familie seien die Kollegen. "Nach einem Jahr kennt man sie alle", sagt der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes. Kein Vergleich zur Stadtverwaltung München. Dort war er in seiner Abteilung einer von mehreren hundert Mitarbeitern. Kein Vergleich zur Stadtverwaltung in Staßfurt. Seit eineinhalb Jahren prüft er hier, wie das Rathaus wirtschaftet. Für den jungen Mann ein Traumjob. Dass er jemals in seiner alten Heimat arbeiten würde, hätte er vor ein paar Jahren nicht geglaubt.

Gute Arbeitsstellen waren knapp

Florian Heidler ist in einer Zeit aufgewachsen, in der Lehrstellen knapp waren und Jobs rar; junge Menschen mit der Gewissheit aufwuchsen, nach der Schule weggehen zu müssen. Für die Ausbildung, zum Studium – um danach weit weg ihr Glück zu suchen, sich eine Existenz aufzubauen. Florian Heidler hat da keine Ausnahme gemacht. Er ist viel herumgekommen. Für eine Ausbildung zieht er nach Berlin, dann für die Fachoberschule wieder in den Salzlandkreis, dann zum Studium nach Bayern. Schließlich arbeitet er lange sieben Jahre in München. "Das hat auch alles gepasst", sagt er.

Aber, wie bei so vielen Menschen war auch bei mir der Gedanke: Ich möchte irgendwann einmal eine Familie gründen, mal ein Haus bauen.

Rückkehrer Florian Heidler

Arbeiten ist nicht gleich Ankommen

Wurzeln schlagen in der bayerischen Metropole, das ist kompliziert und teuer. Trotzdem: An die Jahre in einer der reichsten Städte Deutschlands erinnert er sich gern. An die Biergärten, die bayerische Gemütlichkeit. Ein sicherer, spannender Job in einer quirligen Großstadt. Eigentlich ein Glückfall für den jungen Mann, der in Schneidlingen bei Staßfurt aufgewachsen ist. Eigentlich. Doch Florian Heidler schaut trotzdem nach Jobangeboten in der Heimat. "Weil ich immer schon den Grundgedanken hatte, wieder zurückzukommen", sagt er.

Irgendwann stößt er dann auf das Jobangebot in Staßfurt. Die Stadtverwaltung hat eine Stelle zu besetzen, die wie für ihn gemacht ist. "Dann war die Freude natürlich groß", so Heidler. Er bewirbt sich heimlich, weiht selbst seine Familie erst später ein.

Ankommen in Staßfurt – das fiel leicht

Florian Heidler
Heidler prüft in Staßfurt, wie das Rathaus wirtschaftet. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Dann geht alles schnell. Arbeitsvertrag, Wohnung, Umzug. Das Ankommen sei leicht gewesen. Eine Wohnung habe er auf Anhieb gefunden, erzählt er. Der neue Job bedeutet viel Verantwortung, aber auch große Freude. Er kennt die Gegend, weiß wie die Menschen hier ticken. Plötzlich nicht mehr nur zu Besuch da zu sein, das fiel leicht, sagt Florian Heidler. Auch ein paar alte Freundschaften ließen sich wieder intensivieren: "Dadurch, dass ich jetzt hier auch im Sportstudio tätig bin, lernt man auch neue Leute, neue Kontakte kennen und das passt."

Das reiche München mit seinen Restaurants, Kinos, Theatern, Biergärten – im Vergleich dazu liegt in Staßfurt sprichwörtlich der Hund begraben. Die quirlige Großstadt vermisst er aber dennoch nicht. Florian Heidler sucht die Ruhe. "Dadurch, dass ich ja in Schneidlingen auf dem Dorf groß geworden bin, ist eher der Schrebergarten meins und die Natur."  Und davon gebe es ja hier eine Menge.

Zukunftsplanung in Staßfurt

Die Familie, die Freunde um sich zu haben, darauf komme es an, sagt Florian Heidler noch. Damit sei er wunschlos glücklich. Warum sollte er woanders hingehen, fragt er noch. Nur des Geldes wegen?

Nein, das habe ich gemerkt: Geld ist nicht alles.

Rückkehrer Florian Heidler

Irgendwann will er auch eine Familie gründen. Wurzeln schlagen. Das ist in Staßfurt offensichtlich einfacher als im großen München. Zuhause ist eben da, wo die Familie und die Freunde sind. Florian Heidler ist nicht zurück, sondern nach Hause gekommen.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs.

Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "FAKT IST!"-Bürgertalk | 17. Juni 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2019, 18:35 Uhr

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6 Kommentare

19.06.2019 11:46 Sigg 6

@ 4 sie hat recht , wir waren 10 Jahre im Westen gleich nach der Wende arbeiten die Rentenpunkte wurden nach dem Osten berechnet ,was schreibt der wieder für einen Mist diese Deutschschnecke den Namen hat er ja in der Tat dazu !
und zu @ 3 tolles Beispiel , ja wenn man den richtigen Posten dazu auch hat , das hat mit unzufriedenheit garnichts zu tun.

18.06.2019 09:17 Denkschnecke 5

@4.
Das bei Ihnen ist ein krasser Fall. In der Wissenschaft ist der öffentliche Dienst längst absolut angeglichen (außer dass ausgerechnet Hessen da aus dem TV-L ausschert.) Mehr als das von ihnen für Halle zitierte bekommt man als Wissenschaftler kaum. Dafür kosten vergleichbare Immobilien in Frankfurt locker das doppelte.
Und um mal das mit den Rentenpunkten gerade zu rücken: Im Osten bekomme ich für dasselbe Gehalt MEHR Rentenpunkte als meine gleich bezahlten Kollegen im Westen!

18.06.2019 07:45 Annelie 4

Ich würde gern wieder aus Frankfurt am Main zurückkommen. Die Bezahlung und alle anderen Sozialleistungen (Gleitzeit, Betriebsrente, Urlaubsgelb und Weihnachtsgeld und und und) sind im Osten jedoch leider immer noch unterirdisch. Dazu kommt noch die für mich nicht nachvollziehbare unterschiedliche Gehaltsstruktur und die unterschiedlichen Rentenpunkte. Da muss sich erst etwas ändern! Unsere Politik hat hier gnadenlos versagt! Warum sind wir die Billigtrottel?
Ein Vergleich für den öffentlichen Dienst: Projektleiter Bau (Frankfurt am Main) AT-Tarif 115.000€/Jahr + o.g Sozialleistungen
Projektleiter Bau (Halle) E11-Tarif 60.000€/Jahr + wenige Sozialleistungen
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