Kinder beim Filmen
Schüler Gedion Vincent Tägtmeyer (r.) und Kevin Kempf (l.) lassen sich vom Trainer Christoph-Lucas Hütter die Kameras erklären. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

YouTuber-Tag an der Hochschule Anhalt Wo Kinderträume wahr werden

Was früher Popstars waren, sind heute Social-Media-Stars. Sie sind Idole der jungen Generation. Dem Traum einer eigenen solchen Karriere durften einige Schüler aus Sachsen-Anhalt näher kommen. Auf dem YouTuber-Tag der Hochschule-Anhalt konnten sie sich ausprobieren und lernen, wie Kurzfilme für das Videoportal YouTube entstehen. Im Fokus stand, wie sie sich die Zukunft in Sachsen-Anhalt vorstellen.

von Olga Patlan, MDR SACHSEN-ANHALT

Kinder beim Filmen
Schüler Gedion Vincent Tägtmeyer (r.) und Kevin Kempf (l.) lassen sich vom Trainer Christoph-Lucas Hütter die Kameras erklären. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Jadon weiß ganz genau, wie seine Zukunft aussehen soll: "Ich möchte ein erfolgreicher YouTuber werden, erfolgreicher Breakdancer und Arzt." Und das am besten auch in dieser Reihenfolge, so der Elfjährige. Mit Ziel Nummer eins beginnt er an einem Samstag im Juni an der Hochschule Anhalt. Hier findet der erste YouTuber-Tag statt, der von dem Masterstudiengang Online-Kommunikation für Schüler aus der Umgebung organisiert wird.

Um hier dabei zu sein, musste Jadon, wie auch andere Teilnehmer, beschreiben, wie er sich die Zukunft Sachsen-Anhalts vorstellt. Die Schüler mit den besten Antworten bekommen an diesem Tag ein Training, bei dem sie alles rund um die Produktion für das Videoportal YouTube lernen. Jadon erklärt, was er an dem sozialen Medium besonders findet:

Was ich an YouTube so toll finde, ist, dass man dort alles sein kann, was man will.

Jadon Gortol, Schüler aus Schönebeck

Und so definiert er einen erfolgreichen Youtuber: "So ab 1.000/2.000 Abonnenten – das wären für mich schon sehr viele". Um so weit zu kommen, muss viel gelernt werden: Wie erstellt man überhaupt einen YouTube-Kanal? Wie nimmt man Webvideos auf? Wie bereitet man die Videos vor, sodass sie fertig hochladbar sind? Und was ist überhaupt der Inhalt meiner Videos?

Kinder beim Filmen
Jadon Gortol (Mitte) erzählt für das YouTube-Video seine Zukunftswünsche. Gefilmt wird er dabei von Gedion Vincent Tägtmeyer (r.), Kevin Kempf (l.) stellt Fragen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Videodreh: Zukunft in Sachsen-Anhalt

Der Inhalt ist an diesem Tag vorgegeben: Es geht darum, wie sich die Schüler die Zukunft in Sachsen-Anhalt vorstellen und wünschen. Am Ende des Tages soll also eine Videocollage mit den Antworten der Teilnehmer entstehen. Doch der Weg dahin ist lang. Das soll auch Jadon an diesem Tag erfahren, so wie auch andere Schüler.

Kinder und Professor Hendrik Send beim Filmen
Professor Hendrik Send erklärt Kevin Kempf wie er am besten auf Fragen antwortet. Jadon Gortol (links vorne) übernimmt die Aufgabe des Fragenstellers, Gedion Vincent Tägtmeyer (vorne rechts) filmt. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Hinter dem Projekt "YouTuber-Tag" steckt Professor Hendrik Send von der Hochschule Anhalt. Er und einer seiner Studenten, Timo Hackl, haben die Idee für diesen Workshop Realität werden lassen. "Videos werden immer wichtiger in der Online-Kommunikation, das haben wir zum Anlass genommen, den zukünftigen Studenten näher zu kommen", so Send. Hilfe haben sie sich dabei von jemandem geholt, der sich mit Videos bestens auskennt: Christoph-Lucas Hütter. Er ist extra aus Berlin angereist, dort arbeitet er für den "YouTube Space". Als studierter Kameramann hilft er professionell YouTubern bei der Videoproduktion. Als Professor und Student anriefen, war Hütter sofort begeistert. Nicht nur von dem Projekt an sich, sondern auch, weil es ihn als gebürtigen Wernigeröder interessiere, wie es in seiner alten Heimat ausschaue.

