Nightjet
Jeden Tag um 22:58 Uhr fährt der "Nightjet" von Magdeburg nach Zürich. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Ausgeschlafen ankommen Unterwegs mit dem "Nightjet"

In Magdeburg einschlafen und in Zürich aufwachen – das geht mit dem "Nightjet". Seit dem 10. Dezember dieses Jahres ist der Fahrplan des Nachtzuges umgestellt und er fährt auch über die Landeshauptstadt. Ein Erfahrungsbericht.

von Hagen Tober, MDR SACHSEN-ANHALT

 Nightjet
Jeden Tag um 22:58 Uhr fährt der "Nightjet" von Magdeburg nach Zürich. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Manchmal kann man als Kunde die strategischen Entscheidungen der Deutschen Bahn überhaupt nicht verstehen. So zum Beispiel das Einstellen der beliebten "City Night Line" im vergangenen Jahr.

Bereits Ende 2015 kündigte die "DB Fernverkehr" an, mit dem Winterfahrplanwechsel im Dezember 2016, das Nachtzuggeschäft komplett aufzugeben. Allein die Ankündigung entfachte einen Sturm der Entrüstung, nicht nur bei den Bahnkunden.

Führungswechsel im Nachtgeschäft

Doch wie es auch im richtigen Leben so ist, mit einem Ende öffnet sich auch meistens wieder ein neues Türchen, diesmal passte das sogar in die Adventszeit im Dezember. Denn die "Österreichischen Bundesbahnen ÖBB" beobachteten bereits seit dem Sommer 2016 ganz genau, was sich da auf dem deutschen Schienennetz abspielen wird. Und sie trafen die Entscheidung, das Nachtzuggeschäft der Deutschen Bahn zu übernehmen.

Anzeigetafel im Nightjet
Die Stationen des Nachtzuges: Vorher hielt er nicht in Magdeburg, sondern in Halle. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Unter dem Label "Nightjet" fahren die ÖBB inzwischen auf 16 Linien in ganz Deutschland und über die Ländergrenzen hinaus. Der Erfolg gibt dieser Unternehmensentscheidung Recht, weit über eine Million Fahrgäste fuhren im vergangenen Jahr mit den Nachtzügen der ÖBB. Seit am 10. Dezember dieses Jahres auf den neuen Winterfahrplan umgestellt wurde, ist die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg in das Streckennetz der "Nightjet"-Linien integriert.

Für einen Tag nach Zürich

Das eröffnet Bahnfahrern aus der Region ganz neue Perspektiven. Sie können täglich ab 22:58 Uhr von Magdeburg aus, ohne Umsteigen zu müssen, direkt nach Zürich fahren. Das preiswerteste Ticket gibt es im Sitzabteil ab 29 Euro, eine Fahrt. Damit wollen die ÖBB vor allem den Fernbussen Konkurrenz machen. Liegeabteile sind ab einem Preis von 49 Euro zu haben, Schlafabteile ab 69 Euro – aufwärts. Und wer die nutzt, kommt 9 Uhr morgens ausgeschlafen auf dem Hauptbahnhof in Zürich an. Zeit genug für Reisende, die nur auf einen Tagestripp aus sind, denn am Abend fährt der "Nightjet" wieder zurück nach Magdeburg und dann weiter nach Berlin Ostbahnhof.

Team des Nightjets
Das Team des "Nightjets": Jeder Waggon hat einen Fahrgastbetreuer. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Obwohl es im österreichischen Nachtzug keinen Speisewagen gibt, muss kein Reisender verdursten oder verhungern. Jeder Waggon des "Nightjet" hat einen Fahrgastbetreuer, der die Passagiere direkt im Abteil bedient. Die Speisekarte liest sich nicht nur aus preislicher Sicht gut. Eine Gulaschsuppe für 4,60 Euro, das Schinken-Käse-Panino für 4,20 Euro, ein Frühstück für nur 5,70 Euro oder ein Weißbier für 2,90 Euro.

Die Österreichischen Bundesbahnen selbst haben nicht damit gerechnet, dass das Besetzen dieser Nische für sie einen derart großen Erfolg nach sich ziehen würde. Obwohl sie für jeden auf dem deutschen Streckennetz gefahrenen Kilometer neun Euro Gebühr zahlen müssen, klingelt es in der Unternehmenskasse. Die Österreicher denken an einen weiteren Ausbau des Nachtzuggeschäftes. Neue Streckenführungen, vor allem auf den europäischen Nord-Süd-Achsen, wird das Unternehmen jedoch erst ab 2020 realisieren können.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Dezember 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2017, 21:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

29.12.2017 21:33 Ekkehard 11

Endlich hat Magdeburg ein Stück von dem zurück bekommen, was es einmal an internationaler Anbindung gab: in den 90ern zum Beispiel einen Nachtzug nach Paris; ideal, um nach Paris zu kommen.
Das Magdeburg vom Fernverkehr abgehängt wurde, war gesamtdeutsche Verkehrsplanung. Der ICE musste ja möglichst schnell vom Westen nach Berlin - durch menschenleeres Gebiet, die Anbindung des Ostens war scheinbar egal. Und alte CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt waren auch noch stolz darauf. Leider immer wieder der gleiche Fehler der Bahnpolitik: die Erschließung der Fläche wird zugunsten von Prestigeobjekten geopfert. Im Autoland Deutschland soll die Bahn dem Flugzeug Konkurrenz machen, aber bitte nicht dem Auto....

29.12.2017 16:13 Dirk illing 10

Bahn will 14% rendite...Österreicher ist mit 5,9% Rendite zufrieden...kanns einfach

29.12.2017 15:18 Jens 9

Alle Evu (Eisenbahnverkehrsunternehmen) müssen Trassengebühren zahlen. So die Nightliner 9€ pro Schienenkilometer. Aber auch der ÖPNV Schiene muss die Trassengebühren zahlen. Dazu kommen Stationsgebühren / Mineralölsteuern / EEG Umlage usw -
usw.! Und hier greift die Wettbewerbsungerechtigkeit -gegenüber der Strasse und Luftfahrt. Fernbusse zahlen keine Maut und stellen auch keine eigenen Stationen her - sondern fordern eine kostenlose zur Verfügungsstellung der Haltestellen( zb. Winterdienst und Beleuchtung zahlt der Steuerzahler) und und.....