Die Natur sich selbst überlassen Borkenkäfer im Nationalpark Harz wird kaum bekämpft

Er kommt selten allein und sein Hunger ist groß: Die Rede ist vom Borkenkäfer. Die anhaltende Trockenheit befördert die Verbreitung des Schädlings. Auch im Nationalpark Harz hat er bereits zugeschlagen. Trotzdem wird dort kaum etwas gegen den Käfer getan.

Abgestorbene Bäume in einem Wald
Abgestorbene Bäume wohin man auch schaut – im Nationalpark Harz hat der Borkenkäfer schon einigen Schaden angerichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Millionen Menschen sind jedes Jahr auf und um den Brocken unterwegs. Doch derzeit bietet sich ihnen ein eher erschreckender Anblick im Nationalpark Harz: Vielerorts sind tote Bäume zu sehen. Nationalparkleiter Andreas Pusch spricht von einem "gewöhnungsbedürftigen Anblick" und kennt die Ursache: Es ist der Borkenkäfer.

80 Prozent der Bäume im Nationalpark Harz sind Fichten, vielfach Monokulturen – und damit laut Pusch ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Und der leistet dort ganze Arbeit.

Befall von kranken und schwachen Bäumen

Der Käfer befällt dabei nur kranke oder geschwächte Bäume. Pusch sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Käfer riechen, dass der Baum geschwächt ist oder am Boden liegt." Sei der Schädling unter die Rinde vorgedrungen, lege er dort seine Brut ab.

Das Weibchen legt einen Muttergang an, frisst sich unter der Rinde fort, legt links und rechts die Eier ab. Aus diesen Eiern schlüpfen kleine Larven, die fressen sich zur Seite raus.

Andreas Pusch, Leiter Nationalpark Harz

Die lang anhaltende Trockenheit befördert das Ganze Pusch zufolge zusätzlich. Auch Spaziergänger und Wanderer am Brocken zeigen sich besorgt von dem Anblick des toten Holzes. Viele fragen sich, was getan wird, damit die Bäume wieder in einen besseren Zustand gelangen.

Was getan wird? Nichts!

Doch die Antwort des Nationalpark mag zunächst fast ebenso erschreckend wirken: Denn überwiegend wird nichts gegen den Borkenkäfer getan.

Ein Mann und eine Frau stehen an einem gefällten Baum und führen ein Gespräch.
Nationalparkleiter Andreas Pusch erklärt MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Tanja Ries, wie sich der Borkenkäfer durch das Holz bohrt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wald ist und bleibt lebendig. Auch hier, wo der Eindruck der toten Bäume überwiegt, wird sich innerhalb weniger Jahre Nachwuchs einstellen. Wir werden erleben, wie der Wald sich selbst regeneriert.

Andreas Pusch, Leiter Nationalpark Harz

Meist lassen sie im Nationalpark der Natur ihren Lauf. Allerdings gibt es auch Zonen, in denen befallene Fichten gefällt werden. Wie Pusch erklärt, grenzt der Nationalpark an einen Wirtschaftswald. Und dieser soll geschützt werden. Deswegen wird der Borkenkäfer in diesen Grenzbereichen konsequent bekämpft.

Doch in den anderen Bereichen setzt der Nationalpark auf den natürlichen Waldumbau. Denn man weiß: Die Natur wird sich über die Jahre selbst regenerieren.

Totes Holz an einem Waldrand
An einigen Stellen wird gefällt, um gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 08:16 Uhr

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4 Kommentare

21.06.2019 13:37 Sachse43 4

Es ist eine Schande, dieses nichtstun. Ich war gerne wandern zum Brocken, aber seit einigen Jahren tue ich mir diese Mondlandschaft nicht mehr an.

20.06.2019 12:14 Frank 3

Wenn man das Biotop Wald inRuhe lässt, stellt sich ein Gleichgewicht ein, und die Natur regelt Probleme selbst. Als Nächtes wird sich die Zahl der Spechte erhöhen., die eine neue Nahrungsquelle entdecken. Es ist bei allen Systemen so, das sich ein Gleichgewicht, wenn auch ein labiles, einstellt, wenn man sich nicht von außen einmischt. Lasst also den Wald in Ruhe wachsen und er wird das klären.
Die Umweltaktivisten sollten lieber gegen die Insektenkill- und Vogelschreddermaschinen, auch Windräder genannt, auftreten!

20.06.2019 11:41 Henry 2

Man Sollte lieber das Geld von der Seilbahn inSchierke nehmen und damit den Wald retten da haben alle was davon.

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