Mögliche Verunreinigung der Bode in Staßfurt Ermittlungen nach toten Fischen in der Bode

In der Bode in Staßfurt sind in dieser Woche zahlreiche Tiere verendet. Grund dafür könnten Industrieabwasser sein, die in den Fluss geleitet wurden. Ein Unternehmen steht im Verdacht, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Diesen Vorwurf weist die Firma von sich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Gewässerverunreinigung.

Tote Fische in der Bode
Zahlreiche tote Fische schwimmen am Ufer der Bode. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Fischkadaver verwesen am Ufer der Bode. In Trauben treiben die toten Fische flussabwärts an der Wasseroberfläche. Diese Bilder zeigen sich in dieser Woche in Staßfurt. Wegen einer unbekannten Substanz in der Bode sind zahlreiche Fische verendet.

Mehrere Angler vom Sportfischerverein waren deshalb am Freitag entlang der Bode unterwegs, um die Kadaver einzusammeln. Als Pächter seien sie dafür verantwortlich, sagte Uwe Sander MDR SACHSEN-ANHALT. Ein Mitstreiter von Sander zählt auf, welche Fischarten verendet sind:  "Zum größten Teil Weißfisch. Im hinteren Bereich auch Hechte, Zander, Göbel und Aale. Alles ist dabei." Vom Neumarkt unweit des Stadtzentrums liefen sie die Bode eins bis zwei Kilometer abwärts – überall tote Fische.

Milchiges Wasser, stechender Geruch

Das Wasser der Bode ist milchig gefärbt.
Am Mittwoch war das Wasser der Bode zeitweise getrübt. Bildrechte: privat

Bereits am Montag hatten Angler und Anwohner verendete Tiere in der Bode entdeckt. Am Mittwochabend war das Wasser des Flusses milchig getrübt. Im Internet kursierten Fotos. Ein Anwohner beschreibt, wie das Wasser die Bode ausgesehen hat: "Als ob jemand Milch reingekippt hat. Und dann hat es in Staßfurt noch jämmerlich nach Ammoniak gestunken."

Tote Tiere nach Störung im Sodawerk

In die Bode wird Wasser über einen Kanal eingeleitet.
Einer der Kanäle, über die Industriewasser in die Bode geleitet werden. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Bode Fische verenden. Im vergangenen November starben nach einer Störung in einem Sodawerk zahlreiche Tiere. Damals war Ammoniak ausgetreten. Noch immer laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, bislang ohne Ergebnis.

Wie auch andere Industrieunternehmen leitet das Sodawerk Ciech Abwasser in die Bode. Noch steht nicht fest, was das Fischsterben dieses Mal verursacht hat. Laut Polizei wurden Wasserproben entnommen, die gemeinsam mit den Fischen untersucht werden sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung.

Sodawerk bestreiten Vorwürfe

Auch wenn die Ermittlungen noch andauern, hat die Stadträtin der Linken, Bianca Görke, eine Vermutung: "Das ist ein vermehrtes Fischsterben. Natürlich denken wir, dass das die eingeleiteten Abwasser, hier speziell von der Chiech Soda, sein könnten."

Ein Mann mit Brille
Uwe Sander sammelt die toten Fische ein. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Das Unternehmen sieht sich derweil nicht verantwortlich. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT schreibt das Sodawerk Ciech, dass die weiße Verfärbung des Flusses auf unbedenklichen Kalk im Wasser zurückzuführen sei. Es habe keine Störungen im Betriebsablauf gegeben.

Die Angler haben währenddessen noch einiges zu tun. Uwe Sander vom Sportfischerverein erklärt, was mit den verendeten Tieren in der Bode passiert: "Wir dürfen die Fische vergraben, wenn sie tot sind und mit Kalk abdecken. Aber versuchen Sie mal bei dieser Witterung ein Loch zu graben."

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. August 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2019, 15:46 Uhr

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2 Kommentare

11.08.2019 15:27 Knut 2

Wurde denn die Bevölkerung gewarnt, im Fluß nicht zu baden oder zu paddeln oder zu angeln ? Doch, in anderen Bundesländern wird das so gemacht. Vor allem braucht Sachsen Anhalt nicht nur ein Hoch-, sondern auch ein Niedrigwasserwarnsystem an Flußpegeln zur immerwährenden Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes.

11.08.2019 01:17 frank r. 1

Gerade in dieser trockenen Zeit, und Niedrigwasser, sollte nichts in Gewässer eingeleitet werden dürfen. Der Gewässerschutz scheint auch nicht mehr wichtig zu sein, sonst hätte man einige Auflagen noch einmal überprüft. Bürger werden gebeten, kein Wasser mehr aus Gewässern zu entnehmen, aber Firmen dürfen ihre konzentrierte Sohle weiter einleitet. So sollte es doch eigentlich nicht weitergehen.

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