Von der Theorie zur Praxis

Für die kleinen Wunsch-YouTuber beginnt der Tag mit Theorie. Hütter erklärt erstmal, was man alles braucht, um Videos zu produzieren. Welche Kamera nimmt man, wo positioniert man sie am besten, wie arbeitet man mit dem Licht. Danach geht es ans Werk und jeder darf sich mal ausprobieren. Die technische Ausstattung dafür wird von der Hochschule gestellt. Dabei routieren die Schüler. Während der eine vor der Kamera spricht, stellt ein anderer Fragen, der Dritte filmt.

Jeder soll sich mit den Schwierigkeiten des jeweils anderen Aufgabenbereichs auseinandersetzen: Sprechen vor der Kamera, Fragen stellen und die Kamera führen. Dabei stoßen sie auf unterschiedlichste Schwierigkeiten: Wie halte ich die Kamera? Ist mein Stativ hoch genug? Passt das Licht? Wie stelle ich meine Frage am besten? Stelle ich die richtigen Fragen? Wie präsentiere ich mich vor der Kamera? Wie fasse ich mich kurz und bringe meine Gedanken auf den Punkt?

Wie unterschiedlich die jungen Charaktere sind, macht sich an den Antworten auf die Fragen bemerkbar und wie sie sich in der jeweiligen Aufgabe wohl fühlen. Sich der Kamera zu stellen, fällt nicht allen leicht. Der kleine Jadon hat damit gar keine Probleme. Neben den Antworten rund um die Zukunft Sachsen-Anhalts führt er auch einen Breakdance vor. Gedion, einem 13-Jährigen aus Wernigerode, fällt es hingegen nicht so leicht, vor der Kamera zu sprechen. Als es um die Aufgabenverteilung geht, schreit er: "Ich möchte hinter die Kamera".

Schwerer, als gedacht

Kinder beim Videoschnitt
Trainer Christoph-Lucas Hütter erklärt die Kniffe des Videoschnitts. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Zu YouTube gehört aber noch viel mehr. Sind die Videos abgedreht, geht es mit dem Schneiden weiter. Vorher muss aber das Material transferiert werden. Bei Temperaturen über 30 Grad merkt man, dass die Konzentration der Kinder irgendwann nachlässt. Die Schüler werden unruhig und sind schnell abgelenkt. Der praktische Teil hat offenbar allen mehr Spaß gemacht. Trainer Hütter erklärt den Kindern trotzdem noch, wie man Videos schneidet und mit welchen Programmen. Das Video stellt er letztlich selbstständig fertig, während die Kinder sich lieber weiter mit der Technik beschäftigen. Am Ende entsteht eine Video-Collage mit Antworten der Schüler auf die Eingangsfrage, "was sie sich für die Zukunft in Sachsen-Anhalt wünschen". Dazu erzählen sie, was sie sich für ihre eigene vorstellen. Nach den vielen Eindrücken des Tages, zieht Jadon sein Fazit:

Ich fand es wirklich sehr schön, diese Erfahrung zu sammeln, aber wie schwer so ein Videodreh ist, das ist wirklich… Wow!

Jadon Gortol, Schüler aus Schönebeck

Einen YouTube-Account hat Jadon an diesem Tag schon mal kreiert. "Aber wirklich YouTube-Videos zu machen, das wird noch ein bisschen dauern. Ich würde erstmal langsam anfangen – mit lustigen Videos zum Beispiel."

Team des YouTuber-Tages
Die jungen YouTuber und ihre Trainer: (v.l.o.: Timo Hackl, Christoph-Lucas Hütter, Kevin Kempf; v.l.u.: Jadon Gortol, Gedion Vincent Tägtmeyer, Joschua Ben Michler. Auf dem Bild fehlt: Mohamad Al Ali (weiterer Teilnehmer) und Professor Hendrik Send. Bildrechte: Hochschule Anhalt
Olga Patlan
Bildrechte: MDR/Alexander Friederici

Über den Autor Olga Patlan ist seit 2015 freie Redakteurin und Reporterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Hier schreibt sie Online-Artikel, betreut die Social Media-Kanäle und moderiert Interviews und Videos auf dem Facebook-Kanal von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie lebt seit zehn Jahren in Magdeburg. Hier studierte sie an der Otto-von-Guericke Universität Germanistik und Psychologie, spezialisierte sich aber bereits früh im Studium auf Medien. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie bei Radio SAW. In ihrer Freizeit bereist sie gern die Welt und entdeckt Neues. Daher rührt auch ihre Leidenschaft für den Beruf als Journalistin, sich immer wieder in neue Inhalte zu denken, Menschen und Inhalte darzustellen.

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Quelle: MDR/pat/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Juni 2018 | 12:31 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2018, 11:47 Uhr

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