Strohballen liegen abholbereit auf einem Feld bei Heimburg.
Das Leben auf dem Land hat seine Tücken. Und trotzdem kann es lebenswert sein. Das beweisen zig Dörfer in Sachsen-Anhalt, wie Heimburg im Landkreis Harz. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Reporter unterwegs in Sachsen-Anhalt Fünf Orte, fünf Geschichten – und fünf Erkenntnisse der Sommerreise

Die MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Florian Leue und Luca Deutschländer waren eine Woche lang auf Sommerreise im Land unterwegs. Fünf Orte haben sie dabei besucht. Sie haben mit interessante Menschen gesprochen und deren spannende Geschichten erzählt. Diese Geschichten handeln von Eigeninitiative, dem Zusammenhalt auf dem Dorf – und innovativen Ideen, ohne die es nicht geht. Fünf Erkenntnisse einer Reise.

von Luca Deutschländer und Florian Leue, MDR SACHSEN-ANHALT

Strohballen liegen abholbereit auf einem Feld bei Heimburg.
Das Leben auf dem Land hat seine Tücken. Und trotzdem kann es lebenswert sein. Das beweisen zig Dörfer in Sachsen-Anhalt, wie Heimburg im Landkreis Harz. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die erste Erkenntnis: Es geht nur mit Eigeninitiative

Die Reporter Florian Leue und Luca Deutschländer stehen vor einem Ortsschild in Heimburg im Harz.
Waren fünf Tage unterwegs in Sachsen-Anhalt: Luca Deutschländer (links) und Florian Leue Bildrechte: MDR/Florian Leue

Viele Gemeindekassen sind leer. Geld für Projekte in den Ortschaften? Oftmals Fehlanzeige. Das kann man akzeptieren und schimpfen. Nur: Besser wird es davon auch nicht. In den Dörfern und Städten, die MDR SACHSEN-ANHALT in dieser Woche besucht hat, haben die Menschen das verstanden. In diesen Dörfern und Städten gibt es sie – die Menschen, die umtriebig sind und aus denen die Ideen für ihre Heimat nur so sprudeln. Es braucht diese Menschen. Sie packen die Dinge an, sie überlegen, mit welchen Ansätzen die Misere besser werden könnte. Sie sind die Macher.

Die zweite Erkenntnis: Der Zusammenhalt ist wichtig

Wenn das Geld fehlt und die Unterstützung vom Land oder der Gemeinde zu lange auf sich warten lässt, dann ist das in erster Linie ärgerlich, klar. Aber: Eine starke Dorfgemeinschaft kann das auffangen. Wenn die Menschen zusammenhalten, wenn sie sich gemeinsam für ihr Dorf stark machen, dann ist vieles möglich.

Auf dem Dorf kennt jeder jeden, heißt es immer. Das ist der erste Schritt, um zusammenzuhalten. Wenn jeder jeden kennt, dann kennt er auch die Probleme und Sorgen anderer. Hilfe beim Hausbau? Na klar. Nachbarschaftsdienste erledigen? Logisch. Mithelfen, wenn Bänke für den Dorfteich gebaut werden? Selbstverständlich.

Nur so geht es. Einer allein kann in den meisten Fällen wenig ausrichten. Wenn viele Menschen sich zusammentun, sieht das ganz anders aus. Der Zusammenhalt auf dem Dorf – er ist einer der wesentlichen Gründe, warum das Dorfleben Zukunft haben kann.

Die dritte Erkenntnis: Viele Menschen stöhnen über zu viel Bürokratie

Zu viel Bürokratie – diese Klage hört man in Deutschland häufiger. Und man hört sie auch in Heimburg, in Schleberoda, in Osterburg, in Diebzig – und in Thale. An jeder Station der Sommerreise haben Menschen geklagt, dass wegen vieler bürokratischer Hürden vieles unnötig schwer gemacht wird. Das fängt an beim Beantragen von Fördergeld, über das Karin Reglich vom Heimatverein in Schleberoda sagt, man brauche dafür das Quarter-Abitur. Und es geht weiter

Überraschend: Selbst in der Stadtverwaltung von Osterburg, die ja ebenfalls eine Behörde ist, hört man Klagen über zu hohe bürokratische Hürden. Amtsleiterin Anke Müller wünscht sich besonders bei Modellprojekten einen Abbau der Hürden. Sie fragt: Warum nicht mal einfach testen, ohne vorher von den Vorschriften zermürbt zu werden?

Die vierte Erkenntnis: Nicht jedes Dorf stirbt aus

Der Trend ist da: Gestresste Großstädter, die auf das Land ziehen – davon hört man immer häufiger. Kann ja auch entschleunigend sein, das Leben im Dorf. Und wenn es dann noch gelingt, die Zugezogenen in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, dann kann es eigentlich nur gut sein. Denn Probleme in der Stadt sind ja längst bekannt: Es fehlt zum Beispiel an bezahlbaren Wohnungen.

Auch in Diebzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld freut sich Ortsbürgermeister Werner Seidel über frischen Zuzug. Ein junges Paar Anfang 30 hat in dem Dorf gebaut. Die beiden hatten vorher in Halle gelebt.

Die fünfte Erkenntnis: Sachsen-Anhalt kann innovativ sein

Innovation entsteht in der Stadt und den Start-Ups dieser Welt. Das mag in Ansätzen so sein – aber eben nicht ausschließlich. Auch der ländliche Raum kann Innovation! Ein gutes Beispiel dafür ist sicher das Dorf Schleberoda im Burgenlandkreis. Dort fahren nur noch selten Busse. Und auch, wenn Freyburg nicht weit entfernt ist: Wer kein Auto hat, der hat ein Problem.

Die Einwohner von Schleberoda wollen das nicht länger hinnehmen – und haben ihr eigenes Mobilitätskonzept auf die Beine gestellt. Bis zum kommenden Jahr soll die Gemeinde Elektro-Autos kaufen, die dann jeder im Dorf nutzen kann – für den Einkauf, die Fahrt zum Fußballspiel oder wohin auch immer.

Was nicht vergessen werden darf: Schleberoda ist ein Dorf von gerade einmal 160 Einwohnern. Die aber stellen Dinge auf die Beine, wie sie wohl eher in einer Kleinstadt üblich sind. Ideen haben, Lösungen entwickeln, die Zukunft anpacken – in Schleberoda haben die Menschen das längst verstanden.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Luca Deutschländer Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Florian Leue
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Florian Leue Florian Leue ist seit März 2018 Teil der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Er kommt gebürtig aus Magdeburg und hat dort an der Hochschule ein Journalistik-Studium absolviert. Nach verschiedenen Jobs und Praktika bei Medienunternehmen zog es ihn für ein medienwissenschaftliches Masterstudium noch einmal an die Uni nach Marburg. Zum MDR ist er dann durch ein Volontariat gekommen. Er findet an Online-Journalismus vor allem spannend, dass dort alle Gewerke zusammenlaufen und Geschichten durch den Mix von Text, Ton und Visuellem ganz neu erzählt werden können.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2019, 17:14 Uhr

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1 Kommentar

27.07.2019 19:53 Richard 1

Schöne Idee, gute Erkenntnis. Mehr davon!

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