Salzlandkreis Wie das gute Leben am Concordia-See erwacht

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Seit gut einem Jahr ist die Nordseite des Concordia-Sees wieder geöffnet. In Schadeleben plant ein Investor ein Hotel und ein Dorfzentrum. Grundstücke am See sind offenbar gefragt. Am See wächst mit dem Tourismus auch die Hoffnung auf einen Aufschwung.

Baume stehen am Concordia-See.
So langsam entdecken die Menschen die Vorzüge rund um den Concordia-See. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Wer auf dem Europaradweg von Friedrichsaue nach Schadeleben fährt, der kann rechts abbiegen, ins Maisfeld. Eine geteerte Straße führt mitten hinein. Links und rechts Straßenlaternen, in regelmäßigen Abständen Gullideckel. Erschlossener Acker. An dessen Ende: eine Reihe bunt gestrichener Häuser. An den Straßenrändern: viel Platz. Von drei Seiten wirbt eine Bank auf großen Transparenten: "Wir sorgen für ihr neues Zuhause", steht drauf. Makler lächeln freundlich über die Wiese.

Es ist die Nachbarschaft von Frank Schmidt. Hier gibt es noch viel Platz. Er selbst hat 2006 hier gebaut und vermietet jetzt Ferienhäuser mit direktem Blick auf den Concordiasee. "Alles was hier steht, wurde damals gebaut. Und danach war halt Schluss" sagt er. Mit danach meint er das Jahr 2009, als an einem Samstagmorgen auf der gegenüberliegenden Seeseite der Hang in Bewegung geriet. Damals rutschten auch die Hoffnungen auf Tourismus und Aufschwung mit in den Tagebausee.

Ferienangebot muss sich noch herumsprechen

Die meisten Vorhaben wurden anschließend erstmal auf Eis gelegt. Erst seit der Freigabe des Nordufers im vergangenen Jahr steigt die Nachfrage nach den Grundstücken am See wieder spürbar an, hat Frank Schmidt beobachtet: "Das geht hier am fließenden Band, dass hier die Grundstücke weggehen." Seit der See zur Hälfte wieder nutzbar und Baden erlaubt ist, würden auch mehr Touristen kommen. "Aber, es könnten halt noch mehr sein.", sagt er. Wenn es Bewegung gibt, kämen auch Mieter. Doch dass hier wieder ein Ferienort ist und keine Siedlung am Rande eines Sperrgebiets, das muss sich erst noch verbreiten.

Trotzdem freut sich Schmidt, dass nun wieder investiert und verschönert werden kann. "Wir haben 10 Jahre stillgehalten", sagt er, während an seinem Haus die Handwerker arbeiten.

Familienidylle in Schadeleben

Ein paar hundert Meter weiter, in Schadeleben, schiebt Katja Lehmann einen Kinderwagen durch das Dorf. Hier steht ihr neues Zuhause. Sie ist gerade aus Halberstadt nach Schadeleben gezogen. "Weil wir ein Haus gesucht hatten. Ein bisschen dörflicher." Der See, der Strand, der Abenteuerspielplatz – das Angebot für Kinder sei hier gut. Auch einen Platz in der Kita habe sie schnell bekommen. Die Wege sind in Schadeleben kurz.

Eine Frau in blauem Top steht vor einem Wohnhaus.
Katja Lehmann ist vor Kurzem mit ihrer Familie nach Schadeleben gezogen. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Auch das Internet ist schneller geworden. Die Kita ist im Dorf, die Grundschule befindet sich in der Nähe. Und es wohnt sich ziemlich günstig, stellt Sebastian Kruse fest. Als Wirtschaftsförderer der Stadt und Geschäftsführer der Seeland-GmbH, die den Concordia-See betreibt, verfolgt er die Entwicklung genau. "Wir merken schon sehr stark, dass ältere Häuser verkauft wurden und junge Familien kommen." Schadeleben wächst also.

Arbeitsplätze, der See, die Autobahn A36 in der Nähe – und trotzdem könne man hier günstig im ländlichen Raum leben. Eine gute Kombination, sagt Kruse. "Die ganze Stadt Seeland kann vom See und dem touristischen Projekt profitieren.", betont er. Das brauche aber Zeit. Schließlich haben sie zehn Jahre aufzuholen.

Sebastian Kruse, Geschäftsführer der Seeland GmbH
Sebastian Kruse freut sich über die Entwicklungen am See. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vom Baggerloch zum Erholungsgebiet

Perspektiven für das Dorf, die sieht auch Lothar Quaisser. Seit den 90er Jahren vermietet er Wohnungen in Schadeleben. Aus dem alten Bürgerhaus will er ein Hotel machen. Gekauft hat er auch ein ehemaliges Verwaltungsgebäude im Ortszentrum von Schadeleben. Der Bau ist in die Jahre gekommen. Aus dem Gebäude soll ein Dienstleistungszentrum für den Ort entstehen. Kleinere Dienstleister, günstige Büroräume für einen Arzt, Handwerker – auch ein Lebensmittelladen könnte wieder in das Gebäude einziehen. So ist die Hoffnung. Momentan sitzen hier ein Bauingenieursbüro und ein Friseur. Zu tun gibt es noch viel am künftigen Service-Center.

Ein älterer Mann steht vor einem Spielplatz
Lothar Quaisser kann sich noch an Zeiten erinnern, als die Landschaft vom Braunkohleabbau geprägt war. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe

Lothar Quaisser kommt nicht aus Schadeleben. Mit dem Dorf ist er dennoch seit Jahrzehnten verbunden. Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als in dem riesigen Loch neben dem Ort noch die Braunkohlebagger standen. Dass daraus ein Erholungsgebiet wird, konnten sich damals sicher nur wenige vorstellen.

Genauso wenig wie den Umstand, dass es nach dem Erdrutsch zehn Jahre dauern würde, bis der See eröffnet wird. "Vom Glück verfolgt waren wir sicher nicht, wir hoffen, dass es jetzt besser geht", sagt Quaisser und blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Wie viele hier am See. Und wenn alles klappt, stehen bald Häuser statt Maispflanzen links und rechts der geteerten Straße zwischen Friedrichsaue und Schadeleben.

Im Vordergrund eine Wiese und eine schmale Straße. Im Hintergrund steht ein Einfamilienhaus.
Freie Grundstücke gibt es in Schadeleben und Umgebung reichlich. Bildrechte: MDR/ Tom Gräbe
Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT - als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. August 2020 | 17:00 Uhr

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