Ein Schwimmtrainer mit Kindern in einer Schwimmhalle.
In Syrien war Hadi auch schon Schwimmtrainer. Nun hilft er beim Unterricht in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Integration in Magdeburg Syrer Hadi bringt Kindern Schwimmen bei

Schwimmen und studieren – das sind die Wünsche von Hadi, der vor zwei Jahren aus Syrien kam. In Magdeburg könnten sich seine Träume bald erfüllen. Seit März hilft er ehrenamtlich beim Kinderschwimmen.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Schwimmtrainer mit Kindern in einer Schwimmhalle.
In Syrien war Hadi auch schon Schwimmtrainer. Nun hilft er beim Unterricht in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

"Wir sind sportlich – wir sagen Du, oder?" – damit begrüßt mich Abdulhadi Sattout am Beckenrand der Schwimmhalle in Magdeburg-Olvenstedt. "Ich bin Hadi. Das ist kürzer, auch für die Kinder leichter." Hadi ist trotz seines Akzents gut zu verstehen und lächelt viel. "Ich bin froh, hier die Kinder trainieren", sagt er, das war auch schon sein Beruf in Syrien. Nun ist er auf dem Weg, auch in Magdeburg Schwimmtrainer zu werden. Das hätte er nie gedacht, doch dann kam der Krieg, sagt Hadi. Die Bomben sind der Grund, warum er seine Stadt vor rund zwei Jahren verließ.

Ohne den Krieg wären sich Magdeburg und Aleppo aber gar nicht so unähnlich, findet Hadi: beides Städte mit Universitäten, mit netten Menschen genauso wie merkwürdigen Leuten. Aleppo in Syrien ist Hadis Heimat, Magdeburg ist dabei, seine Wahlheimat zu werden. Und sie hat gute Voraussetzungen, denn der 21-Jährige hat einen Traum: Er will Sportwissenschaft studieren. Derzeit sieht es so aus, als könnte das bald klappen. "Ich habe nicht gedacht, dass ich mal Deutsch lerne", meint Hadi. Doch wenn er in Syrien nicht arbeiten könne, dann müsse es anderswo gehen.

Der Asylantrag ist genehmigt, Hadi darf bleiben und seit März ehrenamtlich beim Kinderschwimmen helfen. "Mal hilft er mir, mal übt er mit den Kindern eigenständig, er ist uns eine große Hilfe", sagt Trainerin Petra Dimter.

Schwimmen als Leidenschaft

Dass er nun mithelfen und auch selbst wieder schwimmen kann, macht Hadi froh. "Schwimmen ist mein Lieblingssport, seit ich vier bin." Die Augen leuchten, als er das sagt. "Schwimmen und seit 2010 auch Wasserball. Ich habe einmal gespielt und seitdem bin ich dabei."

Die Kinder lieben ihn, weil er jeden Quatsch mitmacht.

Schwimmtrainerin Petra Dimter

In Syrien war Hadi auch schon Schwimmtrainer, doch die Ausbildung wird in Deutschland nicht anerkannt. Deswegen muss er den Rettungsschwimmer noch einmal machen. Eigentlich überflüssig, denn die Ausbildung sei in Syrien eins zu eins dieselbe. "Es gibt kein Unterschied, es ist hundert Prozent gleich. Nur der Unterschied ist die Sprache", sagt Hadi lachend. Die Hilfe bei den Kindern ist ein guter Einstieg, findet Petra Dimter. "Er lernt die Sprache, er lernt, wie wir Deutschen so sind und wir helfen ihm natürlich auch, weil er ein unheimlich netter, liebenswerter Mensch ist."

Bürokratie kaum zu verstehen

Eine Frau und ein Mann in einer Schwimmhalle.
Petra Dimter vom Magdeburger Sportverein Elbe unterstützt Hadi. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Der Kontakt entstand über die Freiwilligenagentur Magdeburg, die einen Verein suchte, der Schwimmen und Wasserball anbietet. Der MSV Elbe meldete sich und auch menschlich passt es gut, so Dimter. Als nächstes steht für Hadi die Ausbildung zum Schwimm- und Wasserballtrainer an. Und dann kommt die Einschreibung an der Uni – wenn Hadi den Deutschtest besteht. Doch daran hat Petra Dimter keinen Zweifel.

Bei bürokratischen Angelegenheiten hilft sie ihm gern. "Wir treffen uns einmal die Woche, schauen, was er in der Schule nicht verstanden hat oder wenn er Fragen zu Anträgen hat. Es ist auch für uns Deutsche schwer, das alles manchmal zu verstehen und dann frag ich mich: Das muss jemand verstehen, der unserer Sprache nicht mächtig ist."

Schwimmen, Wasserball spielen und die Möglichkeit zum Studium – Hadi betont, dass er zufrieden ist. "Das reicht, damit bin ich glücklich." Er habe eine kleine Wohnung für sich und sich gut eingelebt, sagt er. Doch natürlich fehle ihm auch seine Familie, die in Syrien geblieben ist. "Es ist zu schwer für mein Eltern, herzukommen. Sie sind nicht so jung und also sie können nicht neue Sprache lernen. Es ist zu schwer für sie, aber für mich ganz einfach." Jeden Tag telefonieren sie miteinander. Die Eltern freuen sich, dass es ihrem jüngsten Sohn gut geht. "Ich hatte Glück", sagt Hadi.

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Quelle: MDR/kb

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 17:34 Uhr

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44 Kommentare

07.12.2017 14:13 maria 44

@ 38 meine Güte...dann scheint es bei Ihnen nicht weit zu reichen...wenn Sie nicht nur mdr oder ARD sehen würden, sondern deutschlandweit die Nachrichten lesen (auch die schnell wieder verschwinden) würden Sie wissen, dass sehr viele ohne Ausweis gekommen sind. Wie wollen Sie wissen, wie das polizeiliche Führungszeugnis aussieht?
Naja diese Erklärung wird Ihnen nicht viel helfen!!
PS. Nichts für Ungut an das mdr Team......

07.12.2017 11:11 Bernd L. 43

Hallo Frau FraukeGarting (Beitrag 37),
die meisten "rechten Hitzköpfe" können leider nicht, denn sie arbeiten den ganzen Tag und erwirtschaften das Bruttosozialproduckt, dass die "linken Hitzköpfe" so gern verteilen, viele "Kämpfer gegen rechts" erhalten davon ihren Lebensunterhalt und ihre Förderung.

06.12.2017 18:39 Eulenspiegel 42

Hallo @ Eulenspiegel 34
Ich denke dem Aufruf von Frauke Garstig 37 wird keiner folgen. Ich glaube dem brauch man nichts hinzufügen.